Wissenschaftliche Corona-Studie in Neustadt am Rennsteig kann beginnen

Neustadt.  Bis Anfang Mai stand Neustadt am Rennsteig unter Quarantäne. Die Uni Jena und das Land erwarten durch eine Studie Aufschluss über Ansteckungswege und Krankheitsverläufe.

Bürgermeister Peter Grimm

Bürgermeister Peter Grimm

Foto: André Heß

Tagelang stand Neustadt am Rennsteig im Fokus des öffentliches Interesses. Wegen eines heftigen Anstieges von Corona-Infektionen unter den 900 Einwohnern wurde über den Ortsteil der Verwaltungsgemeinschaft Großbreitenbach eine Quarantäne verhängt. Die Zufahrtswege wurden gesperrt. Der Ort sei versorgt gewesen, die Mehrheit der Bewohner habe sich an die Regeln gehalten, erinnert sich Bürgermeister Peter Grimm. Für Negativschlagzeilen sorgten die, die meinten, sie müssten die Sperren umgehen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Auch deshalb blickt Grimm mit Spannung auf eine Corona-Studie der Uniklinik Jena im Ort, die jetzt Fahrt aufnimmt. Am Donnerstag wollen Uni, Wissenschaftsminister, Landrätin und die Ortsverantwortlichen vor Ort über den Start des Vorhaben informieren. Die Landesregierung erwarte von der Studie einen fundierten Beitrag zur Forschungsdebatte über Covid-19. „Dabei geht es Ansteckungswege, unterschiedliche Symptome und Krankheitsverläufe sowie um eine mögliche Immunität nach überstandener Erkrankung“, sagt Stephan Krauß, Sprecher des Wissenschaftsministeriums.

Die Studie könne ein Baustein zum Kampf gegen das Virus sein. Laut Grimm wurden dafür in Neustadt bereits Räumlichkeiten im Gemeindezentrum gesichtet und alle getesteten Einwohner angeschrieben. Trotz Freiwilligkeit hofft der Ortschef auf genügend Rückinformationen. Der Ort sei seinerzeit fast komplett getestet worden, das schaffe eine seltene Ausgangslage für aufschluss- und hoffentlich hilfreiche Nachfolgeuntersuchungen.

Wie viele letztlich mitmachen würden, sei offen. „Einfach wird es nicht. Neben denen, die sich noch einmal Blut abnehmen lassen werden, wird es den einen oder anderen geben, der nach der Totalabsperrung genug hat vom Thema“, vermutet Macheleidt. Er wünsche er sich aber, dass der Ort durch die Studie wieder eine bessere Presse bekommt. „Die Neustädter sind nicht anders als andere Menschen. Sie haben einen positiven Blick verdient“, sagt Grimm. Beantragt wurde die Studie vom Institut für Infektiologie der Uniklinik Jena unter Leitung von Prof. Matthias Pletz. Das Wissenschaftsministerium sagte vorab die Finanzierung zu. „Die genauen Kosten sind noch zu klären. Die Finanzierung soll möglichst über das Sondervermögen Corona erfolgen“, so Ministeriumssprecher Krauß. Die Letztentscheidung über den Sonderfonds liege beim Landtag, der darüber voraussichtlich noch im Mai entscheiden wird.

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