Raumfahrt

Weltraumschrott: So will Großbritannien im All aufräumen

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Videografik: Gefahr durch Weltraumschrott

Videografik: Gefahr durch Weltraumschrott

Die Europäische Raumfahrtagentur ESA hat in Darmstadt ein neues Zentrum für Weltraumsicherheit eingeweiht. Es soll dabei helfen, Gefahren aus dem All, etwa durch Weltraumschrott, frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren. Eine Videografik erläutert die Gefahren durch Weltraumschrott.

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Berlin.  Unmengen an Weltraumschrott umkreisen die Erde und könnten zur Gefahr werden. Großbritannien will das nun ändern und im All aufräumen.

Rund 5500 Satelliten umkreisen die Erde derzeit – Tendenz steigend. Sie sorgen dafür, dass Navigationsgeräte funktionieren, wir TV-Events live verfolgen können und Internet an die entlegensten Orte der Welt gebracht wird. Doch was passiert, wenn ein Satellit ausgedient hat? Darüber hat sich die Raumfahrtindustrie bisher kaum Gedanken gemacht und so für Unmengen an Weltraumschrott gesorgt.

Denn ausgemusterte oder beschädigte Satelliten und auch andere Objekte – etwa Werkzeug, das Astronauten bei Weltraumspaziergängen verloren haben – blieben schlicht im All zurück. Schätzungen zufolge umkreisen derzeit 130 Millionen solcher Objekte die Erde. Bei einigen von ihnen handelt es sich nur um kleine Partikel, bei anderen um deutlich größere Objekte. Auch interessant:

Weltraumschrott ist gefährlich – allerdings nicht für die Erde

Eine Gefahr für die Menschen auf der Erde geht von ihnen in der Regel nicht aus. Denn meist verglüht der Weltraumschrott, bevor er die Erdoberfläche erreicht. Doch gänzlich ausschließen lässt sich eine Gefährdung nicht, wie sich kürzlich in Spanien zeigte. Dort musste der Luftraum zeitweise gesperrt werden, weil Teile einer chinesischen Rakete vom Himmel stürzten. Lesen Sie auch: Weltraumschrott von Elon Musk kracht auf australische Farm

Deutlich brenzliger ist die Situation dagegen in der Umlaufbahn, in der Satelliten um die Erde kreisen. Denn dort verglühen die Teile nicht – und werden zu gefährlichen Geschossen die unglaubliche 28.000 Kilometer pro Stunde zurücklegen können.

Regelmäßig müssen etwa Satelliten ausweichen, um Kollisionen zu vermeiden. Sollte es zu einem Zusammenstoß mit einem von ihnen oder gar der ISS kommen, könnten es auf der Erde zu Problemen etwa bei GPS-Verbindungen oder in der Telekommunikation kommen. Zudem würde ein Millionen- oder gar Milliardenschaden entstehen.

Weltraumschrott: So will Großbritannien das Weltall aufräumen

Das soll verhindert werden – zumindest, wenn es nach der Britischen Raumfahrtbehörde geht. Sie will das Weltall aufräumen und sucht derzeit nach der geeigneten Technik. Zwei Firmen kämpfen um den Zuschlag, bereits 2026 eine Aufräum-Mission in den Orbit schießen zu dürfen.

Der Prototyp, der schließlich ausgewählt wird, soll zwei ausgediente, britische Satelliten in der Umlaufbahn um die Erde "einfangen" und dann auf den Weg in Richtung Erdatmosphäre schicken. In dieser solle der Weltraumschrott dann verglühen, berichtet "Sky News". Lesen Sie dazu: Was genau sind Sternschnuppen – und woher kommen sie?

"Wir befinden uns in einer Situation, in der der Weltraum ziemlich überfüllt ist und all diese verschiedenen toten Objekte herumschwirren, sich gegenseitig in die Quere kommen, manchmal miteinander kollidieren und manchmal wirklich dem im Wege stehen, was wir im Weltraum tun wollen", sagte Rory Holmes von ClearSpace, einer der konkurrierenden Firmen, dem TV-Sender.

Bisher keine Lösung im Kampf gegen den Weltraumschrott

In den vergangenen sechs Jahrzehnten habe die Menschheit Satelliten in den Weltraum geschossen, ohne wirklich darüber nachzudenken, was am Ende ihrer Lebensdauer passiere. Nun müsse man einen Weg finden, die Objekte "einzufangen", ohne dabei zu riskieren, dass sie umgelenkt werden und unkontrolliert in eine andere Richtung davonfliegen. Dadurch könnten Kollisionen begünstigt werden.

Eines der Probleme liegt bei der Mission darin, dass die Aufräum-Roboter selbstständig arbeiten müssen. Aufgrund der Entfernung zur Erde, würden Funksignale zu lange brauchen, um die Geräte zu erreichen. Diese könnten dann nicht schnell genug auf unerwartete Entwicklungen reagieren. Eine Fernsteuerung ist daher nicht möglich. "Die dafür notwendige Robotik ist sehr komplex", zitiert "Sky News" Jason Forshaw von Astroscale – der zweiten Firma, die sich noch im Rennen befindet.

Weltraumschrott-Mission: Großbritannien hofft auf wirtschaftlichen Erfolg

Bisher hat die Britische Raumfahrtbehörde den beiden Konzernen rund vier Millionen Pfund (etwa 4,6 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt. Doch das könnte sich für das Land in Zukunft auszahlen. Denn wenn man es als erste Nation schaffe, Weltraumschrott aus dem All zu entfernen, würde das dem Vereinigten Königreich eine gute Ausgangsposition für zukünftige Geschäfte verschaffen, sagte Adam Camilletti von der Raumfahrtbehörde gegenüber "Sky News". "Dann werden wir die erste Adresse für entsprechende Aufträge sein." (nfz)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.