Pandemie

NINA-Warnapp: „Entwarnung“ vor Corona sorgt für Verwirrung

Alexander Rothe und Christian Unger
| Lesedauer: 3 Minuten
Corona: Omikron angepasste Impfstoffe in der EU zugelassen

Corona- Omikron angepasste Impfstoffe in der EU zugelassen

In der EU können ab jetzt auch auf die Omikron-Variante des Coronavirus angepasste Impfstoffe verwendet werden: Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die von Moderna und Biontech/Pfizer entwickelten Vakzine zugelassen. Diese sind auf die Omikron-Subvariante BA.1 angepasst.

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Berlin.  Eine Meldung auf dem Handy irritiert am Freitag viele Menschen: „Entwarnung: Coronavirus“. Doch vorbei ist die Pandemie noch nicht.

Es ist eine Meldung, die irritiert. Um kurz vor Mittag am Freitag taucht sie auf vielen Handys der Deutschen auf. „Entwarnung: Coronavirus: Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit“. Und weiter heißt es: „Dies ist die Entwarnung zur Warnung Coronavirus: Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit“. Seit Anfang April gilt die Warnung. Und nun: „Die Warnung ist aufgehoben.“

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz- und Katastrophenhilfe, kurz BBK, verantwortet die Meldung. Sie wurde über die Handy-App NINA verschickt. Das steht für „Notfall-Informations- und Nachrichten-App“. Brennt irgendwo eine Lagerhalle, warnt das Bundesamt die Menschen über die App. Laufen irgendwo giftige Chemikalien aus, verschickt das Amt Nachrichten an Menschen in der Nähe.

Corona vorbei? Entwarnung sorgt für Verwirrung

Nun aber wundern sich viele über die „Entwarnung“ in der Pandemie – angesichts weiterhin hoher Infektionszahlen und der erst vor einer Woche von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen gegen die Pandemie im Herbst. „Corona ist vorbei“, twittert ein Nutzer sarkastisch. „Na, dann ist ja jetzt alles gut, die Pandemie ist offiziell beendet“, schreibt ein anderer. Lesen Sie auch: Omikron-Impfstoff von Biontech: Was Sie wissen sollten

Vor allem verwundert die Nachricht, weil der zuständige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nicht müde wird, auf die Risiken der weiterhin grassierenden Corona-Varianten hinzuweisen. Auf Nachfrage unserer Redaktion stellt das Gesundheitsministerium klar, dass es lediglich eine Aktualisierung, jedoch keine Entwarnung an das BBK verschickt habe.

Im Gegenteil: „Das Coronavirus ist weiterhin eine ernste Gefahr für Ihre Gesundheit. Nutzen Sie die Angebote für die Corona-Schutzimpfung und frischen Sie wenn nötig Ihren Impfschutz auf“, heißt es in der Mitteilung des BMG. Bei der Einschätzung der Gefährdungslage habe sich weder beim Gesundheitsministerium noch beim Robert-Koch-Institut etwas geändert. Lesen Sie auch: Moderna: Wirksamkeit & Nebenwirkungen des Omikron-Impfstoffs

Die regionalen Corona-Warnungen sind nach der Aktualisierung weiterhin zu sehen“

Auch das BBK ergänzt in der Warn-App NINA die „Entwarnung“ mit deutlichen Worten: „Das Coronavirus ist weiterhin eine ernste Gefahr für Ihre Gesundheit. Nutzen Sie die Angebote für die Corona-Schutzimpfung und frischen Sie wenn nötig Ihren Impfschutz auf.“

Dann erklärt das BBK: „Auch wenn die bundesweite Warnung hiermit aufgehoben wird, beachten Sie auch weiterhin die gegebenen Handlungsempfehlungen, vor allem die AHA-Regeln.“ Der Hintergrund der bundesweiten „Entwarnung“ ist also nicht auf die Infektionslage bezogen – sondern hat technische Gründe.

Das Gesundheitsministerium teilt mit: „Eine differenzierte Betrachtung anderer Warnmeldungen war nicht möglich, solange bundesweit vor Corona gewarnt wurde. Die regionalen Corona-Warnungen der Bundesländer, Kreise und Gemeinden sind aber auch nach der Aktualisierung weiterhin zu sehen.“ Auch interessant: Rätselhafte Lungenentzündungen in Argentinien – drei Tote

Es ging demnach nicht um eine „Entwarnung“ – die Warnungen vor Corona sollen nur stärker regional eingegrenzt. Je nach Infektionsgeschehen. Im Kampf gegen die Pandemie hat das Sinn – die Kommunikation von Gesundheitsministerium und Katastrophenschutz-Amt war dennoch ungeschickt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.