Modellwechsel

Thermomix-Urteil: Kundin verklagt Vorwerk – und verliert

Wuppertal.  Ein unangekündigter Thermomix-Modellwechsel hatte Kunden massiv verärgert. Eine Frau klagte. Nun entschieden die Wuppertaler Richter.

Drama um neuen Thermomix: Darum wollen Kunden klagen

Thermomix: Darum wollen Kunden den Hersteller des Küchengeräts jetzt verklagen.

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  • Der Rechtsstreit zwischen dem Haushaltsgeräte-Hersteller Vorwerk und einer Kundin ist beendet
  • Es ging um die Einführung eines neuen Thermomix-Models im Frühjahr 2019
  • Vorwerk hatte die neue Generation seiner Luxus-Küchenmaschine zuvor nicht angekündigt
  • Kunden, die nur kurze Zeit zuvor das Vorgängermodell kauften, waren massiv verärgert
  • Es hagelte scharfe Kritik in den sozialen Medien
  • Eine Kundin klagte – nun sprach das Wuppertaler Landgericht das endgültige Urteil

Nun ist der Rechtsstreit zwischen Thermomix und einer verärgerten Kundin beendet. Der Küchengeräte-Hersteller Vorwerk ist nicht verpflichtet, seine Kunden lange im Voraus über die Einführung neuer Modelle des Luxusküchengeräts zu informieren. Das hat am Donnerstag das Landgericht Wuppertal entschieden. Die Richter wiesen die Klage einer Kundin ab – endgültig.

Was war passiert? Mitte Januar war die Welt für eine Frau aus Kaiserslautern noch in Ordnung. Endlich hatte die Pfälzerin einen Thermomix in ihrer Küche, das iPhone unter den Küchenmaschinen, wie einmal ein glühender Verehrer das Wuppertaler Wirtschaftswunder der Firma Vorwerk bezeichnet hatte.

Als sieben Wochen nach ihrem Kauf des Modells TM5 in einer Nacht- und Nebelaktion am 1. April 2019 das technisch weiterentwickelte Thermomix-Nachfolgemodell TM6 für 1359 Euro auf den Markt kam, hielt dies die Kundin für einen schlechten Scherz.

Hätte sie von dem Modellwechsel gewusst, wäre es nicht zu einem Kauf im Januar gekommen, so ihre Meinung über das aus ihrer Sicht halbgare Geschäft. Sie kochte vor Wut und versuchte auf juristischem Wege eine Rückabwicklung des Kaufvertrags. Das Amtsgericht Wuppertal in erster Instanz wies die Klage der rechtsschutzversicherten Frau ab.

Thermomix weltweit mehr als drei Millionen Mal verkauft

Zum Verhandlungstermin vor dem Landgericht Wuppertal war die „ganz normale Verbraucherin“, so Rechtsanwalt Helmut P. Kahlert, nicht erschienen. Der Jurist hatte den Prozessbevollmächtigten der Pfälzerin vertreten und hat sich in Vorbereitung der Sitzung von seiner Tochter in die Geheimnisse des Thermomix einweihen lassen.

„Das Gerät sieht wegen seiner Höhe aus wie ein Atommeiler. Es erleichtert das Kochen offenbar sehr.“ Mit dieser Auffassung steht Kahlert nicht alleine da. Weltweit soll der Thermomix, der Lebensmittel zerkleinern, mixen, erwärmen und kochen kann, bislang mehr als drei Millionen Mal verkauft worden sein. Ein Verkaufsrenner. Auch interessant: Das sind die günstigen Alternativen zum Thermomix.

Seit 2017 ebbt der Boom – manche sprechen auch von einem Hype – ab. Wegen des nachlassenden Geschäfts gab das Unternehmen unlängst bekannt, die Thermomix-Fertigung am Stammsitz in Wuppertal einzustellen. Die Multifunktions-Küchenmaschine soll in Zukunft nur in Frankreich und China produziert werden.

Eine Berg- und Talfahrt im Bergischen Land für den Hersteller, der sich auch mit seinem Staubsauger Kobold einen Namen in Haushalts-Kreisen gemacht hat. Und dann ist da auch noch das Kochduell vor dem Wuppertaler Landgericht.

Gericht sieht keine Auskunftspflicht für Hersteller

Der Vorsitzende Richter der 9. Zivilkammer, Stefan Istel, hatte durchaus Verständnis für die Empörung der klagenden Pfälzerin – „eine frohe Botschaft“, wie er es sagte, konnte er ihr kurz vor Weihnachten allerdings nicht verkünden.

Die Klage hatte nach Auffassung der Kammer keine Aussicht auf Erfolg – es gebe fernab der Frage, ob ein solcher Vorgang im Sinne der Kundenzufriedenheit sei, keine Auskunftspflicht für Hersteller – so lange das Gerät keine technische Mängel aufweise und es zum Zeitpunkt des Verkaufs noch produziert und angeboten werde. Das habe der Bundesgerichtshof bei Entscheidungen in ähnlich gelagerten Fällen bei anderen technischen Geräten festgestellt. Lesen Sie hier: Thermomix-Hersteller Vorwerk lockt Kunden nach Ärger mit Rabatten.

Durch die Modellbezeichnung TM5, so der Wuppertaler Richter weiter, müsse die Klägerin wissen, dass es Vorgängermodelle gab, die irgendwann durch ein neues ersetzt werden. „Es gibt immer zeitliche Grenzen für ein Modell. Bei einem Wechsel wird es immer Unzufriedene geben, die durch das Raster fallen.“

Thermomix sorgt für Ärger: Gemüter der Kunden erhitzt

Jedenfalls hatte die vorher nicht angekündigte Markteinführung des TM6 zum 1. April die Gemüter von Kunden mächtig erhitzt. Bei Facebook formierte sich die Gruppe „Musterfeststellungsklage TM5 TM6“, die einen Wertverlust ihrer Alt-Geräte anführte und eine Klagewelle wie im Falle des Dieselabgasskandals ins Gespräch brachte. Doch selbst Verbraucherschützer stuften ein solches Vorhaben wegen der fehlenden gesetzlichen Pflicht, ein neues Gerät anzukündigen, als nur begrenzt aussichtsreich ein.

Zumal – und das war ein Aspekt bei der aktuellen juristischen Auseinandersetzung – eine Knall-auf-Fall-Markteinführung durchaus eine Art Geschäftsmodell bei hochpreisigen technischen Geräten sein kann.

Hätte Vorwerk sein neues Produkt schon Wochen vor dem Verkaufsstart beworben, wäre das gut 1100 Euro teure Auslaufmodell wie Blei in den Regalen liegen geblieben. Bereits hergestellte Ware wäre nicht mehr an den Mann oder an die Frau zu bekommen gewesen. Selbst die Vertriebsmannschaft soll erst am Start-Tag der neuen Thermomix-Generation informiert worden sein.

Nun hat die 9. Zivilkammer des Wuppertaler Landgerichts das alte Urteil der Kollegen vom Wuppertaler Amtsgericht bestätigt. Der Vorsitzende Richter Stefan Istel betonte in seiner Urteilsbegründung, der Hausgerätehersteller habe ein berechtigtes Interesse gehabt, die aktuelle Produktion noch abzusetzen, ohne Hinweise auf den künftigen Produktwechsel zu geben. Selbst wenn das neue Gerät schon in den Startlöchern gestanden habe, gebe es keine Pflicht, die Vorgängermodelle als Auslaufmodell zu bezeichnen.

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Der Thermomix kann Lebensmittel zerkleinern, mixen, erwärmen und kochen. Weltweit soll das Gerät bislang mehr als drei Millionen Mal verkauft worden sein. Der Boom ebbt seit 2017 ab. Vor Wochen gab das Unternehmen bekannt, die Thermomix-Fertigung am Stammsitz in Wuppertal einzustellen. Die Küchenmaschine soll in Zukunft nur noch in Frankreich und China produziert werden.

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