Druck auf Thüringer Awo-Spitze wächst - Bundesvorstand geht auf Distanz

Erfurt.  Der Awo-Landesvorstand will die Einhaltung der Vergütungsrichtlinien beim Gehalt für den AJS-Chef Michael Hack prüfen. Der Bundesvorstand geht unterdessen auf Distanz.

Für Geschäftsführer Michael Hack ist klar, dass es entsprechend honoriert werden sollte, wenn jemand großen Erfolg im Unternehmen hat. Unterdessen gibt es viele Verquickungen zwischen Haupt- und Ehrenämtern bei der Awo.

Für Geschäftsführer Michael Hack ist klar, dass es entsprechend honoriert werden sollte, wenn jemand großen Erfolg im Unternehmen hat. Unterdessen gibt es viele Verquickungen zwischen Haupt- und Ehrenämtern bei der Awo.

Foto: Holger Hollemann/dpa (Symbolfoto)

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Der Landesvorstand der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Thüringen will die Gesellschafterversammlung der Awo-Tochter AJS damit beauftragen zu prüfen, ob die Vergütungen der AJS-Geschäftsführung den Vergütungsrichtlinien des Awo Governance Kodex entsprechen. Das ist eines der Ergebnisse einer außerordentlichen Landesvorstandssitzung, die nach Berichten dieser Zeitung über unverhältnismäßig hohe Gehälter und weitere Vergünstigungen für die AJS-Spitze am Sonntag einberufen wurde. Für den Fall, dass die aktuellen Vergütungen nicht im Einklang mit dem Kodex stehen, „ist eine Einigung mit der Geschäftsführung zu erzielen“, heißt es in einer Erklärung des Landesvorstandes weiter. Zudem solle der Awo-Bundesverband gebeten werden, die gegen die AJS und den Landesverband erhobenen Vorwürfe zeitnah zu prüfen und den Landesverband „in diesem Prozess zu unterstützen“.

In der Stellungnahme wird ausdrücklich betont, dass die Erklärung mehrheitlich verfasst wurde, was darauf schließen lässt, dass nicht alle anwesenden Landesvorstandsmitglieder mit den Ergebnissen der Beratung einverstanden waren. Vor allem bleibt die Frage offen, warum die vom Bundesverband bereits 2017 verabschiedeten Richtlinien zur Vergütung von Geschäftsführungen möglicherweise nicht berücksichtigt wurden, als im Herbst 2019 der Vertrag mit AJS-Chef Michael Hack (63) verlängert wurde.

Hack, der ursprünglich Ende 2020 aus dem Unternehmen scheiden wollte, hatte sich im Herbst im Ergebnis eines Nachbesetzungsverfahrens und „auf Anfrage der Gesellschaftervertreter“ dazu entschlossen, zwei Jahre länger Hauptgeschäftsführer zu bleiben. Er stimmte einer Vertragsverlängerung bis zum 31. Dezember 2022 zu, wie es in einem unserer Zeitung vorliegenden Schreiben an die AJS-Aufsichtsratsmitglieder und Einrichtungsleiter heißt. Die Entscheidung über die Höhe seines Gehalts oblag dabei den beiden Gesellschaftern - dem Awo-Landesverband (65 Prozent) und dem Awo-Kreisverband Erfurt. Konkrete Zahlen, ließ Hack vergangene Woche die AJS-Belegschaft wissen, wolle er nicht nennen. In Anbetracht der erfolgreichen Entwicklung der AJS habe er aber in den Gehaltsverhandlungen „eine gute Position“.

Mit dem Gehalt offen umzugehen, dazu war der Wohlfahrtsverband am Wochenende von Politikern aufgefordert worden. „Aus Sicht der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag sollten prinzipiell die Managergehälter von sozialen und allen mit öffentlichen Geldern finanzierten Unternehmen offengelegt werden“, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Diana Lehmann, dieser Zeitung.

Stellungnahme des Bundesvorstands steht aus

Ihr grüner Parlamentskollege Olaf Müller hebt bereits auf den Governance Kodex ab, nachdem nun das Gehalt von Hack überprüft werden soll. Auf Anfrage war sich Müller bereits am Wochenende mit Blick auf den Kodex sicher: „Wir sehen in Thüringen keine Anwendung, so können Verfehlungen einzelner Verantwortlicher nicht beendet werden.“ Deshalb forderte der sozialpolitische Sprecher der Grünen, dass der Awo-Bundesvorstand aktiv wird, „um einen Imageschaden vom Gesamtverband abzuwenden“.

Eine von unserer Zeitung angefragte Stellungnahme des Awo-Bundesvorstandes steht zwar nach wie vor aus. Doch in einem Schreiben an alle Bezirks- und Landesverbände betonte Wolfgang Stadler, Vorstandsvorsitzende des Awo-Bundesverbandes, vor wenigen Tagen auch mit Blick auf Thüringen, dass „das Thema ,Bezahlung von Führungskräften‘ in den nächsten Wochen in den Mittelpunkt unserer Aktivität“ gestellt wird. In diesem Zusammenhang merkte Stadler an, dass die Äußerung des Thüringer Awo-Pressesprechers zu Feststellungen der Wirtschaftsprüfer des Bundesverbandes „nicht richtig“ sei. Der Sprecher hatte auf Anfrage behauptet, dass das Gehalt von Michael Hack 2017 von Wirtschaftsprüfern geprüft und von diesen nicht beanstandet worden sei.

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