Abgenagt bis auf die Rippen: Dieses Mal angefressenes Kalb auf Weide in Bollberg entdeckt

Landwirt Peißker aus Bollberg entdeckte auf seiner Weide ein totes Kalb. Silvester Tamas vom Nabu schließt einen Luchs als Verursacher aus.

Das tote Kalb, das Peißker halb aufgefressen auf der Weide Am Poppenberg fand.Foto: Frank Kalla

Das tote Kalb, das Peißker halb aufgefressen auf der Weide Am Poppenberg fand.Foto: Frank Kalla

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Bollberg. Landwirt André Peißker aus Bollberg traute vergangenen Freitag seinen Augen kaum, als er auf der Weide seiner kleinen Mutterkuh-Herde in Richtung Zaun blickte: Abgenagt bis auf die Rippen lag dort am Waldesrand ein totes Kalb. "Das unbekannte Tier hatte noch versucht, das Kalb unter den Zaun hindurch zu ziehen", erzählte Peißker. Noch nie hatte der 37-jährige Landwirt aus Bollberg, der im Nebenerwerb ein paar Nutztiere hält, etwas Derartiges gesehen. "Da macht man sich automatisch Sorgen um sein Vieh."

Mufflons in der Region seit langem unruhig

Peißker fielen die Vorfälle in Untergneus ein, wo ein bislang ebenfalls unbekanntes Tier in den Wintermonaten zahlreiche Jungtiere in dem Wildgehege von Thomas Töpel gerissen hatte. "Da dachte ich mir, das mit dem Kalb sollte man ebenfalls melden." Zumal ihm Jäger aus dem Mörsdorfer Raum berichtet hatten, dass die Mufflons in den Revieren seit geraumer Zeit überaus unruhig gewesen seien. "Die Jäger haben berichtet, dass sich die Mufflons zu größeren Herden zusammengeschlossen haben und ihre Jungtiere in der Mitte geschützt halten. So als wollten sie einen Angreifer von außen abwehren." In einem anderen Revier, so Peißker weiter, will ein Jäger gar einen Wolf gesichtet haben. Auch deshalb nahm er Kontakt zu Thomas Töpel auf. "Der gab mir den Rat, einen staatlichen Riss-Gutachter zu informieren."

Riss-Gutachter viel zu spät vor Ort

Peißker telefonierte stundenlang, ohne Erfolg. Als er endlich einen der Gutachter ans Handy bekam, habe der gleich gesagt, dass es sich in seinem Fall zu 95 Prozent um einen Fuchs gehandelt haben müsse. "Dabei haben mir Jäger bestätigt, dass dies kein Fuchs zuwege bringen kann." Tatsächlich stellte einer der Riss-Gutachter dann am Montag fest, dass sich an dem vermutlich totgeborenen Kalb ein größeres Tier zu schaffen gemacht haben musste. "Etliche Rippen waren gebrochen." Die Vermutung des Gutachters: Ein wildernder Hund hatte sich an dem Jungtier satt gefressen. Ob es tatsächlich einer war, bleibt offen. Mögliche DNA-Spuren, die man am Freitag noch hätte sicherstellen können, waren da schon unwiederbringlich verloren gegangen.

Peißker ist über die Arbeit der staatlichen Gutachter alles andere als begeistert. "Auch wenn es möglicherweise ein Hund gewesen war, schöner wäre es gewesen, man hätte dies anhand einer DNA-Probe festgestellt." Peißker drängt sich inzwischen der Verdacht auf, dass eine Aufklärung solcher Fälle gar nicht erwünscht ist. Vielleicht seien ja Wolf und Luchs schon lange da, man wolle das Thema aber möglichst klein halten.

Silvester Tamas, Sprecher der Thüringer Nabu-Landesarbeitsgruppe Wolf, sagte, die Gutachter-Geschichte sei etwas unglücklich gelaufen. Just an diesem Tag habe die Landesanstalt für Umwelt und Geologie, bei der der Gutachter arbeite, alle Hände voll mit der Auswertung des Erdbebens zu tun gehabt. "Bei der TLUG stand man Kopf", erklärte er. Zudem habe es sich in Bollberg um ein offensichtlich gefallenes Weidentier gehandelt. "Das Kalb wurde nicht gerissen."

Nabu-Landessprecher fordert mehr Gutachter

Gleichwohl forderte Tamas das Thüringer Umweltministerium auf, mehr staatlich geprüfte Riss-Gutachter zu bestellen. "Es ist nur eine Frage von wenigen Jahren, bis wir uns immer häufiger mit Rissen beschäftigen müssen, die vom Wolf oder Luchs stammen." Nur erfahrene Leute könnten feststellen, ob beispielsweise ein Spitzzahn- oder ein Rundzahntöter das Haus- beziehungsweise Wildtier zur Strecke gebracht habe. Zudem könne man nur mit einem C1-Nachweis als Halter darauf hoffen, eine Entschädigung zu erhalten. Unter einem C1-Nachweis verstehen die Nabu-Experten, dass zweifelsfrei erwiesen ist, dass ein Wolf das Tier gerissen hat. "Beim Luchs steht eine solche Entschädigungsregelung in Thüringen noch aus."

Inzwischen ist klar, dass es sich im Fall des Untergneuser Wildgeheges, wo ein unbekanntes Tier über 30 Kitze und Lämmer riss und großteils fraß, nicht um einen Luchs gehandelt hat. "Die bisherigen Ergebnisse aus dem Senckenberg-Institut schließen einen Luchs definitiv aus", sagte Tamas. In Betracht käme nun noch ein Wolf oder ein wildernder Hund. "Das wird noch einige Tage dauern, bis hier ein Ergebnis vorliegt, da es sich um sehr alte Haarproben handelte."

Dass am Ende auch hier die Spur zu einem wildernden Hund führte, wollte Tamas nicht ausschließen. "Von den über 130 Untersuchungen kam man zu 98 Prozent auf Fuchs oder wildernden Hund. Kommentar

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