Tourismus

Kreuzfahrtschiffe in Venedig: Die Ozeanriesen sind zurück

Micaela Taroni
| Lesedauer: 4 Minuten
Venedig: Trinkwasserbrunnen statt Plastikflaschenberge

Venedig- Trinkwasserbrunnen statt Plastikflaschenberge

In Venedig sorgen Touristen für jede Menge Müll, darunter sind viele Kunststoffflaschen. Die Behörden werben dafür, dass Besucher ihre Flaschen an einem der mehr als 120 Trinkwasserbrunnen auffüllen.

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Venedig.  Venedigs Jubel über das Verbot von Kreuzfahrtschiffen hat nicht lange gehalten. Mittlerweile fahren die Schiffe wieder einfach ein.

Eigentlich sollte Schluss sein mit den Riesenschiffen, die in Venedig Tausende von Touristen ausspucken. Doch was gelten schon Verbote: Die Regierung in Rom hat zwar Kreuzfahrtschiffen untersagt, vor dem Markusplatz in Venedig zu halten, aber manche Reedereien ignorieren das. Die Ozeanriesen jedenfalls sind wieder in der Lagunenstadt aufgetaucht, diesmal über Umwege.

Für Aufsehen sorgte dieser Tage das 294 Meter lange Kreuzfahrtschiff "Norwegian Gem", das am Wochenende kurzerhand am Lido von Venedig, einem der drei Zugänge vom Meer zur Lagune, anlegte, und mit schnellen Motorbooten 1500 Urlauber für einen Kurzbesuch ins Zentrum brachte.

Die Touristen hatten gerade Zeit, die Markusbasilika und die Gondeln zu fotografieren und schon ging es wieder an Bord. Die Blitzlandung der Touristen in Italien löste den Protest der Stadtverwaltung, der Hafenmitarbeiter, die von der Ausschiffung ausgeschlossen waren, sowie von Umweltschützern aus, die sich für einen nachhaltigen Tourismus in der Lagunenstadt engagieren.

Kreuzfahrtschiffe in Venedig: Neue Anlegestelle soll ausgebaut werden

"Das darf sich nicht wiederholen. Touristen, die sich nur wenige Stunden in der Stadt aufhalten, passen nicht ins Modell des Fremdenverkehrs, den wir wollen", protestierte der für Tourismusfragen zuständige Stadtrat Simone Venturini.

Seit April 2021 können Kreuzfahrtschiffe an den im Industriegebiet von Porto Marghera eingerichteten Kais anlegen. Dabei handelt es sich um vorläufige Liegeplätze in Erwartung des neuen Passagierterminals in Porto Marghera, auf deren Bau Venedig noch mindestens drei Jahre warten muss.

Der Hafen von Marghera soll für 157 Millionen Euro ausgebaut werden. Dorthin sollen Kreuzfahrtschiffe über einen Kanal gelangen, der die Altstadt weiträumig vermeidet und bisher von Frachtschiffen und Tankern genutzt wird. Irgendwann sollte es dann eine Anlegestelle außerhalb der Lagune geben. Dafür soll ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben werden. Lesen Sie auch: Italien-Urlaub: Wer diese Fehler macht, riskiert Geldstrafen

Der Blick der abreisenden Touristen fällt inzwischen auf Container und Kräne statt auf den Glockenturm der Insel San Giorgio und den Dogenpalast. Das Industriegebiet Marghera als Anhaltelösung für die Luxusliner wurde von einigen Kreuzfahrtgesellschaften mit Skepsis aufgenommen, die andere Ziele als Abfahrts- und Ankunftshafen bevorzugt haben, wie Triest oder Ravenna in Italien.

Die Angst Venedigs, eine Stadt der Tagesausflügler zu werden

Zu ihnen gehört auch die Norwegian Cruise, die jedoch nicht darauf verzichtet hat, ihren Passagieren einen mehrstündigen Ausflug nach San Marco anzubieten. Damit droht Venedig jedoch vom Hafen für Kreuzfahrtgesellschaften in eine Stadt für Tagesausflügler zu werden.

"Die Gefahr ist, dass die Idee von Norwegian Cruise andere Reedereien inspirieren könnte, das historische Zentrum mit jenen Tagestouristen zu überschwemmen, vor denen sich die Stadt zu schützen versucht, indem sie ab dem 16. Januar nächsten Jahres eine obligatorische Reservierung und eine Zugangsgebühr von bis zu 10 Euro einführt", meint der Verband "No Grandi Navi", der seit jeher gegen Ozeanriesen in Venedig kämpft.

Anlaufstelle nur noch auf dem Festland im Industriehafen Marghera

Nach einem Beschluss der italienischen Regierung im vergangenen Jahr sind der Giudecca- und der Markus-Kanal, sowie das Markus-Becken im historischen Zentrum Venedigs künftig für Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 25.000 Tonnen Gewicht, mehr als 180 Metern Länge und mehr als 35 Metern Höhe gesperrt. Betroffen sind auch Schiffe, die bestimmte Abgasnormen überschreiten. Die riesigen Schiffe sollen nun nur noch den Industriehafen Marghera auf dem Festland anlaufen dürfen.

Mit der Maßnahme zum Schutz seiner historischen Altstadt entging Venedig knapp einer Einstufung als bedrohtes Welterbe. Aufgrund des Durchfahrtverbots verzichtete das Unesco-Welterbekomitee vorerst darauf, die Lagunenstadt auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen. Von dem Bann sind derzeit fast alle Kreuzfahrtschiffe betroffen. Die Reedereien Costa und MSC legen ihre Schiffe anstatt in Venedig in Triest beziehungsweise Monfalcone an. Von dort aus müssen die Ausflügler Venedig mit dem Bus erreichen. Lesen Sie auch: "Costa Concordia": Wie Opfer die Katastrophe erlebt haben

Dieser Text erschien zuerst auf morgenpost.de