Nachbar in Pößneck erstochen - Polizisten von Geständnis überrascht

Gera  Die Einsatzkräfte, die zuerst am Tatort eingetroffen waren, sagen im Mordprozess aus. Warum sie sich überrascht vom Geständnis des Angeklagten zeigen.

Der Angeklagte mit Verteidiger Manfred Dahmen.

Der Angeklagte mit Verteidiger Manfred Dahmen.

Foto: Tino Zippel

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Im Prozess um ein Tötungsverbrechen an einem 67-Jährigen in Pößneck haben am Mittwoch die Polizisten ausgesagt, die zuerst am Tatort eingetroffen sind. Ein 78-jähriger Ingenieur soll das schlafende Opfer aus Rache erstochen haben.

Bei den Zeugenaussagen zeigt sich: Zunächst haben die Beamten den heutigen Angeklagten, der im Schlaf­anzug in seiner Wohnungstür wartete, nach dem Weg zum Einsatzort gefragt und wegen des unscheinbaren Auftretens gar nicht als möglichen Täter in Betracht gezogen. Den vermuteten sie noch in der Dachgeschosswohnung. Ein Polizeihauptmeister zückte vor der Wohnungstür die Waffe, um den Zutritt abzusichern. In der Wohnung fanden die Polizisten aber nur den leblosen Mann auf dem Matratzenlager. Sie holten den Notarzt in den Raum, der aber nur noch den Tod des Seniors feststellte.

Angeklagter in Tatnacht „unangemessen fröhlich“

Die Polizisten gingen zurück ins Treppenhaus und fragten eine Etage tiefer den noch immer wartenden Rentner, ob er etwas mitbekommen habe. „Er sagte, er habe das Recht in seine Hand genommen, wäre oben gewesen und habe zugestochen“, berichtet ein Polizeiobermeister. „Das kam wie aus heiterem Himmel. Aufgrund der Äußerung haben wir ihn festgenommen.“ In der Wohnung habe der Mann mehrfach das Geständnis wiederholt, aber auch gesagt, dass er den Mann nicht töten wollte. „Er hat auch Schatten-Box-Vorführungen gemacht, um uns zu zeigen, wie fit er trotz 78 Jahren ist“, berichtet der Beamte. Ein Kollege schätzte das Verhalten des Beschuldigten als „unangemessen fröhlich“ ein. „Er kam mir vor, als sei er als Sieger über den Berg gegangen.“

Die Beamten äußerten auch Indizien, die die Aussagen des Rentners widerlegen. Der hatte behauptet, wegen eines Trittes des späteren Opfers unglücklich auf ihn gestürzt zu sein. Allerdings hatten die Beamten den Tatverdächtigen nach der Festnahme ausziehen lassen und inspiziert. Verletzungen oder übermäßige Hautrötungen waren dabei nicht erkennbar. „Wenn jemand einen heftigen Tritt abbekommt, ist schon etwas zu sehen“, sagt ein Polizist mit Kampfsporterfahrung.

Rentner soll schlafendem Opfer in Pößneck ins Herz gestochen haben

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