Coronavirus

Delta-Variante: Wo die Lage in Europa dramatisch ist

Christian Kerl
| Lesedauer: 3 Minuten
Sommerurlaub in Gefahr? Sorge wegen Delta-Variante

Sommerurlaub in Gefahr? Sorge wegen Delta-Variante

Die Delta-Variante des Coronavirus, die als besonders ansteckend gilt, breitet sich weltweit aus. Auch Immunologen in Deutschland warnen, dass sie spätestens im Herbst die dominierende Variante in der Bundesrepublik sein könnte.

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Brüssel.  In vielen Urlaubsländern stecken sich jetzt junge Menschen mit der Delta-Variante an. Die Zahlen gehen nach oben. Ein Europa-Überblick.

Die Landkarte zur Corona-Lage in Europa färbt sich wieder rot. Es ist das Signal, mit dem die Covid-Experten der Europäischen Union Alarm geben: Portugal, Spanien, die Niederlande, Luxemburg, Malta und Zypern haben die Mediziner der EU-Gesundheitsbehörde ECDC erneut als rot markiert, die Lage dort wird als „besorgniserregend“ eingestuft.

In Zypern ist es europaweit am schlimmsten, dort lag die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt bei 816 Infektionen je 100.000 Einwohner. Aber auch die Niederlande (Inzidenz 398) und Spanien (370) melden einen bedrohlichen Trend.

„Die Impfkampagne in Zypern ist eigentlich sehr erfolgreich“, sagt EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, die selbst auf der Mittelmeerinsel zu Hause ist. „Aber die Delta-Variante verbreitet sich nun stark unter jungen Menschen, die noch nicht geimpft sind.“ So sei es beispielsweise auch in Spanien.

In fast allen EU-Staaten steigen die Corona-Zahlen

Auch dort melden die Behörden, die hohen Infektionen würden bei jungen Menschen registriert, die gar keine oder nur milde Krankheitssymptome hätten.

In fast allen EU-Staaten steigen die Infektionszahlen, teils in atemberaubendem Tempo: In Malta, Frankreich, Italien und Österreich hat sich das Ansteckungstempo binnen einer Woche mindestens verdoppelt.

Schon Ende nächster Woche dürfte laut ECDC-Prognose der Sieben-Tage-Inzidenzwert im europäischen Durchschnitt bei über 200 liegen, eine Woche später bei 300.

Entsprechend alarmiert sind die Regierungen: Lockerungen werden zurückgenommen, immer öfter Test- oder Impfnachweise verlangt – und vielerorts wächst der Druck, sich impfen zu lassen.

Herdenimmunität wird gefährdet

Die Zahlen bestätigen die Befürchtung, dass Europa das Wettrennen gegen die Delta-Variante verlieren wird – für die angestrebte Herdenimmunität müssten nach Berechnungen des Robert-Koch-Instituts mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der über 60-Jährigen geimpft sein.

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Selbst beim Impfeuropameister Malta reichte der Impfschutz noch nicht aus, um die neue Welle zu stoppen – in dem Inselstaat im Mittelmeer haben 83 Prozent der Erwachsenen vollen Impfschutz, trotzdem zählt Malta mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 291 zu den Sorgenkindern.

Erste Staaten führen Impfpflicht ein

Erste Staaten führen bereits eine Impfpflicht für besondere Berufsgruppen ein – so etwa Griechenland oder Lettland. Mit großer Aufmerksamkeit wird das Vorgehen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verfolgt.

Weil in Frankreich die Zahl der Erstimpfungen eingebrochen ist, während die Infektionen zunehmen, zog Macron die Notbremse: Alle Beschäftigten in Krankenhäusern, Altenheimen und der häuslichen Pflege müssen in den nächsten Wochen gegen Covid-19 geimpft sein. Ab 1. August muss auch in Restaurants, Einkaufszen­tren und Langstreckenzügen der Impfpass mit dem Nachweis einer Impfung, Genesung oder eines negativen PCR-Tests vorgelegt werden.

Die Aktion wirkt: Nach der Ankündigung meldeten sich mehr als vier Millionen Menschen, um rasch einen Impftermin zu bekommen.

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