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Bier-Test: Etwas „Wetten, dass...?“ in der „Höhle der Löwen“

Berlin.  Drei „Top-Gründer“ gehen bei der „Höhle der Löwen“ ohne Deal. Bei Trockenfleisch herrscht Uneinigkeit. Aber: Flaschenbier funktioniert.

"Die Höhle der Löwen": Das ist die Jury 2019
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Aus der Flasche oder frisch gezapft – welches Bier schmeckt besser? Natürlich ein frisch gezapftes, findet Unternehmer und Löwe Nils Glagau. Aber kann er die beiden auch in einer Blindverkostung voneinander unterscheiden?

Um die Löwen von ihrer Erfindung – „dem kleinsten Zapfhahn der Welt“ - zu überzeugen, spannten die Gründer Jana, Jürgen und Thorsten Investor Glagau als Testperson ein. Ein bisschen „Wetten, dass...?“ in der „Höhle des Löwen“.

Für ihn war schnell klar: Das zweite Bier muss ein frisch gezapftes sein. Auf diese Antwort hatten die Gründer gehofft. Die Wahrheit aber ist: Keines der Biere wurde frisch gezapft, beide stammten aus der Flasche. Verwunderung und Ratlosigkeit bei den Löwen. Wie kann das sein?

„Höhle der Löwen“: „Taste Hero“ macht das Bier frischer

Den Unterschied macht der so genannte „Taste Hero“ (deutsch: „Geschmacksheld“). Ein kleiner Aufsatz für die Bierflasche. Fließt das Bier durch die dort eingebaute Düse, wird ihm Sauerstoff zugeführt, was den Anteil der Kohlensäure in der Flüssigkeit verringert.

So soll das Bier angenehmer zu trinken sein, weniger Sodbrennen verursachen und eben wie ein frisch gezapftes Bier schmecken. 50.000 Euro wollten die Gründer für 20 Prozent ihrer Firmenanteile. „Da habt ihr gut getüftelt“, fand Georg Kofler. Sein Geld wollte er aber nicht investieren. „Ich trinke doch lieber Wein.“

Dümmel will die Bier-Gründer groß machen

Dass die drei Gründer ihr Produkt bisher nur erfunden, nicht aber auf den Markt gebracht und vertrieben haben, sorgte fast dafür, dass sie ohne Deal nach Hause gehen mussten. Bierverkoster Glagau und Ralf Dümmel konnten jedoch darüber hinwegsehen.

Dümmel war richtig angetan davon, die Gründer groß zu machen. „Ihr habt ein geniales Produkt. Ihr habt Gold hier“ Kein Wunder, dass sie sich bei so viel Lob für Dümmel entschieden.

So lief es für die anderen Gründer:

„Sticker Stars“ verzocken sich

„Gib mal den Maschmeyer rüber!“, „Ich brauche noch einen Dümmel“, „Dümmel gegen Daggi?“ – die Löwen kamen richtig ins Tauschfieber. Die Gründer Michael, Fabian und Mirko aus Berlin haben ihnen ein Sticker-Sammelalbum mit den Bildern der Löwen mitgebracht. Eigentlich dreht es sich bei ihrem Produkt „Sticker Stars“ aber um Sportvereine.

Die Idee: Jeder Verein kann sein eigenes Sammelalbum bekommen – egal ob Fußball, Handball oder Eishockey. Spieler, Trainer, Bratwurstverkäufer, Hausmeister etc. werden fotografiert, ihre Sticker und Alben sind dann im örtlichen Supermarkt zu kaufen. Die Finanzierung ist aber kompliziert: Die Vereine zahlen nichts, die Kosten (4000 Euro) trägt der Supermarkt, der die Sticker exklusiv vertreiben darf.

Von den Stickern angelockt sollen neue Kunden in den Markt gezogen werden. Funktioniert das Modell? Carsten Maschmeyer hatte Skepsis, ob die Märkte bei „Sticker Stars“ das tatsächlich mitmachen.

Dass die Gründer am Ende keinen Deal erhielten – trotz großer Begeisterung für das Produkt – lag schließlich in der Unternehmensbewertung begründet. 800.000 Euro für 10 Prozent Firmenanteile – das macht einen Unternehmenswert von 8 Millionen.

„Da fühle ich mich über’n Tisch gezogen. Eure Bewertung ist nicht akzeptabel“, sagte Georg Kofler. Bisher haben die Löwen in vier Jahren nur 500 Sportvereine (von rund 90.000) auf Stickern verewigt und rund sechs Millionen Euro Umsatz gemacht.

Auch die anderen Löwen empfanden die Forderungen als unverschämt. Schade. Denn Carsten Maschmeyer betonte: „Ihr gehört zu den Top-, Top-, Top-Gründern. Mega Typen, super Auftritt.“

„icapio“ wird dank Maschmeyer zum dicken Fisch

Christopher Rupp hatte gleich drei Interessenten an der Angel. Der Apotheker konnte die Löwen von „icapio“ überzeugen, einem Angelködersystem. Der Hobby-Angler hatte in der Vergangenheit immer wieder Probleme gehabt, einen Fisch zu fangen. Auf seine Köder schienen die Tiere nicht zu reagieren.

Dann fand er heraus: Fische sind kurzsichtig, können den Köder in dreckigem Wasser nicht gut sehen. Also erfand er einen Köder, der den Geruchssinn reizt. Oberhalb des eigentlichen Köders wird dazu eine Kapsel mit getrocknetem und gemahlenem Fisch angebracht, die sich in einer Hülle mit kleinen Löchern befindet.

Beim Angeln wird die Kapsel mit Wasser durchströmt und der Fischgeruch verteilt sich. So sollen die Fische schneller anbeißen. Bisher hat Rupp schon über 3400 Produkte verkauft. Nun will er den amerikanischen Markt erobern. 95.000 Euro für 20 Prozent Firmenanteile – die Löwen waren interessiert. Nachdem Rupp noch mit seiner Frau Rücksprache gehalten hatte, fiel die Wahl auf Carsten Maschmeyer.

Judith Williams mag kein Trockenfleisch essen

Rentier-, Elch- und Hirschfleisch – handgeschnitten und getrocknet – damit wollten Tim, Anton und Alex punkten. Ihre Fleischsnacks mit dem Namen „Renjer“ – zwischen fünf und sechs Euro teuer - kamen bei zwei Juroren aber überhaupt nicht an. „Trockenfleisch erinnert mich an mein Medizinstudium“, erzählte Carsten Maschmeyer. Da müsse er ans Leichensezieren denken.

130.000 Euro für 10 Prozent Firmenanteile beio „Renjer“? Auf keinen Fall. Auch Judith Williams, die Vegetariern ist, war abgeneigt. Fleischkonsum sei in der heutigen Zeit keine Innovation.

Dagmar Wöhrl, Frank Thelen und Ralf Dümmel aber schmeckte es. Letzteren überredeten die Gründer schließlich noch dazu, 150.000 Euro für 15 Prozent in ihr Unternehmen zu investieren und sie in die großen Supermärkte zu bringen. Deal!

Kein Deal für soziales Engagement

Eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu Strom – das wollen die Gründer von „SunCrafter“ ändern. Aus ausrangierten, aber funktionsfähigen Solarmodulen bauen sie Solargeneratoren. Sie sollen eine Stromquelle für entlegene Regionen sein, aber auch als Ladestationen im urbanen Raum, auf Festivals oder anderen Veranstaltungen dienen.

Die Besonderheit: Sie brauchen keine Wartung. Zwar zogen die Löwen den Hut für so viel Engagement, zu einem Deal aber kam es nicht. Carsten Maschmeyer fand die Aufgabe zu komplex: Bau, Logistik, Transport in Entwicklungsländer. Da könne er nicht helfen. Die Gründer von „SunCrafter“ bräuchten einen Investor, der in der Entwicklung erneuerbarer Energien tätig ist, befanden die Löwen. Dafür aber ließ sich niemand finden.

Vergangene Woche halfen die Gründer Rezemo ohne Deal weiter. In der Folge davor rannte ein Jungunternehmer Maschmeyer hinterher.

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