TV-Klassiker

„Friends“ wird 25 Jahre: Warum die Serie eigentlich Mist ist

Berlin.  „Friends“ startete vor 25 Jahren. Millionen Menschen lieben die Serie. Warum der Erfolg von damals heute nicht mehr möglich wäre.

„Friends“ wird 25: David Schwimmer (Ross, von links), Lisa Kudrow (Phoebe), Mathew Perry (Chandler), Courteney Cox (Monica), Jennifer Aniston (Rachel) und Matt LeBlanc (Joey).

„Friends“ wird 25: David Schwimmer (Ross, von links), Lisa Kudrow (Phoebe), Mathew Perry (Chandler), Courteney Cox (Monica), Jennifer Aniston (Rachel) und Matt LeBlanc (Joey).

Foto: LEE CELANO / dpa

Sie gehört zu den erfolgreichsten Fernsehserien überhaupt, begeistert heutzutage immer noch Millionen Zuschauer – Netflix sei Dank. „Friends“ ist Kult, feiert 25. Geburtstag. Mit einigem Abstand ist die Serie allerdings vor allem: nicht mehr zeitgemäß.

In den zehn Staffeln, die von 1994 bis 2004 in den USA liefen, geht es vor allem um die Freundschaft von sechs Personen. Drei Frauen, drei Männer. Sie leben und lieben in New York, vor allem mit- und oft auch einander. Das Finale war im Produktionsland die meistgesehene Folge einer TV-Show in den 2000er Jahren.

Problem: Wer heute einschaltet, könnte sich ganz schnell fragen, was diese ganzen Menschen damals (und bis heute) an „Friends“ eigentlich so unterhaltsam fanden. Die Schauspieler, klar, durchaus charmant. Viele Witze sind frauenfeindlich und homophob. Darf man die Sendung eigentlich heute noch gut finden?

„Friends“ 2019 und die Frage: Wer findet das lustig?

Die Frage stellte sich neulich auch in einem Wohnzimmer im Berliner Wedding. Franco Garrido schaute zum ersten Mal in seinem Leben eine Folge „Friends“. Er kommt aus Chile, wo die Sendung zwar lief, ihn aber nie interessierte. Es ist 2019, 25 Jahre nach der Ausstrahlung der ersten Folge.

Der 30-Jährige ist weitestgehend fassungslos. Nicht darüber, dass er etwas so Gutes verpasst hat. Sondern, darüber, „dass irgendjemand diesen Mist lustig findet.“

Tatsächlich helfen manchmal Perspektivwechsel. Garrido ist Latino, schwul, lebt in einem überwiegend queeren Umfeld, also einem, dass die klassischen Gesellschaftsstrukturen, die Rolle des Mannes, der Frau und der anderen Geschlechter, häufiger hinterfragt.

Es dauert keine ganze Folge, da hat Garrido seine eigene Meinung zu dieser unglaublich beliebten Fernsehsendung. Ein homophobes, frauenverachtendes Machwerk, in dem die Witze vor allem auf Kosten der schlichtesten Stereotype gemacht werden. Die Folgen, in denen die Figur Monica in Rückblicken noch mehr wog und Zielscheibe jedes denkbaren Dicken-Witzes wurde, hat er da noch gar nicht gesehen.

Schon immer Kritik an der fast ausschließlich weißen Besetzung

Schon immer wurde „Friends“ auch dafür kritisiert, ein sehr einfallsloses Bild des Lebens in New York zu zeichnen. Schwarze fanden in den ersten Staffeln maximal in Nebenrollen statt. Asiaten, Latinos? Nirgendwo. Was – zumindest damals – wohl den weißen Zuschauern gar nicht auffiel. Das Leben in der eigenen Blase.

Chandler, der etwas weichere, gewitzte Charakter, war die Pointe jedes schlechten Schwulenwitzes. Wobei anzuerkennen ist, dass es von Beginn an ein lesbisches Paar gab, dass überwiegend unaufgeregt einfach da war.

Chandler selbst machte seinen Vater bei jeder Gelegenheit lächerlich. Sein Vater hatte sich entschieden, als Frau zu leben, trat in Vegas auf. Kaum ein Transsexuellen-Klischee, dass den Autoren über die 236 Folgen zu abgeschmackt war, um nicht einen Witz daraus zu machen.

Homophobie, Transphobie, Witze über Dicke

Immer wieder schlugen die Autoren auf Minderheiten ein. Einige Beispiele sind

  • Ross, der massive Probleme damit hatte, einen Mann als Nanny einzustellen und dies sofort als „schwul“ betitelte (und generell dringend Anger Management benötigte)
  • Joey, der bei jeder Gelegenheit und zur Belustigung seiner Freunde Frauen zu Objekten machte – Sex und hopp, auf Nimmerwiedersehen
  • Monica, die sich auf Barbados „Cornrows“ machen ließ, eine aus Afrika stammende Flechtfrisur, die bei Schwarzen populär ist. Und jahrzehntelang zu deren Benachteiligung wirkte, weil es vielerorts als unseriös galt. Bis die Weißen es als Trend entdeckten und schick machten. Fachbegriff: Kulturelle Aneignung – das ist auch, was passiert, wenn sich Menschen als Indianer verkleiden, die keine sind. Monica dienen ihre Cornrows vor allem für ein paar – richtig – Witze.
  • Und nochmal Ross, der seinen ersten Kuss mit einer schlafenden Frau hatte (die, so stellte sich heraus, seine Schwester Monica war) – keiner der Freunde scherte sich darum, dass ihr Kumpel Ross eine Frau missbraucht hatte

Wie Friends trotzdem ein Erfolg wurde

Warum also war „Friends“ so erfolgreich, warum mögen neue Generationen die Serie auch? Zum einen sicher, weil sich erstaunlich viele Menschen nicht darum kümmern, ob Humor Minderheiten oder Menschen, die nicht der Norm entsprechen, verletzt werden. Gerade junge Zuschauer kann so etwas enorm verunsichern. Du bist dick? Schwul? Eine Frau? Herzlichen Glückwunsch: Du bist lächerlich. Da die Mehrheit der Zuschauer aber nun mal heterosexuell und weiß ist, stört das eben kaum.

Zum anderen war und ist die Serie erfolgreich, weil sie vermeintlich leichtere Zeiten repräsentiert. Als man Sachen noch sagen durfte, ohne, dass man den Shitstorm fürchten musste. Mit dieser Masche füllen Brachial-Comedians heute erfolgreich Säle. Und ignorieren dafür, dass die Zeiten nur leichter für jene waren, die am starken Ende der Gesellschaft standen.

Bessere Zeiten waren es nicht. Dass heute Menschen zugehört wird, die keine Lobby haben, dass es langsamer weniger selbstverständlich ist, Schwächere öffentlich herabzuwürdigen für ein paar Lacher, das ist wichtig und richtig. Und heißt nicht, dass Humor nicht trotzdem Grenzen überschreiten darf.

Darf man „Friends“ noch gut finden?

Gut kann das nur gelingen, wenn er intelligent ist, oder der Sender den Empfängern seine eigenen Benachteiligungen in der Gesellschaft vermittelt, ohne das Rollenbild zu festigen, sondern die Schwierigkeiten durch Überzeichnungen begreifbar macht.

Die fortwährende Durchschnittlichkeit vieler Witze in „Friends“ schafft weder das eine, noch das andere. Muss man sich deshalb dafür schämen, es gut zu finden, oder gut gefunden zu haben? Nein. Aber den Blick etwas zu schärfen, es als Relikt einer anderen Zeit zu verstehen, das so heute nicht funktionieren würde – und sollte – ist etwas, was man zum 25. Geburtstag gut mal machen kann.

Schon alleine wegen Phoebe.

• „Friends“ läuft heute auf Netflix. Der Anbieter sicherte sich die Rechte für 100 Millionen Dollar. Und muss trotzdem in den USA bald verzichten: WarnerMedia plant eine eigene Streaming-Plattform und will die eigene Show künftig exklusiv ausstrahlen. In Deutschland dürfte die Serie vorerst bei Netflix bleiben. Der Dienst muss sich ohnehin warm anziehen – die Konkurrenz rüstet auf.

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