Promi-Auswanderer

Wie „Goodbye Deutschland“-Star Jürgen Albers in Haft landete

Jonas Erlenkämper
| Lesedauer: 4 Minuten
„Goodbye Deutschland“ Die bekanntesten Gesichter der Vox-Show

„Goodbye Deutschland“ Die bekanntesten Gesichter der Vox-Show

„Goodbye Deutschland“ ist ein echter Vox-Dauerbrenner. Die Sendung brachte auch einige Stars und Sternchen hervor.

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Aachen.  Promi-Auswanderer Jürgen Albers („Goodbye Deutschland“) ist wegen Kokainschmuggels vor Gericht. Die Geschichte seines tiefen Absturzes.

Die Insel, auf der schon viele Auswandererträume wahr geworden sind, hat ihm kein Glück gebracht. Vor neun Jahren packte der Bergmannssohn Jürgen Albers aus der Nähe von Aachen seine Koffer, stieg in ein Flugzeug und ließ sich mit seiner Familie auf Mallorca nieder.

Albers hatte große Pläne. Der ehemalige Nachtclub- und Casinobesitzer eröffnete eine Disco im Urlauberdorf Cala Millor und wurde dabei von einem Team der Vox-Dokureihe „Goodbye Deutschland“ begleitet, die schon Emigranten wie Konny Reimann (66) und Daniela Katzenberger (35) zu Reality-TV-Stars aufgebaut hatte.

Albers war nun Woche für Woche im Fernsehen präsent und genoss sichtlich seine Bekanntheit. Vor den Kameras gab er den ehrlichen Unternehmer. Doch den Auswanderertraum musste er teuer bezahlen: Seine Disco floppte, die Ehe ging in die Brüche, Albers lebt längst wieder in Deutschland – und nun droht ihm eine lange Gefängnisstrafe.

„Goodbye Deutschland“-Star sitzt im Rollstuhl

Denn der heute 60-Jährige soll Drahtzieher einer kriminellen Bande gewesen sein. Es geht um Luxusautos, Drogenfahrten quer durch Europa und eine gewaltige Menge Kokain.

Am Mittwochmorgen wird Albers – schwarze Lederjacke, weißes Hemd, das blonde Haar zu einem dünnen Pferdeschwanz gebunden – in den Verhandlungssaal des Aachener Landgerichts geschoben. Der Mann sitzt im Rollstuhl, es geht ihm nicht gut.

Sein Mandant sei Diabetiker, habe einen Herzinfarkt erlitten und außerdem eine Sehschwäche, erklärt einer seiner beiden Anwälte. Es könne sein, gibt der Verteidiger zu bedenken, dass es bei der Hauptverhandlung zu einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustands komme. Ist der im Fernsehen so viril wirkende Albers etwa zu angeschlagen für den Prozess?

Nach „Goodbye Deutschland“ folgte der Absturz

Auf solche Diskussionen wollen sich die anderen Verfahrensbeteiligten nicht einlassen. Der Angeklagte sei „sicherlich sehr krank“, wendet ein medizinischer Sachverständiger ein. Er sehe aber keinen Grund, weshalb Albers nicht verhandlungsfähig sein sollte. Diabetes habe der 60-Jährige bereits seit Jahrzehnten, und eine Sehbehinderung sei normal. Der Staatsanwalt ergänzt, dass Albers es immerhin schaffe, aus der Haft Briefe zu schreiben: „Da werden viele, viele Blätter verschickt.“

Die Anklage wird beim Prozessauftakt nicht verlesen, weil eine Beschuldigte an Corona erkrankt ist. Die Vorwürfe haben es jedoch in sich. Albers und vier weiteren Angeklagten im Alter zwischen 32 und 44 Jahren wird bandenmäßiges unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen. Darauf stehen bis zu 15 Jahre Haft.

Als Albers nach sechs Jahren Mallorca wieder nach Deutschland zog, eröffnete er in Eschweiler ein Ingenieurbüro für Kfz-Technik. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war die bürgerliche Existenz nur Fassade. Tatsächlich hat er laut Anklagebehörde viel Geld damit verdient, einer belgischen Gruppe dabei zu helfen, Drogenlieferungen nach Italien, Tschechien, Schweden oder Portugal zu organisieren.

Seine mutmaßliche Aufgabe: schnelle Autos mit professionellen Schmuggelverstecken bereit zu stellen – darunter ein Maserati und ein Porsche. Albers soll nicht selbst am Steuer gesessen, sondern Fahrer – die mitangeklagten Männer – angeworben haben. Es geht um 1,4 Tonnen Kokain im Wert von geschätzt 43 Millionen Euro. Seit einer Razzia in seiner Privatwohnung im November 2021, bei der drei Schusswaffen beschlagnahmt wurden, sitzt Albers in Untersuchungshaft.

Vox will keine „Goodbye Deutschland“-Episoden mit Jürgen Albers mehr ausstrahlen

Der einstige Promi-Auswanderer bestreitet die Vorwürfe, ist nach Aussage seines Anwalts aber bereit, „kooperativ mit den Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten“.

Unabhängig davon, wie der Prozess ausgeht: Die TV-Auftritte des Ex-Mallorquiners dürften mit der Zeit in Vergessenheit geraten. Der Sender Vox hat ihn zur unerwünschten Person erklärt und alle Episoden, in denen er zu sehen ist, aus dem Programm geworfen. „Solange die Vorwürfe nicht geklärt sind“, so eine Sendersprecherin, „werden wir auch keine Wiederholungsfolge mit ihm einplanen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.