TV-Dokumentation

„Native America“ auf Arte: Wie Amerika wirklich entstand

Essen.  So manches, was man über die Geschichte Amerikas weiß, ist offenbar ein Irrtum. Eine Arte-Doku-Reihe will nun Aufklärung schaffen.

„Native America“ - eine Arte-Dokumentation in zwei Doppelfolgen.

„Native America“ - eine Arte-Dokumentation in zwei Doppelfolgen.

Foto: Handout / © Providence Pictures

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Gegen Ende der letzten Eiszeit vor 13.000 Jahren zogen Mammuts und Karibus über die Asien und Alaska verbindende Beringia-Landbrücke gen Osten. Jäger folgten ihren Beutetieren und drangen allmählich in das bis dahin buchstäblich menschenleere Nord- und Südamerika vor.

Das Amazonasbecken erreichten sie erst vor rund 1000 Jahren. Das war jahrzehntelang die anerkannte Sicht auf die Besiedlungsgeschichte des Doppelkontinents.

Diese Geschichte muss umgeschrieben werden. Höhlengrabungen und Knochendatierungen haben ergeben, dass der Regenwald bereits vor 13.000 Jahren von Menschen erobert wurde. Und die waren, wie sich nun zeigt, schon damals nicht nur tumbe Jäger und Sammler, sondern auch Künstler und womöglich sogar Wissenschaftler.

Die ältesten Kunstwerke – Hilfsmittel im Alltag

Eine 800 Meter lange Felswand im westbrasilianischen Regenwald gehört zu den spektakulären Orten, zu denen die vierteilige Arte-Dokumentation „Native America“ an diesem und am kommenden Samstag jeweils in Doppelfolgen führt.

8000 Jahre vor den alten Ägyptern schufen die „ersten Amerikaner“ mit ihren Malereien nicht nur die ältesten bislang entdeckten Kunstwerke der Hemisphäre. Die Abbildungen am den Enden der Felswand bilden exakt die Situation zur Sommer- und Wintersonnenwende ab; andere Petroglyphen (Tiere, Sterne, Sonne) deuten darauf hin, dass die Malereien wohl auch wichtige Hilfsmittel für den Alltag waren: Bei bestimmten Sonnenständen sind bestimmte Tiere besonders aktiv. 8000 Jahre vor Stonehenge wurde ein Berg in einen dreidimensionalen Sonnenkalender verwandelt.

Und der war Teil einer Weltsicht, die offenbar ausnahmslos alle amerikanischen Ureinwohner teilten und die noch heute von vielen Indigenen bewahrt wird. In Süd-, Mittel-, Nordamerika: Überall entwickelte sich, ungeachtet kultureller Ausprägungen und gesellschaftlicher Strukturen, eine Lebensweise, die eng mit der Erde, dem Himmel und allen Lebewesen verbunden ist und die den Menschen als einen Teil des kosmischen Ganzen betrachtet.

DNA-Analysen geben Aufschluss über indianische Völker

Von zentraler Bedeutung ist die Vorstellung von der heiligen Kraft der sechs Richtungen, die sich etwa in der architektonischen Ausrichtung von Städten wie Uxmal und Palenque (Mexiko) oder Cuzco und Chavin (Peru) spiegelt. Neben den Himmelsrichtungen gibt es ein Unten (daher kommt der Mensch) und ein Oben (dorthin steigt er auf). Es gilt, die Balance, das Zentrum zu finden.

Den unbekannten Erbauern von Teotihuacan gelang dies bei der Pyramide der gefiederten Schlange auch ohne Alien-Hilfe bereits perfekt. Und die Jahrhunderte später den Vorfahren der Hopi-Indianer gegründete Stadtanlage von Chaco in New Mexico, vor 1000 Jahren Zentrum von Wissenschaft und Spiritualität, legt trotz ihres Verfalls eindrucksvoll Zeugnis ab von einem allen „Native Americans“ gemeinsamen Glaubenssystems, das die ersten Jäger vermutlich einst aus Asien mitbrachten.

Jüngste DNA-Analysen bestätigen jedenfalls, dass alle indianischen Völker letztlich mit einer einzigen Einwanderungswelle nach Amerika kamen.

Arte, 24. August um 20.15 Uhr und 21.05 Uhr

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