Neue Stadt

Indonesien will seine Hauptstadt verlegen – nach Borneo

Jakarta.  Indonesiens Hauptstadt Jakarta ist zu chaotisch und droht im Wasser zu versinken. Also will das Land eine neue Hauptstadt bauen.

Nach einer Studie des Bandung Institute of Technology könnte 2050 ein Drittel der Stadt Jakarta im Wasser stehen.

Nach einer Studie des Bandung Institute of Technology könnte 2050 ein Drittel der Stadt Jakarta im Wasser stehen.

Foto: Soeren Stache / dpa

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Was macht ein Land, dessen Hauptstadt im Meer zu versinken droht? Richtig, eine neue Hauptstadt bauen. Das dachten sich die Verantwortlichen in Indonesien. Sie beschlossen im Dschungel der Insel Borneo eine neue Hauptstadt aus dem Boden zu stampfen.

2024 sollen Regierung und Parlament des 265-Millionen-Einwohner-Landes aus der jetzigen Hauptstadt Jakarta in die Nähe der Stadt Balikpapan im Osten von Borneo umziehen.

Bislang besteht das dortige Gelände aus dichtem Wald und einigen gerodeten Flächen. Einen Namen hat die neue Hauptstadt noch nicht. Wichtigste Gründe für den Umzug sind das ewige Verkehrschaos in Jakarta und die Sorge, dass die Stadt irgendwann im Meer versinkt.

Ort mit minimalem Risiko von Umweltkatastrophen

Über einen solchen Umzug wird seit längerer Zeit spekuliert. Seit Präsident Joko Widodo im größten Inselstaat der Welt wiedergewählt wurde, drückt er nun mächtig aufs Tempo. Dass es von der Insel Java nach Borneo geht, stand schon fest - bislang hatte aber auch zur Debatte gestanden, eine bestehende Stadt auszubauen.

Die Wahl des neuen Ortes begründete der Präsident am Montag mit der „strategisch guten Lage“. „Das ist im Herzen Indonesiens“, sagte Joko. „Das Risiko von Überflutungen, Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen ist minimal.“

Plastikmüll-Problem in Indonesien

Das entsprechende Gesetz soll bereits an diesem Dienstag eingebracht werden. Borneo ist die viertgrößte Insel der Welt. Wenn mit dem Umzug tatsächlich 2024 begonnen würde, wäre dies im letzten Jahr von Jokos zweiter Amtszeit.

Auch andere Länder haben ihre Hauptstädte verlegt

Vorbilder sind Länder wie Brasilien, Pakistan oder Myanmar, die ihre Hauptstädte in den letzten Jahrzehnten ebenfalls verlegt haben - und in gewissem Maße auch die Bundesrepublik mit dem Umzug von Bonn nach Berlin.

Aktuell plant auch Ägypten einen Umzug: weg von Kairo, 50 Kilometer weiter in die Wüste. Für das 1527 gegründete Jakarta (ursprüngliche Bedeutung: „Großer Sieg“) geht damit ein halbes Jahrtausend Hauptstadtgeschichte in verschiedenen Reichen zu Ende. Zwischenzeitlich hatten die niederländischen Kolonialherren die Stadt in Batavia umbenannt.

Seit 1942 hat sie wieder den alten Namen. Die Mega-City mit ihren mehr als zehn Millionen Einwohnern leidet unter chronischem Verkehrschaos. Tag für Tag gibt es dort extrem lange Staus. Im Großraum Jakarta leben sogar 30 Millionen Menschen.

Außerdem droht die Stadt zu versinken: 40 Prozent ihrer Fläche befindet sich inzwischen unter dem Meeresspiegel. Nach einer Studie des Bandung Institute of Technology könnte 2050 tatsächlich ein Drittel der Stadt im Wasser stehen.

30 Milliarden Euro kostet eine neue Hauptstadt

Zudem ist Jakarta immer wieder von schweren Erdbeben betroffen. Die Kosten einer neuen Hauptstadt werden auf umgerechnet bis zu 30 Milliarden Euro geschätzt. Zum Plan gehört, dass Jakarta Finanzmetropole bleibt. Die Regierung hofft auf größere Einnahmen aus dem Verkauf von Immobilien.

Mit mehr als 17.000 Inseln und einer Fläche von 1,9 Millionen Quadratkilometern ist Indonesien der größte Inselstaat der Welt. Von den geschätzt 265 Millionen Einwohnern ist die große Mehrheit islamischen Glaubens.

Damit ist Indonesien auch das bevölkerungsreichste muslimische Land. Als Alternative zu der Gegend um Balikpapan hatte bislang die 250.000-Einwohner-Stadt Palangkaraya gegolten, die ebenfalls auf Borneo liegt.

Indonesiens Regenwälder brennen

In den vergangenen Tagen hatten die Brände in den Indonesischen Regenwäldern für Bestürzung gesorgt. Nach Angaben des indonesischen Umwelt- und Forstministeriums (KLHK) waren in den ersten fünf Monaten dieses Jahres landesweit bereits 42.740 Hekar Regenwald von Bränden betroffen, noch bevor die im Juni einsetzende Trockenzeit begonnen hatte.

Dies entspricht fast dem Doppelten der Fläche, die im gesamten, besonders regenreichen, Vorjahr betroffen war. Seit Anfang August spitzt sich die Lage insbesondere auf dem indonesischen Teil Borneos Kalimantan und Sumatra weiter zu.

Im Mai diesen Jahres hatte Indonesien mit einem harten Urteil gegen einen Franzosen für Schlagzeilen gesorgt. Der 35-Jährige war wegen Drogenschmuggels zum Tode verurteilt worden. (dpa/msb)

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