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Christian Drosten lobt: „In Deutschland läuft das gut“

Berlin.  Christian Drosten hat Diskussionen um die Wirksamkeit der deutschen Corona-Maßnahmen kritisiert. Der Blick ins Ausland sei hilfreich.

Christian Drostens Podcast "Coronavirus-Update" kehrt zurück

Nach einer Sommerpause ist der wöchentliche Podcast "Coronavirus-Update" wieder da. Diesmal mit Unterstützung der Virologin un internistin Sandra Ciesek.

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  • Christian Drosten sprach in seinem neuen NDR-Podcast über die Corona-Maßnahmen und ihre Gegner
  • Er kritisierte, dass die Erfolge im Kampf gegen die Pandemie nicht gewürdigt werden
  • Derweil übt der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg Kritik

Ob Christian Drosten die Attacke kontern wollte, ist nicht bekannt. Aber die Kritik des Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, Walter Plassmann, hatte in sich gehabt.

Die Vermutung liegt jedoch nahe, denn Drosten hat in seinem Podcast „Das Coronavirus-Update“ am Dienstag die Diskussionen in der Öffentlichkeit über die bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie kritisiert.

Plassmann hatte zuvor in einem Gastbeitrag des Hamburger Abendblattes geschrieben: „Es ist kein ,Killervirus’, das uns zwingt, im aseptischen ,Panikraum’ zu zittern, bis der Spuk vorbei ist.“ Der Vorstandsvorsitzende warf Drosten und anderen Virologen zudem vor, dass in ihrem beruflichen Alltag das „wirklich wahre Leben“ nicht vorkomme.

Christian Drosten gab einen Tag später in seinem Podcast folgende Einschätzung der öffentlichen Diskussionen zum Besten: „Es ist gewagt, was manche da so sagen.“

In Deutschland sei es in einer gemeinsamen Anstrengung von Politik, Wissenschaft und Medizin gelungen, die Pandemie zu kontrollieren. „Da muss man jetzt nicht so tun, als sei das alles eine Halluzination gewesen.“ Gerade der Blick ins Ausland helfe, um das zu realisieren.

Christian Drosten: „In Deutschland läuft das gut“

Auch mit Blick auf die wirtschaftlichen Ergebnisse der Pandemie-Bekämpfung sprach Drosten von guten Entscheidungen der Politik. Gerade weil Deutschland eine Exportwirtschaft habe, die viel vom Ausland abhänge. „In Deutschland läuft das gut.“

Gerade jetzt mit destruktiven Botschaften über unnötige Maßnahmen zu kommen, „ist genauso intelligent wie in dieser schönen Spätsommerwoche zu sagen: Es regnet doch gar nicht. Was machen wir uns denn Sorgen über den Herbst.“

Es sei nun einmal das Präventionsparadox, dass man den Erfolg von Corona-Maßnahmen im eigenen Land nicht sehe. „Ich schaue viel ins Ausland. Für mich ist das etwas sehr Offensichtliches.“ Daher sei es schon sehr gewagt, was manche in der Öffentlichkeit von sich geben würden. Zumal es sich dabei auch um Personen handele, die Funktionen und Ämter tragen würden.

„Man fragt sich schon, ob diese Personen im Winter, wenn wir in Deutschland wahrscheinlich eine andere Situation haben, darauf zitiert werden möchten, was sie jetzt von sich geben.“

Corona-Ausbrüche in Deutschland werden schwieriger lokal einzudämmen

Im Moment gäbe es zwar vergleichsweise wenige Infektionen in Deutschland. „Aber es muss eben nicht mehr lange so bleiben.“ Dazu müsse man nur auf die Ausbrüche in Süddeutschland oder auf die Nachbarländer schauen.

Zudem werde es bei den Ausbrüchen in Deutschland immer schwieriger, lokal begrenzt vorzugehen. Das hänge mit der erhöhten Infektionszahl von jüngeren Menschen zusammen. „Deren Symptome sind nicht so offensichtlich, die neigen vielleicht auch dazu, sich nicht sofort diagnostizieren zu lassen“, sagte Drosten. Daher komme es auch immer wieder zu überraschenden Ausbrüchen. „Da muss man schon sehr genau hinschauen. Das tun wir auch, wir testen ja auch sehr viel.“

Drosten kritisiert Papier des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierter Medizin

Die Voraussetzungen in Deutschland zur Bekämpfung der Corona-Pandemie seien gut. Darauf dürfe man sich jetzt aber nicht ausruhen „und einfach nicht in der Öffentlichkeit Botschaften setzen, die komplett kontraproduktiv sind“, mahnte Drosten.

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Bei seiner Kritik hatte der Virologe anscheinend auch eine Stellungnahme des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierter Medizin im Blick, die ebenfalls im Podcast besprochen wurde. Allerdings nur kurz, denn wie Drosten anmerkte: „Ich will mich jetzt gar nicht über das Papier ergehen. Da sind schon sehr viele Fehler drin.“

Aktuelle Fallzahlen würden keine einschneidenden Maßnahmen rechtfertigen, „sofern diese nicht durch hochwertige Forschung vorab geprüft oder parallel begleitet sind“, heißt es in dem Papier.

Drosten kritisierte jedoch, dass darin vieles an bestehender Evidenz ignoriert und mit Daten zur Infektionssterblichkeit bei Alten und Jungen hantiert werde, die man so noch gar nicht haben könne.

Drosten sieht in Antigen-Tests große Vorteile gegenüber PCR-Tests

Auch die Diskussionen über Teststrategien von Menschen, die die tatsächliche medizinische Praxis gar nicht kennen würden, bezeichnete Drosten schlicht als „Unsinn“.

In einer Winterwelle werde man wahrscheinlich sehr froh sein, neue Antigentests zur Verfügung zu haben. Auch wenn diese nicht immer perfekte Ergebnisse liefern würden. Die Anzahl der falschen Ergebnisse würde mit dem Wissen über deren Wahrscheinlichkeit nicht ins Gewicht fallen. Sie hätten außerdem den Vorteil, dass sie schnell Ergebnisse liefern würden und vor Ort verfügbar seien. „Der Geschwindigkeitsgewinn in der Diagnostik überwiegt bei weitem den reinen Sensitivitätsgewinn der PCR-Diagnostik mit tagelangen Logistikzeiten auf.“

Es müsse viel mehr dringend überlegt werden, wer in der Lage sei, diese Schnelltests anzuwenden. Denn es sei für die Pharma-Unternehmen schlicht unmöglich, bis zum Winter nachzuweisen, ob der Test für die ganze Bevölkerung in der Heimanwendung „idiotensicher“ sei.

Landesweite Schulschließungen sollen alleinige Entscheidung der Politiker gewesen sein

Drosten nahm den Podcast überdies zum Anlass mit einem Missverständnis in der Bevölkerung zu den Schulschließungen zu Beginn der Corona-Pandemie aufzuräumen. Die wissenschaftlichen Berater, zu denen er auch selbst gehört habe, hätten der Regierung lokale Schließungen empfohlen.

„Danach sind wir rausgegangen und die Politik hat einen landesweiten Schulschluss draus gemacht und das wurde den Wissenschaftlern zugeschrieben, was nicht stimmt.“

Corona: Zahlen aus Südafrika lassen Drosten an besserer Immunität zweifeln

Auf Wunsch vieler Hörer beleuchteten Redakteurin Korinna Hennig und Christian Drosten auch die Corona-Situation in Afrika. Im Zusammenhang mit dem Coronavirus seien in Afrika bisher lediglich rund 32.000 Todesfälle (Stand 14. September) gemeldet worden.

Vermutungen über eine bessere Immunität der afrikanischen Bevölkerung und daraus resultierender niedriger Fallzahlen wollte Drosten jedoch nicht bestätigen. „Ehrlich gesagt sehe ich den Hauptfaktor im Meldewesen“.

Die Meldesysteme der afrikanischen Staaten seien in ihrer Qualität sehr unterschiedlich und zudem sei dort großflächiges Testen gar nicht immer möglich. Eines der Länder mit den belegbarsten Zahlen sei Südafrika. Besonders Zahlen aus der Region Kapstadt seien belastbar.

Dort seien in 40 Prozent von untersuchten Blutproben Corona-Antikörper nachgewiesen worden. Drosten rechnete anhand dessen vor, dass den 1,48 Millionen Infizierten, die im südafrikanischen Winter von dem Coronavirus betroffen waren, 3900 Todesfälle gegenüber gestanden hätten. Er könne anhand dieser Zahlen nicht erkennen, „warum afrikanische Bevölkerungen weniger betroffen sein sollten von Todesfällen.“

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Drosten mahnt davor Afrika trotz niedriger Fallzahlen außer Acht zu lassen

Drosten hoffe zwar, dass sich in Südafrika nach der schweren ersten Welle eine gewisse Herdenimmunität eingestellt habe. „Das darf aber auf keinen Fall damit verwechselt werden, dass sich deswegen in der internationalen Zusammenarbeit und in der Sorge um ärmere Regionen weniger um den afrikanischen Kontinent gekümmert wird.“

Das Gegenteil sei der Fall. „Wir wissen dafür viel zu wenig und können böse Überraschungen erleben, wenn wir uns da auf die ersten Studien verlassen, die vielleicht auch überinterpretiert werden“, warnte Drosten.

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