Kolumne „Single Mom“

Warum wir Väter gerade zur Adventszeit ermutigen sollten

Berlin.  Papas sind bei Lehrern, anderen Eltern und Bekannten extrem beliebt. Zeit für Mütter, sich zurückzulehnen und den modernen Mann machen zu lassen.

Zum Weihnachtsfest trägt Vati gerne die rote Krawatte. Und Mutti ist hocherfreut, Hilfe beim Geschenkeauspacken zu bekommen.

Zum Weihnachtsfest trägt Vati gerne die rote Krawatte. Und Mutti ist hocherfreut, Hilfe beim Geschenkeauspacken zu bekommen.

Foto: Les Anderson/Getty

Es kommt großzügig geschätzt einmal im Jahr vor, dass der Papa meiner Kinder unseren Nachwuchs in die Schule bringt. Das ist gar nicht anklagend gemeint, so ist nun mal unsere Aufteilung. Er verbringt viele Wochenenden und Urlaube mit ihnen. Bei mir als ihre Mutter haben sie Alltag, Zuhause, Schule. Nun begab es sich aber, dass vergangene Woche zum Geburtstag meines Sohnes der Papa morgens die Kinder alleine zur Schule brachte.

Väter: Cupcakes mit Aufstecker aus Pappmaché – das kann nur Papa

Ausgerüstet mit 30 selbst gemachten Cupcakes (Glitzer und Ritter-Aufstecker aus Pappmaché) muss er dort einen wahnsinnigen guten Eindruck im Klassenzimmer hinterlassen haben. Besonders angetan waren dabei offensichtlich die Lehrerinnen der beiden. Als ich ihn jedenfalls später anrief, um zu fragen, ob alles gut geklappt hat (Angewohnheit von Müttern), bejahte er und sagte dann, dass beide Klassen-Lehrerinnen ihn gemahnt hätten, dass öfters mal die Unterschrift im Berichtsheft und im Verbindungsordner der Kinder fehle.

Ich solle bitte JEDEN TAG reingucken, das sollte ich beim abendlichen Schulranzen-Packen bitte immer mitbedenken. Etwas perplex legte ich auf. Es war vermutlich einer dieser Tiefschläge, wie ich sie gelegentlich in meinem Leben als Mutter erleide, Situationen, die eigentlich ohne Worte sind.

Mütter sollten Väter ermutigen, sich mehr zu engagieren, nicht alles selbst machen

Ich stehe JEDEN TAG seit zwei Jahren vor diesen Lehrerinnen, habe schon das Gefühl, ich nerve, versuche patent, engagiert und tatenfreudig rüberzukommen. Sicher, das bin ich alles nicht, aber ich finde, ich schauspielere es glaubhaft. Und dennoch: Wenn der Vater die Klassentür betritt, scheint es etwas Souveränes zu haben, etwas, wovon sich Pädagogen ermutigt fühlen, endlich mal offen zu sprechen. Ich jedenfalls fühlte mich diskreditiert.

Ich musste an einen Artikel in der New York Times denken, den ich neulich gelesen hatte. Darin geht es um Frauen, Männer und dem ständigen Ehrgeiz von Frauen, sich mehr zu engagieren. Die Autorin fragt in diesem Text zurecht: Warum erzählen wir Frauen immer, sie sollen sich mehr reinhängen? Warum sagen wir Männern nicht, sie sollen sich etwas zurücknehmen, mal zu Ende reden lassen, besser zuhören? Und tatsächlich: SO hatte ich das noch nie gesehen. Meine Wut auf die Ungleichbehandlung von Müttern und Vätern war auf einmal verklungen.

Starke Männerhände, die butterweichem Mürbeteig kneten

Sofort dachte ich: Na, wenn Väter die besseren Mütter sind, besser ankommen und ihre positive Wirkung mit einem Tablett Cupcakes in der Hand noch verstärken, dann lasst sie ran da und legen wir uns doch als Mütter einfach wieder hin (gerade vor acht Uhr morgens).

Zur Weihnachtszeit träume ich seitdem von großen starken Männerhänden, die kleine Beutel für den selbst gemachten Adventskalender befüllen, die Zimtsterne auf butterweichem Mürbeteig ausdrücken und verschwitzt an Kaufhauskassen anstehen und Geschenke shoppen. Von sanften tiefen Papa-Stimmen, die das Jahreselterngespräch in der Schule führen und mit sicherer Hand die Heiligabendfahrt zur erweiterten Familie buchen und durchorganisieren.

Und wenn dann alle durchnässt vom Schlittschuhfahren nach Hause kommen und glockenhelle Kinderstimmen ins Telefon rufen: „Papa, ist der Beste“, werde ich selbstzufrieden meinen Glühwein beiseitestellen, lächeln und sagen: „Ja, das ist er! Und ich bin sicher, er schiebt jetzt gleich noch ein paar von seinen besonderen karamellisierten Bratäpfeln für euch in den Ofen.“

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