Pandemie

Corona-Impfstoff: Alle wichtigen Fragen und Antworten

Berlin.  Die Impfstoffe gegen das Coronavirus könnten die Pandemie endlich eindämmen. Alles über Zulassungen, Impfstrategie und Nebenwirkungen.

Corona-Impfstoffe: Diese Nebenwirkungen gibt es
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  • In Europa sind die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen
  • Der Impfstoff von AstraZeneca könnte im Februar folgen
  • Experten gehen davon aus, dass sich die Pandemie durch Impfungen endlich erfolgreich eindämmen lässt
  • Wir zeigen, was Sie alles zu den Corona-Impfstoffen wissen sollten

Mehrere aussichtsreiche Impfstoffe wurden 2020 im Rekordtempo entwickelt. In Deutschland stehen bereits die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zur Verfügung – allerdings längst noch nicht für große Teile der Bevölkerung. Doch der Anfang ist gemacht und Experten sind sich einig, dass die Corona-Pandemie durch Impfungen eingedämmt werden kann.

Die langersehnte Rückkehr zur Normalität könnte also durch die Impfungen im Jahr 2021 schrittweise möglich sein. Allerdings sind noch viele Fragen offen: Wer ist beim Impfen als nächstes an der Reihe? Wann sind die Impfstoffe für jeden verfügbar? Und wie steht es eigentlich um die Nebenwirkungen? Alle Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Corona-Impfstoff.

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Corona-Impfstoffe: Welche sind zugelassen

Mehrere Unternehmen haben angesichts der weltweiten Corona-Pandemie im Eiltempo Impfstoffe entwickelt – mit Erfolg. Zwei Kandidaten sind in der EU bereits zugelassen.

  • Der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer wird in Deutschland seit Ende Dezember gespritzt
  • Auch das Vakzin des US-Konzerns Moderna ist seit Januar hierzulande zugelassen
  • Als nächstes Mittel könnte der Vektorimpfstoff von AstraZeneca in der EU zugelassen werden

Die Europäische Kommission hatte sich bereits vor den ersten Zulassungen Impfdosen in Millionenhöhe von allen drei Herstellern gesichert. Auch mit der Tübinger Firma Curevac gibt es schon Verträge, obwohl über die Wirksamkeit des Impfstoffs noch nichts bekannt ist.

Corona-Impfstoff: Gibt es eine Impfreihenfolge? Wer wird zuerst geimpft?

Aktuell steht in Deutschland zu wenig Impfstoff zur Verfügung, um jeder impfbereiten Person ein Vakzin verabreichen zu können. Deshalb ist die Reihenfolge in einer Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums festgelegt. Sie basiert auf der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (RKI) und gilt seit dem 15. Dezember 2020. Lesen Sie dazu: Wann ist ihre Impfung? Dieser Rechner kalkuliert ihren Impftermin

Das sieht die Priorisierung unter anderem vor:

  • Höchste Priorität: Beispielsweise Personen über 80 Jahre, Pflegeheimbewohner, Pflegekräfte und Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen
  • Hohe Priorität: Beispielsweise Personen über 70 Jahre, Personen mit Trisomie 21, Demenz oder geistiger Behinderung, Personen nach Organtransplantationen, Kontaktpersonen von Schwangeren, Beschäftigte in stationären Einrichtungen für Personen mit geistiger Behinderung, Polizei- und Ordnungskräfte, die im Dienst einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, Personen, die in Unterkünften für Geflüchtete oder Obdachlose leben
  • Erhöhte Priorität: Beispielsweise Personen über 60 Jahre, Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, Beschäftigte in relevanten Positionen in Regierungen, Verwaltungen oder Verfassungsorganen, Erzieher und Lehrer Lesen Sie dazu : Impfstrategie: Wer wird zuerst gegen Corona geimpft?

Impfungen gegen Corona – Gibt es eine Impfstrategie?

Ja. Die Bundesregierung hat in ihrer Impfstrategie drei Phasen vorgesehen:

  1. In Phase IA („Gezielte, zentralisierte Verimpfung“) ist erst wenig Impfstoff vorhanden, weshalb die Verimpfung stark priorisiert und nur für einen besonderen Personenkreis erfolgen kann. Dabei orientiert sich die Regierung an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, der Leopoldina und des Deutschen Ethikrates, zuerst besonders gefährdete Personen zu impfen.
  2. In Phase IB („Erweiterte, zentralisierte Verimpfung“) hat sich die Lage etwas entspannt: Es gibt zwar inzwischen etwas mehr Impfstoff, aber es findet weiterhin eine priorisierte Impfung für Gefährdete statt.
  3. Erst in Phase II („Breite, dezentrale Routine-Verimpfung“) ist der Impfstoff großflächig und für einen größeren Personenkreis verfügbar.

Die Impfungen erfolgen teilweise in Impfzentren, die zu diesem Zweck neu aufgebaut wurden. Diese Maßnahme ist nötig, da einige Impfstoffe besonders kühl gelagert werden müssen. Auch mobile Impfteams sind im Einsatz, beispielsweise in Pflege- und Seniorenheimen Lesen Sie zu dem Thema : Bericht: Corona-Impf-Hotline überlastet - lange Wartezeiten

Wird es eine Corona-Impfpflicht geben?

Die Bundesregierung hat sich mehrmals klar gegen eine nationale Corona-Impfpflicht ausgesprochen. Solange es keine offizielle Impfpflicht gibt, kann auch nicht vom Arbeitgeber verlangt werden, dass sich die Beschäftigten einer Impfung unterziehen – ganz egal, ob es sich um ein privatwirtschaftliches oder staatliches Unternehmen handelt.

Gerald Haug, Präsident der Leopoldina, schlägt statt einer Pflicht eine kluge Impfkampagne vor, um möglichst viele Personen zu einer Impfung bewegen zu können.

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Corona-Impfstoff neu entwickelt: Wie funktionieren mRNA-Impfstoffe?

Unter Impfskeptikern hält sich hartnäckig die Annahme, dass mRNA-Impfstoffe das Erbgut verändern können. Dies trifft nicht zu. Die Stoffe ermöglichen es mittels einer mRNA („Boten-RNA“), den Zellen im Muskelgewebe die Information für die Herstellung einzelner Antigene zu übermitteln, wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf seiner Webseite erklärt.

Dadurch beginne die Zelle mit dem Bau von Proteinen, die dem Immunsystem als Antigene präsentiert werden – eine Immunantwort wird ausgelöst. Das Erbgut bleibt von diesen Vorgängen unberührt. Lesen Sie hier: Das ist die Wirkungsweise von mRNA-Impfstoffen.

Corona: Was sind die Nebenwirkungen der Impfstoff-Kandidaten?

Harmlose Reaktionen oder leichtere Nebenwirkungen nach Impfungen sind ganz normal. Sie treten auch nach gängigen Impfungen wie Tetanus oder Mumps-Masern-Röteln auf.

Dazu zählen:

  • Schwellungen oder leichte Schmerzen an der Einstichstelle sowie
  • Kopf- und Gliederschmerzen oder ein
  • leichtes Krankheitsgefühl.

Von ähnlichen Reaktionen berichteten auch die Probanden aus Studien der zwei zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Auch aus Studien des Hoffnungsträgers AstraZeneca sind jene leichten Impfreaktionen bekannt.

Über schwere Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen ist bislang nichts bekannt. Lesen Sie dazu: Tote nach Corona-Impfung? Das ist dran an Impfstoff-Mythen

Corona-Pandemie: Was sind die Impfstoff-Kandidaten?

Aktuell in der EU zugelassen sind die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Für das Vakzin des britisch-schwedischen Konzerns AstraZeneca wird eine baldige Zulassung in der EU erwartet. Alle Details zu den drei Vakzinen : Corona-Impfstoffe: Das sind die großen Hoffnungsträger

Corona-Impfstoff: Wie gut ist die Impfung von Biontech/Pfizer?

Bei dem Impfstoff des Mainzer Biotechunternehmens Biontech und des US-Konzerns Pfizer handelt es sich um einen mRNA-Impfstoff mit einer Wirksamkeit von 95 Prozent. Die Schutzwirkung soll eine Woche nach einer zweiten Injektion des Stoffes erreicht werden. Die Zulassung für die Europäische Union ist bereits beantragt. Der Impfstoff muss bei sehr niedriger Temperatur gelagert werden.

Wie wirkt der Impfstoff von Moderna?

Bei dem Corona-Impfstoff des US-Unternehmens Moderna handelt es sich ebenfalls um einen mRNA-Impfstoff . Er weist eine Effektivität von 94,5 Prozent auf. Anders als der Biontech-Impfstoff hält er sich auch bei niedrigen Kühlschranktemperaturen: mRNA-1273 könnte 30 Tage lang bei einer Temperatur zwischen 2 und 8 Grad wirksam bleiben. Das Zulassungsverfahren in der Europäischen Union läuft.

Hintergrund: Biontech und Moderna: So unterscheiden sich die Impfstoffe

Was ist über den Impfstoff von AstraZeneca bekannt?

Der Impfstoff von AstraZeneca wurde gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt. Anders als bei Biontech/Pfizer und Moderna handelt es sich um einen Vektorimpfstoff. Er bietet eine Wirksamkeit von insgesamt 70 Prozent. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) will den Antrag auf bedingte Zulassung dieses Vakzins bis Ende Januar prüfen.

AstraZeneca unterbricht Tests von Corona-Impfstoff
AstraZeneca unterbricht Tests von Corona-Impfstoff

Für Aufregung hatte im September eine Unterbrechung der Studie mit dem AstraZeneca-Impfstoff gesorgt, nachdem ein Proband an einer Rückenmarksentzündung erkrankt war . Diese soll aber nach Einschätzung einer Expertenkommission nicht mit der Impfung in Verbindung gestanden haben.

Was ist der Impfstoff von Curevac?

Ein weiterer aussichtsreicher Impfstoff könnte der Kandidat des Tübinger Unternehmens Curevac sein. Über die Wirksamkeit des Vakzins ist allerdings noch nichts bekannt. Es handelt sich ebenfalls um einen mRNA-Impfstoff. Die zulassungsrelevante klinische Phase-III-Studie hat Mitte Dezember 2020 begonnen.

(raer/mit dpa/afp)

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