Touristen fehlen - deutlicher Besucherrückgang in Thüringer Museen

Auch für die Thüringer Museen war die coronabedingte Schließung ein Schlag ins Kontor. Anfang Mai öffneten die ersten wieder, Himmelfahrt kamen weitere hinzu. Die Einrichtungen freuen sich über jeden einzelnen Besucher und haben sogar Ausstellungen verlängert.

Museen in Thüringen verzeichnen nach Corona ernüchternde Besucherzahlen. (Symbolbild)

Museen in Thüringen verzeichnen nach Corona ernüchternde Besucherzahlen. (Symbolbild)

Foto: Michael Reichel / dpa

Freude über neues Leben im Museum und Ernüchterung wegen der Besucherzahlen - die Thüringer Museumsbetreiber erleben nach der Wiederöffnung nach Corona-Zwangspause ein Wechselbad der Gefühle. Im Vergleich zum Vorjahr müssen die meisten derzeit einen Besucherrückgang von 50 bis 80 Prozent hinnehmen. Während die Klassikstiftung Weimar sich über mehr als 4000 Gäste seit der Wiedereröffnung am 4. Mai freut, vermisst man in Nordhäuser Museen 90 Prozent der Gäste. "Die fehlenden Touristen sind der Hauptgrund", sagte Thomas T. Müller, Präsident des Museumsverbandes Thüringen, der Deutschen Presse-Agentur. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Hinzu komme, dass viele klassische Museumsbesucher altersbedingt zur Covid-19-Risikogruppe gehörten und deshalb nicht kämen. Auch der Wegfall von Gruppenbesuchen durch Schulklassen oder Touristen-Reisebussen mache sich bemerkbar. Hinzu kommt, dass in vielen Häusern alle größeren Veranstaltungen bis zum Ende des Sommers abgesagt werden mussten. Kindergeburtstage, Ferienprogramme und Führungen dürfen nicht stattfinden.

In Thüringen öffnen die Museen seit Anfang Mai schrittweise wieder. Teilweise haben sie nach Verbandsangaben aber bislang nur eingeschränkte Öffnungszeiten. Das Lutherhaus Eisenach hat seit 8. Mai wieder geöffnet - wegen bestehender Kurzarbeit allerdings momentan nur jeweils von Freitag bis Sonntag. "Die Besucherreaktion auf die Wiedereröffnung war positiv, aber im Moment ist die Nachfrage noch sehr zurückhaltend", sagt Leiter Jochen Birkenmeier. Die Erwartung habe sich nicht erfüllt, dass der Kulturhunger die Leute wieder ins Museen strömen lässt. In Eisenach fehlen auch die überregionalen und internationalen Gäste, die etwa 70 Prozent ausmachen. Spürbar sei auch, dass Führungen, Veranstaltungen, Busreisegruppen, Schüler- und Konfirmandengruppen zurzeit fehlen.

"Die Erfurter haben wieder Lust auf Kultur, aber kommen nicht in Massen, sondern einzeln", sagte Kulturdirektorin Marlis Imhof. Im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie fehlten vor allem die Touristen und die gebuchten Führungen. "Nach drei Wochen haben wir nur wenige Besucher", sagte Susanne Hinsching, Leiterin der Städtischen Museen in Nordhausen. Die Öffnungszeiten seien eingeschränkt, dafür aber alle laufenden Sonderausstellungen verlängert worden.

Im Naturhistorischen Museum in Schleusingen (Kreis Hildburghausen) hingegen liegen die Besucherzahlen über den Erwartungen, obwohl Tagesausflügler, Kurgäste und Urlauber fehlten, sagte Mitarbeiterin Rita Trapp. Noch recht übersichtlich ist die Besucherzahl auf Burg Posterstein. Auch hier ist eine Sonderschau verlängert worden. "Landschaft nach der Wismut" kann noch bis Mitte Juli angeschaut werden.

Die Besucherzahlen der Mühlhäuser Museen mit der Historischen Wehranlage und der Kirche St. Marien liegen bislang zwischen 30 und 50 Prozent der Vergleichswerte im Vorjahr, sagt Museumschef Thomas Müller. Im Kunstforum Gotha werden dort maximal zehn Besucher pro Tag gezählt, sagt der Geschäftsführer des städtischen Kulturbetrieb, Christoph Gösel. "Da fehlen einfach die Touristen." In den Dornburger Schlössern bei Jena ist an Tagen mit schönem Wetter ein erfreuliches Besucherinteresse zu verzeichnen, sagt Sprecher Franz Nagel. Auch hier macht sich allerdings der Wegfall von Gruppenreisen bemerkbar.

Die Freude sei groß, endlich wieder ein Museum besuchen zu können, heißt es aus der Klassik Stiftung Weimar. "Die Besucher verhalten sich angesichts der Hygieneregeln sehr verantwortungsbewusst", sagte Sprecherin Katharina Decker.