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Ratten-Lungenwurm auf Mallorca – wie kam er nach Europa?

Berlin.  Auf Mallorca wurde ein seltener Parasit gefunden: der Ratten-Lungenwurm. Doch wie kam er nach Europa? Ein Forscher hat eine Theorie.

Lebensgefahr – Tödlicher Gehirnwurm auf Mallorca entdeckt
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Auf Hawaii hatten im Zeitraum von 2007 bis 2017 Dutzende Fälle die Gesundheitsbehörden alarmiert. Insgesamt waren damals 82 Menschen vom sogenannten Ratten-Lungenwurm befallen, neun Menschen starben.Jetzt ist der Parasit auch auf Mallorca gefunden worden. Bei Urlaubern geht die Angst um. Dabei sind Infektionen selten - auch wenn Forscher dennoch zur Vorsicht mahnen.

Der Wurm mit dem lateinischen Namen Angiostrongylus cantonensis sei in zwei Igeln auf der Ferieninsel festgestellt worden, wie die „Mallorca Zeitung“ berichtete. Insgesamt sei es erst das zweite Mal gewesen, dass der Parasit in Europa entdeckt wurde, erklärte Wissenschaftlerin Claudia Paredes von der Balearen-Universität Palma.

Normalerweise ist der Wurm in Südostasien zu finden. Wie kam er nun auf die Balearen? Ein Forscher hat eine Theorie, wie er den Weg nach Europa gefunden haben könnte.

Ratten-Lungenwurm auf Mallorca - Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein auch für den Menschen gefährlicher Wurm ist auf Mallorca entdeckt worden
  • Er trägt den Namen Ratten-Lungenwurm, weil er oft in Ratten zu finden ist
  • Eine Infektion mit dem Parasiten kann zu einer Hirnhautentzündung führen
  • In Europa ist der Wurm zuvor erst einmal entdeckt worden
  • Ein Forscher hat eine Theorie, wie der Wurm nach Europa kam

Wie kam der Ratten-Lungenwurm nach Europa?

Dass es der Parasit nun auch nach Europa geschafft habe, könne neben dem Schiffsverkehr auch mit den durch den Klimawandel steigenden Temperaturen zusammenhängen, vermutet Clausen. Denn die Larven des Parasiten brauchen warme Temperaturen, um sich entwickeln zu können.

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Wie gefährlich der Ratten-Lungenwurm sein kann, zeigen Fälle aus anderen Ländern: Auf vier hawaiianischen Inseln waren zwischen 2007 und 2017 infizierte Schnecken gefunden. Schlagzeilen machte 2010 auch der Fall eines 21-Jährigen aus Australien, der nach einer Wette mit seinen Freunden eine rohe Schnecke gegessen hatte, die mit dem Ratten-Lungenwurm infiziert war. Auch interessant: Mallorca ist nicht mehr das beliebteste Reiseziel der Deutschen.

Sein Name verheißt nichts Gutes, und tatsächlich handelt es sich bei dem Ratten-Lungenwurm um einen höchst unangenehmen Gesellen: Infizierte Menschen können an einer Hirnhautentzündung erkranken, in Einzelfällen drohen Koma und sogar der Tod.

Tapas potenziell eine Gefahr

Forscherin Claudia Paredes warnte vor dem Verzehr roher oder nicht vollständig gekochter Schnecken, durch die der Parasit übertragen werden kann. Schnecken sind Bestandteil einiger traditionell spanischer Gerichte und werden auch als Tapas angeboten.

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Schnecken können zu sogenannten Zwischenwirten für den Wurm werden, wenn sie Kot von Ratten fressen, erklärt Clausen: „In der Schnecke entwickeln sich die Larven weiter, bis sie das für den Menschen infektiöse Stadium drei erreicht haben.“

Infektionen von Menschen mit dem Ratten-Lungenwurm sind selten. Weltweit habe es bislang rund 2880 Fälle gegeben, in denen bei Menschen eine Hirnhautentzündung im Zusammenhang mit dem Parasiten nachgewiesen werden konnte, so Professor Peter-Henning Clausen vom Institut für Parasitologie der FU Berlin.

Der Träger des Parasiten, der vor allem in Südostasien, Australien, Nord- und Südamerika, aber auch in einigen Ländern Afrikas heimisch ist, ist die Ratte. In ihr schlüpfen die Larven und werden in einem frühen Entwicklungsstadium ausgeschieden.

Fakten zum Ratten-Lungenwurm:

  • Bei dem Ratten-Lungenwurm handelt es sich um einen Parasiten
  • Er befällt normalerweise Ratten, ist aber auch in Igeln oder Schnecken zu finden
  • Seit den 1960er-Jahren verbreitet er sich auf der ganzen Welt

Bei Infizierten können sie eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute auslösen. Symptome sind:

  • starke Kopfschmerzen
  • steifer Nacken (Meningismus)
  • neurologische Ausfälle

Die größte Gefahr geht für diejenigen aus, deren Immunsystem ohnehin geschwächt ist, zum Beispiel durch ein hohes Alter oder eine HIV-Erkrankung.

Im Jahr 2008 erlebte eine Frau einen Alptraum: Ärzte entfernten 14 Würmer aus ihrem Auge. An der Ostsee starben zwei Menschen an Bakterien – die Vibrionen befinden sich im Wasser. (ses/br)

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