Ermittlungen

Angriff auf Asylbewerber – Beteiligte Wachleute entlassen

Magdeburg  In Halberstadt haben Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma Flüchtlinge misshandelt. Die beteiligten Wachleute wurden jetzt entlassen.

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Nach einem Angriff von Wachleuten auf Flüchtlinge in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) sind nach Angaben der zuständigen Sicherheitsfirma „alle beteiligten Kollegen“ entlassen worden. Das geht aus einer Antwort des Unternehmens an das Portal t-online.de hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

In der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (Zast) hatten im April mehrere Wachleute einer privaten Sicherheitsfirma zwei sich streitende Flüchtlinge geschubst, getreten und geschlagen, wie auf zwei Videos auf YouTube zu sehen ist. Einer der Männer wird danach weiter drangsaliert. Die Sequenzen sind mit dem Datum des 14. April versehen.

Dem Innenministerium von Sachsen-Anhalt war der Vorfall nach eigenen Angaben erst Anfang August durch einen Hinweis auf die Videos bekannt geworden. Daraufhin wurde eine sechsköpfige Ermittlungsgruppe eingesetzt. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Beihilfe durch Unterlassen.

Flüchtlinge attackiert: Wachleute vom Dienst suspendiert

Auf den Videos ist zunächst eine Rangelei zwischen zwei Männern, augenscheinlich Flüchtlinge, zu sehen. Diese beiden werden dann von Wachleuten attackiert.

Zwei Wachleute schauen zu. Wer die beiden Asylbewerber sind, war laut Innenministerium zunächst noch Gegenstand der Ermittlungen.

Das Sicherheitsunternehmen, das seit Ende 2017 das Gelände in Halberstadt betreut, hatte die vier involvierten Wachleute vom Dienst suspendiert und freigestellt – und dann entlassen.. „Bei allem Verständnis für die schwere Arbeit unserer Kollegen: Es gibt rote Linien, die nicht überschritten werden dürfen“, schreibt die Firma.

Wachleute sind zuvor nicht durch Straftaten aufgefallen

Die Tatverdächtigen waren dem Ministerium zufolge von Polizei und Verfassungsschutz vor ihrem Dienstantritt bei dem Sicherheitsunternehmen überprüft worden. Es lag nichts gegen sie vor, wie es hieß. Sie seien vorher nicht durch Straftaten oder eine rechtsextreme Gesinnung aufgefallen.

Ob es sich bei dem Vorfall in Halberstadt um einen Einzelfall handelt oder ob es ähnliche Vorfälle gegeben habe, sei nun ebenfalls Gegenstand einer umfangreichen Überprüfung, kündigte das Ministerium an. Wer die Videos, offenbar aus einem Wohnblock auf dem Gelände der Einrichtung, gemacht hat, ist bislang nicht bekannt.

In Halberstadt sind den Angaben zufolge derzeit knapp unter 1000 Asylbewerber untergebracht.

In der Vergangenheit gab es schon mehrfach Zwischenfälle mit Wachleuten in Flüchtlingsunterkünften. Wegen der Misshandlung von Flüchtlingen in einer Unterkunft in Burbach (Nordrhein-Westfalen) standen 38 Personen vor Gericht. (mbr/epd)

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