Umfrage unter Existenzgründern der Region Gera: Wagnis Selbstständigkeit

Gera und Umgebung.  Wie Existenzgründer aus Gera und Umgebung die Corona-Zeit erleben.

Der Münchenbernsdorfer Robert Schumann hat  den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Trotz coronabedingter Schwierigkeiten geht er mit seiner Elektrobau-Firma optimistisch in die Zukunft.

Der Münchenbernsdorfer Robert Schumann hat den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Trotz coronabedingter Schwierigkeiten geht er mit seiner Elektrobau-Firma optimistisch in die Zukunft.

Foto: Peter Michaelis

Die komplette Elektroinstallation der sechs Wohneinheiten in der Bielitzstraße 1 in Gera erledigt Robert Schumann. „Bis Ende August werden die Arbeiten für die Wohnungsbaugesellschaft Aufbau dauern“, sagt der Unternehmer. Mitten in der Corona-Krise am 1. April gründete der 32-Jährige seine Firma Elektrobau Schumann mit Sitz in Münchenbernsdorf.

Nur wenige Steine lagen im Weg. „Weil die Kfz-Zulassungsstelle in Weida während der Zeit zu war, half mir das Autohaus, in dem ich meinen gebrauchten Transporter gekauft habe“, nennt er ein Beispiel. „Unterstützung erfuhr ich ebenso von der Handwerkskammer. Durch die gute Beratung erhielt ich Fördermittel. Damit konnte ich einen Teil meiner Grundausstattung bezahlen, den Rest hatte ich angespart.“

Mulmig wurde es dem jungen Unternehmer, als seine Partnerin, eine Friseurin, nicht mehr arbeiten durfte. „Meine größte Angst war, dass ich meine Firma sofort wieder zumachen muss, bevor es richtig losging.“ Eine Befürchtung, die sich nicht bestätigte.

Akribisch bereitet nämlich der Münchenbernsdorfer seine Selbstständigkeit vor. „Ich habe unter anderem Wohnungsbaugesellschaften in Gera, Jena und Eisenberg angeschrieben.“ Und prompt kamen für die neue Firma Aufträge, auch private gingen ein.

Robert Schumann wollte unbedingt sich eine Existenz aufbauen, um mehr in der Region arbeiten zu können und Zeit für die Familie zu haben. Die sechsjährige Tochter, die die erste Klasse besucht, muss nun weiter seine Partnerin betreuen.

Zuversichtlich zeigt sich Felix Lorenz. Seit Mitte Oktober vergangenen Jahres führt er ein Geschäft unter dem Namen Flair & Design Raumausstattung in Weida. „Ich weiß, für was ich arbeiten gehe“, begründet er seine Entscheidung. Seine Leidenschaft, zeitgemäße Raumkonzepte zu planen und nach Wunsch und Maß zu realisieren, kann er so ausleben. „Nur ein paar Kunden haben aufgrund von Corona ihre Aufträge abgesagt, andere nach hinten verlegt“, sagt der 31-Jährige. „Mit der Soforthilfe konnte ich Miete und andere Kosten begleichen. Natürlich muss man sich vorher etwas beiseitelegen, wenn man den Sprung in kalte Wasser wagt.“ Er sei kein Typ, der ständig am Zweifeln ist. Da bräuchte man sich nicht, selbstständig zu machen. „Ich bin zuversichtlich und lasse mir immer was einfallen.“ Außerdem zahle sich gute Arbeit aus.

Das bestätigt Denise Röder. Ende Februar öffnete die 30-Jährige voller Freude ihr Friseurgeschäft Meisterschnitt by Denise Röder in Weida. Den Laden ihrer ehemaligen Chefin wollte sie nicht übernehmen. „Er war zu klein, entsprach nicht mehr meinen Vorstellungen von einem modernen Geschäft.“ Unweit fand Denise Röder das Passende und investierte einen fünfstelligen Betrag in den Umbau, finanziert mit einem Kredit. Wenig später musste die Mutter eines fünfjährigen Sohnes schließen. Bange Wochen um die Existenz folgten. „Soforthilfe wurde abgelehnt, weil ich mich nach dem 15. 2. gegründet habe“, berichtet Denise Röder.

„Bis Ende Mai hätte ich nicht durchgehalten und Insolvenz beantragen müssen.“ Nun steht das nächste Problem an. Ab 2. Juni gibt es keine Notbetreuung im Kindergarten mehr. „Nur zwei oder drei Tage kann mein Sohn dort sein. Mein Mann muss arbeiten.“ Denise Röder sucht eine Tagesmutter. „Lichtblicke sind treue Kunden und eine tolle Mitarbeiterin.“ Auf die Frage, ob sie sich wieder selbstständig machen würde, antwortet sie mit einem Jein.