Pandemie

Corona-Schnelltests: Können Laien die Tests kaufen?

Berlin.  Virologen betonen, dass Corona-Schnelltests im Kampf gegen die Pandemie hilfreich sein können. Wie kommt man an einen Schnelltest?

Wie sicher sind Corona-Schnelltests?

Covid-19-Schnelltests sollen Infektionen in Rekordzeit nachweisen. Das sind die wichtigsten Fakten zu den verschiedenen Varianten.

Beschreibung anzeigen
  • Viele Menschen hoffen, sich vor Weihnachten selbst auf Corona testen zu können
  • Dabei bauen sie auf Corona-Schnelltest, sogenannte Antigen-Tests
  • Doch diese sind längst nicht überall erhältlich und beim Kauf sollte einiges beachtet werden

Wer sich einem Coronatest unterzieht, muss mitunter lange auf das Ergebnis warten: Die Labore kommen mit dem Testen kaum hinterher, und manchmal dauert es Tage, bis die Auswertung da ist. Doch es gibt Alternativen.

Corona-Schnelltests: In kurzer Zeit zum Ergebnis

Denn inzwischen sind immer mehr sogenannte Antigen-Schnelltests auf dem Markt. Dafür ist ein Nasen-Rachen-Abstrich nötig, der mit einer Flüssigkeit in Kontakt gebracht wird. Enthält der Abstrich Coronaviren, erscheint nach rund 15 Minuten im Sichtfeld ein farbiger Strich – ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest.

Vor einem Familientreffen oder vor einer Veranstaltung sei der Schnelltest eine gute Idee, sagte der Berliner Virologe Christian Drosten in seiner letzten Folge des NDR-Podcasts „Das Coronavirus-Update“. Auch zum Schutz vor Infektionen insbesondere in Pflegeheimen und Kliniken läuft der Einsatz neuer Antigen-Schnelltests an. Doch wo kann man sich einen Schnelltest kaufen?

Coronavirus – Die wichtigsten News im Überblick

Corona-Schnelltests werden in Apotheken verkauft – aber nicht an Laien

Der Test wird aktuell zwar in Apotheken verkauft, allerdings nur an Arztpraxen und Krankenhäuser. Sie sind bisher also nicht für Laien frei erhältlich. In Deutschland darf aktuell nur medizinisches Fachpersonal diese Antigen-Tests durchführen. In Drogerien gibt es die Schnelltests bisher noch nicht.

NDR Info hat beim Gesundheitsministerium angefragt, warum das der Fall sei, und erhielt folgende Antwort: „Im Gegensatz zu den Tests für den professionellen Gebrauch ist hier zwingend die Einschaltung einer Benannten Stelle erforderlich. Diese prüft die vom Hersteller vorgelegten klinischen Daten, die belegen, dass ‘jedermann’ (vom Hilfsarbeiter bis zum Akademiker, Jung und Alt) einen solchen Selbsttest sicher anwenden können.“ Der Einsatz von Selbsttests auch für den persönlichen Gebrauch werde derzeit noch intern bewertet.

Online sind dagegen mittlerweile Schnelltests verfügbar. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten. Wie „Ökotest“, auf seiner Webseite berichtet, handelt es sich bei vielen der angebotenen Testkits um sogenannte Antikörper-Tests. Diese weisen aber nur nach, ob man bereits Antikörper gegen das Virus gebildet hat. Das ist bei einer „frischen“ Infektion mitunter nicht der Fall – trotzdem kann man bereits ansteckend sein.

Zudem werden von dubiosen Händlern teilweise Fälschungen verkauft. Diese sind mitunter nicht zuverlässig oder gar völlig unbrauchbar.

Corona – Mehr Infos zum Thema

Corona-Schnelltests sollen jetzt in bestimmten Einrichtungen stärker eingesetzt werden

Seit kurzem ist eine neue Verordnung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Kraft, die vorsieht, dass Schnelltests zumindest stärker in bestimmten Einrichtungen eingesetzt werden:

  • Pflegeheime, Kliniken und Arztpraxen sollen künftig bis zu 30 statt bisher 20 Tests pro Monat und Bewohner oder Patient nutzen können
  • In der ambulanten Pflege sollen 15 statt zehn Tests pro Monat und Pflegebedürftigem zur Verfügung stehen
  • Tritt ein Fall in einer Schulklasse auf, sollen die Kinder für fünf Tage in Quarantäne gehen. Am letzten Tag wird ein Schnelltest gemacht. Fällt er negativ aus, können die Kinder wieder in die Schule
  • Auch ohne Symptome kann man einen Test machen lassen, wenn der Arzt feststellt, dass man Kontaktperson eines Infizierten ist
  • Für Kontaktpersonen soll die Quarantänezeit von 14 auf zehn Tage verkürzt werden, wenn sie dann einen negativen Test vorlegen können. Die Kosten sollen von der Krankenkasse übernommen werden

Minister Spahn hat dafür 60 Millionen Corona-Schnelltests monatlich zugesichert. Dies sei durch „Garantie-Verträge“ mit großen Produzenten und Lieferanten gewährleistet worden, sagt er am Dienstag.

Virologe Alexander Kekulé traut Menschen zu, sich selbst zu testen

Der Virologe Alexander Kekulé von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg fordert seit Monaten, dass sich möglichst bald jeder und jede selbst testen kann – mit Antigen-Schnelltests aus der Apotheke. „Die Antigen-Schnelltests haben den Vorteil, dass sie zumindest für den Tag, an dem man sie gemacht hat, sagen können, ob man sehr stark ansteckend ist“, erklärt er NDR Info.

Seiner Einschätzung nach wird die formale, gesetzliche Hürde bis Weihnachten nicht ausgeräumt werden. Die Kritik, dass Privatpersonen nicht fähig dazu seien, sich selbst zu testen oder ein positives Ergebnis eventuell nicht melden, teilt Kekulé nicht.

„Ich glaube, wenn man die Antigen-Schnelltests parallel zu dem bestehenden System hätte, wäre das ein Riesenvorteil. Die Menschen können den Rachenabstrich selber machen. Das ist so einfach wie Gurgeln oder Zähneputzen. Man muss es nur ein bisschen üben. Ich bin der Meinung, dass man das den Menschen auch zutrauen soll“, so Kekulé.

Drosten: Verantwortung liegt noch bei Ärzten

Dem stimmt der Virologe Christian Drosten im Corona-Podcast des NDR zu. Derzeit liege die Versorgung mit diesen Tests noch bei den niedergelassenen Ärzten. „Es ist tatsächlich so, dass man im Moment als Arzt sich solche Tests kaufen kann“, sagt Drosten.

„Ärzte sind in ihren Freundeskreisen in diesen Tagen sehr beliebt, aber jeder hat auch einen Hausarzt. Das ist letztendlich auch die Rolle von Familienmedizin: dass man solche Dinge erleichtert.“ Das aktuelle Problem der Lieferbarkeit der Antigen-Tests werde sich in den kommenden Wochen verbessern, meint Drosten. (bef)

Corona – Mehr zum Thema