Weltklimakonferenz

Greta Thunberg: Aktivistin ist „Person of the Year 2019“

Madrid.  Beim Klimagipfel kritisiert Greta Thunberg die Staatschefs. Derweil kürt das „Time“-Magazin die Aktivistin zur „Person des Jahres“.

Darum kürt das "Time"- Magazine Greta zur Person des Jahres
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Greta Thunberg hat bei der UN-Klimakonferenz in Madrid am Mittwoch erneut eine Rede gehalten. Darin wirft die 16-Jährige den Staatschefs und einigen reichen Industrienationen „Irreführung statt Führung“ vor und kritisiert sie für ihre Untätigkeit in der Klimakrise.

Sie hätten versprochen, den Ausstoß von Treibhausgasen „um so und so viel Prozent bis zu diesem und jenem Datum“ zu senken oder gar „klimaneutral innerhalb von so und so vielen Jahren“ zu werden. Auf den ersten Blick klinge dies vielleicht eindrucksvoll, moniert die Klimaaktivistin, aber obwohl die Intention dahinter gut sei, handle es sich um Täuschung.

In ihrer auf wissenschaftliche Daten zu CO2-Emissionen und die Erderwärmung gestützten Rede legte Greta Thunberg vor dem Plenum eindringlich die Fakten zu den Folgen dar, sollten die Ziele des Pariser Abkommens zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad verfehlt werden. „Jeder Bruchteil eines Grades zählt“, warnt sie.

Greta Thunberg in Madrid – Das Wichtigste in Kürze:

  • Greta Thunberg hat es auf klimaneutralem Weg nach Madrid zum UN-Klimagipfel geschafft
  • Bei ihrer Ankunft wurde sie regelrecht belagert
  • Am Freitag musste sie deshalb den Protestmarsch abbrechen und fand hinterher warnende Worte
  • Auch zu ihrer Rolle als Symbol des Kampfes gegen den Klimawandel äußerte sie sich – und übte Selbstkritik
  • In einer neuen Rede kritisierte Greta die Regierungen reicher Industrienationen erneut scharf – und warf ihnen Täuschung vor
  • Nebenbei wurde die 16-Jährige vom „Time“-Magazin zur „Person des Jahres 2019“ gewählt

„2050 Treibhausgas-Neutralität zu erreichen bedeutet gar nichts, wenn die Emissionen inzwischen noch für ein paar Jahre weitergehen wie bisher. Denn unser verbleibendes Budget wird dann aufgebraucht sein“, erklärte die junge Schwedin unter dem Applaus der Anwesenden.

Greta Thunberg – So humorvoll kontert sie einen Angriff von Brasiliens Präsidenten

Abseits der Klimakonferenz hatte Greta Thunberg mit einer humorvollen Reaktion auf eine Aussage von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro für Aufmerksamkeit gesorgt. Bolsonaro hatte die 16-Jährige vor Journalisten als „pirralha“ bezeichnet, was sowohl mit Göre, Balg oder Rotzlöffel als auch Winzling, Racker, Wicht oder Knirps übersetzt werden kann. Greta hatte sich in ihrem Profil auf Twitter daher zwischenzeitlich selbst als Pirralha beschrieben.

Hintergrund war, dass die Klimaaktivistin zum Tod zweier Ureinwohner im Nordosten Brasiliens auf Twitter geschrieben hatte, in dem Land würden die indigenen Völker „buchstäblich ermordet“, weil sie den Regenwald vor dem Abholzen zu schützen versuchten. Bolsonaro wies die Kritik zurück.

Greta Thunberg vom „Time“-Magazin zur „Person des Jahres 2019“ gewählt

Der Rummel um Greta Thunberg reißt auch abseits der Klimakonferenz nicht ab. Das „Time“-Magazin zeichnete die Klimaaktivistin am Mittwoch als „Person des Jahres 2019“ aus, wie das Magazin auf Twitter mitteilte.

„Greta Thunberg ist die überzeugendste Stimme zur wichtigsten Angelegenheit unseres Planeten geworden“, erklärte das US-Magazin am Mittwoch. Was mit einem empörten Teenager und einem plötzlichen Ausbruch der Rebellion begonnen habe, sei zu einem der unwahrscheinlichsten und schnellsten Aufstiege zu globalem Einfluss der Weltgeschichte geworden.

Auch in Madrid wird Greta Thunberg wie ein Popstar gefeiert. Sie selbst nimmt den Rummel um ihre Person gelassen und konzentriert sich lieber auf ihr Hauptanliegen: den Klimaschutz. Die UN-Klimakonferenz in Madrid läuft nun bereits in der zweiten und entscheidenden Woche.

Greta Thunberg rechnet mit Politikern ab

Am Rande des Gipfels zeigte sich Greta Thunberg so offen wie nur selten. Zwar nehme sie die Aufregung um ihre Person wahr. Sie selbst sehe sich aber gar nicht in dieser Rolle, wie sie in einem Interview mit der portugiesischen Zeitung „Expresso“ sagte.

Hintergrund war eine regelrechte Belagerung durch Medienvertreter bei ihrer Ankunft am Bahnhof Chamartín im Norden der spanischen Hauptstadt am Freitag. Die 16-Jährige musste eine Viertelstunde im Zug ausharren, bevor sie ihn begleitet von spanischen Sicherheitskräften verlassen konnte.

Greta Thunberg gesteht sich ein: „Wir haben nichts erreicht“

Auch beim Klimamarsch am vergangenen Freitag wurde sie von Fans belagert. Die Aufregung war so groß, dass Thunberg für ihre Abschlusskundgebung zur Bühne gefahren werden musste – natürlich mit einem Elektroauto.

Zuvor hatte sie bei einer Pressekonferenz eingeräumt, dass die weltweiten Klimaproteste junger Aktivisten bisher so gut wie nichts dazu beigetragen hätten, den Klimawandel aufzuhalten – es kam einer Art Geständnis gleich. „Wir haben das Bewusstsein für Klimafragen geweckt, aber das reicht noch lange nicht aus“, sagte sie. „Somit kann man sagen, dass wir viel, aber dann auch wieder nichts erreicht haben.“

Greta Thunberg- So bitter ist ihr Geständnis

Sie selbst sehe sich dabei nur als „einen kleinen Teil einer sehr großen Bewegung“, die weiter für eine bessere Zukunft kämpfen werde. Die Chance will sie auch auf der UN-Klimakonferenz nutzen.

Gemeinsam mit ihrer deutschen Mitstreiterin Luisa Neubauer war Thunberg bereits am Montag auf dem Madrider Messegelände aufgetreten.

Greta Thunberg- Es gibt Hoffnung, ich habe sie gesehen

Schon am Freitag hatten beide an einer „Fridays for Future“-Großdemo für mehr Klimaschutz teilgenommen, an der sich auch der spanische Filmstar Javier Bardem und zahlreiche Indigene aus Lateinamerika beteiligten. Die Organisatoren sprachen von rund 500.000 Teilnehmern, von offizieller Stelle wurde dies jedoch nicht bestätigt.

Großer Bahnhof für Greta Thunberg

Thunberg forderte die Politiker bei einer kurzen Rede unter dem Jubel der Anwesenden erneut auf, konkrete Fortschritte im Kampf gegen die Erderwärmung zu erzielen.

Lesen Sie hier: Warum sich Greta Thunberg nicht als Ikone sieht.

Greta Thunbergs umständliche Reise nach Madrid

Greta war mit einem Nachtzug von Lissabon in die spanische Hauptstadt gereist. Zuvor hatte ein Angebot eines religiösen Nachbarschaftsvereins aus der spanischen Gemeinde Talavera de la Reina nahe Toledo für Aufregung gesorgt: Er wollte der schwedischen Klimaaktivistin einen Esel zur Weiterreise von Lissabon nach Madrid zur Verfügung stellen.

„Wir sind uns der Wichtigkeit bewusst, die Welt für die Situation der Umwelt zu sensibilisieren und schließen uns Thunbergs Kampf an“, hieß es am Mittwoch auf der Facebookseite des Vereins „Asociación Fray Hernando de Talavera“. „Unsere Vorfahren haben dieses Fortbewegungsmittel benutzt und es war das umweltfreundlichste überhaupt.“ Neben dem Post war ein Foto eines örtlich aufgezogenen Esels zu sehen.

Greta Thunberg äußert sich zu Kritik

Die 16-jährige Thunberg war am Dienstag vergangener Woche nach dreiwöchiger Segelreise über den Atlantik in Portugal eingetroffen. Die Aktivistin vermeidet Flugzeuge, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Trotz ihres klimafreundlichen Transportmittels hagelte es Kritik – die Reise sei gar nicht wirklich klimaneutral.

Der Grund: Seglerin Nikki Henderson, die Greta auf ihrer Reise nach Europa begleitete, musste mit dem Flugzeug von Großbritannien in die Vereinigten Staaten fliegen. An Board war außerdem das australische YouTuber-Paar, das Greta ihr Boot zur Verfügung gestellt hatte.

Ähnliche Kritik musste die junge Klimaaktivistin schon bei ihrer Hinreise einstecken. Um das Segelboot „Malizia II“, mit dem Greta nach New York gesegelt war, wieder zurückzubringen, mussten fünf Personen mit dem Flugzeug nach New York fliegen. Auch der deutsche Segelprofi Boris Hermann, mit dem Thunberg hingesegelt war, nahm das Flugzeug zurück. Auch lesenswert: Greta Thunberg gehört zu den Google-Trends 2019.

Greta Thunberg im Interview- Das würde sie Angela Merkel sagen

Die Klimaaktivistin äußerte sich kürzlich zu den Vorwürfen: „Ich reise nicht so, weil ich möchte, dass alle das tun. Ich tue das, um eine Botschaft zu senden, dass es heute unmöglich ist, nachhaltig zu leben, und das muss sich ändern. Es muss viel einfacher werden.“

Im Vorfeld der Reise hatte es Unklarheiten gegeben, ob es die Klimaaktivistin überhaupt zur Konferenz schaffen würde. Sogar Eurowings bot Hilfe an – Greta hatte jedoch abgelehnt.

Greta Thunberg und der „halbe“ Klimagipfel

Beim Klimagipfel wird nun seit Dienstag auf Ministerebene verhandelt, dafür reiste auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze nach Madrid. Im Mittelpunkt der Treffen stehen ehrgeizigere Ziele als bisher, was die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens angeht.

Lesen Sie hier: Die Erde sendet beim Klimawandel ihr wohl letztes Alarmsignal.

Dieses sieht vor, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Jedoch müssen die ambitionierteren Pläne erst bei der nächsten Klimakonferenz im kommenden Jahr vorgelegt werden. Thunberg sagte dazu: „Halbe Gipfeltreffen können wir uns gar nicht leisten, wir müssen jede Chance nutzen.“

Klimagipfel in Madrid – darum geht es

Das Klimaabkommen von Paris sieht vor, dass die Staaten spätestens nächstes Jahr ihre Klimaschutz-Zusagen nachschärfen. In Madrid soll das vorbereitet werden. Auf der Agenda der Konferenz stehen daher Verhandlungen darüber, wie CO2-Verschmutzungsrechte international gehandelt werden sollen und wie Klimaschäden etwa durch Dürren und Stürme finanziert werden.

Speziell arme Länder, die am wenigsten zur Krise beitragen, leiden unter den Folgen von Dürren und Wetterkatastrophen. Ob konkrete Maßnahmen beschlossen werden, ist aber fraglich. Die Hilfsorganisation Care monierte am Freitag, die Industrienationen spielten in Madrid bislang auf Zeit, und auch die EU-Kommission bleibe weiter hinter den Erwartungen zurück. (dpa/les/yah)

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