Jenaer Medienforscher: Deshalb verbreiten sich Fake News in der Corona-Krise schneller

Jena.  So schnell wie sich das Coronavirus ausbreitet, werden auch Fake News in soziale Netzwerke im Internet gestellt. Auch solche falschen Informationen können der Gesundheit schaden, warnt der Jenaer Medienpsychologe Tobias Rothmund. Dabei sei niemand vor Fakes gefeit.

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Foto: imago stock&people / imago/Christian Ohde

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Die Corona-Pandemie hat in sozialen Medien eine Vielzahl von Fake News hervorgerufen. "Falschinformationen gibt es im Prinzip immer", sagte der Jenaer Medienpsychologe Tobias Rothmund der Deutschen Presse-Agentur. Aber wenn Menschen verunsichert seien oder sich bedroht fühlten, würden sie besonders stark weiterverbreitet. Im Extremfall führten solche Falschmeldungen nicht nur zu mehr Angst und Panik, sondern schadeten der Gesundheit - etwa bei irreführenden Tipps zur Vorbeugung oder Behandlung einer Infektion, warnte der Social-Media-Forscher. Jeder sei daher gefordert, Informationen kritisch zu hinterfragen, bevor er sie an Bekannte weiterleite.

So kursieren Behauptungen, der Erreger Sars-CoV-2 sterbe bei 26 bis 27 Grad ab - was falsch ist. In anderen Meldungen wird Luftanhalten als Schnelltest für eine Corona-Infektion empfohlen oder behauptet, wegen der Pandemie würden Festnetztelefonate nach einer bestimmten Zeit unterbrochen. In Ostthüringen sorgten Spekulationen über ein riesiges Zelt auf dem Flugplatz Nobitz für wirre Spekulationen: Mal sollte es als Quartier für heimlich per Flugzeug eingeschleuste Flüchtlinge dienen, mal als Quarantänestation für Corona-Infizierte. Tatsächlich parkt der Autokonzern VW in dem Zelt Neuwagen.

Die Corona-Pandemie mache den Menschen Angst und schaffe einen Hunger nach Informationen, konstatierte Rothmund. "Wir suchen nach Antworten und dabei stoßen Falschinformationen in Informationslücken." Zu unterscheiden seien zum einen Informationen, die künstlich erzeugt und absichtlich falsch seien; zum anderen Meldungen mit einem wahren Kern, der aber falsch oder missverständlich dargestellt werde. Oft reiche allerdings schon eine kurze Recherche, um Fake News auf die Schliche zu kommen. Vorsicht sei zumal immer geboten, wenn keine, ungenaue oder dubiose Quellen angegeben seien.

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Dabei ist nach Ansicht des Medienpsychologen niemand vor Fakes gefeit. "Es gibt für jeden Menschen die passende Falschmeldung", betonte er. «Wenn eine Information meine Sorgen, Wünsche, Überzeugungen anspricht, dann bin ich besonders gefährdet, sie zu glauben und zu teilen.» Zudem seien impulsive und spontane Menschen stärker gefährdet, Falschmeldungen in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter oder in Messengerdiensten wie Whatsapp weiterzuverbreiten. Denn dazu reicht ein schneller Klick.

Generell gebe es Akteure, die kommerziell Falschmeldungen verbreiten und damit im Internet Geld verdienten, weiß der Fachmann: "Da gibt es eine florierende Fake-News-Industrie." Hier sehe er die Notwendigkeit rechtlich vorzugehen und entsprechende Seiten zu verbieten. In der aktuellen Corona-Krise sei ihm das aber noch nicht aufgefallen. Auffällig sei jedoch, dass aus der rechtsextremen Szene versucht werde, die aktuelle Situation mit Hilfe von Fake News für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Dabei gehe es etwa darum, der Regierung Versagen vorzuwerfen oder Ausländer zu diskreditieren.

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