Friseurmeisterin aus Hirschberg: „Wir reparieren jetzt missratene Shutdown-Frisuren“

Hirschberg.  Wie sich die Arbeit seit Wiedereröffnung ihres Friseursalons änderte und warum Kunden mehr zahlen müssen, erklärt Claudia Neupert aus Hirschberg.

Saloninhaberin Claudia Neupert von „Instyle by Claudia“ in Hirschberg mit ihren Mitarbeiterinnen Ramona Straßberger und Nicole Neupert (von links)

Saloninhaberin Claudia Neupert von „Instyle by Claudia“ in Hirschberg mit ihren Mitarbeiterinnen Ramona Straßberger und Nicole Neupert (von links)

Foto: Selfie/Claudia Neupert

Wie missraten die Frisur mancher Kunden geworden ist, die während der coronabedingten Friseursalonschließungen selber zu Schere und Tönung gegriffen haben, sich der Arbeitsalltag seit der Wiedereröffnung verändert hat und warum nun die Preise gestiegen sind, erzählt stellvertretend Friseurmeisterin Claudia Neupert im Interview. In ihrem Hirschberger Salon „Instyle by Claudia“ ist sie die Chefin von drei Mitarbeiterinnen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Frau Neupert, haben Verzweifelte während der behördlich verfügten Friseursalonschließungen von Mitte März bis Anfang Mai Schaden auf ihren Köpfen angerichtet, als sie sich ihre Haare selber geschnitten und vielleicht auch noch gefärbt haben?

Ja. Ganz häufig haben Männer den einfachen Maschinenhaarschnitt angewandt: Hauptsache runter damit, egal wie es aussieht. Bei Frauen misslang ganz häufig das Experiment Pony- und auch Spitzen über Kopf schneiden.

Aber die Schäden auf dem Kopf konnten Sie und Ihre Mitarbeiterinnen im Nachhinein noch retten?

Bis jetzt ja. Wir konnten alles reparieren.

In Ihrem Beruf gehört der Körperkontakt dazu. Wie können Sie Ihre Arbeit neuerdings überhaupt ausüben?

Aufgrund unseres Hygienekonzeptes gibt es keine größeren Schwierigkeiten. Wir arbeiten ganz häufig mit Handschuhen, selbst beim Beratungsgespräch am Anfang. Bei uns im Salon werden Mund-Nase-Schutzmasken getragen. Der Kunde muss sich beim Betreten des Salons die Hände desinfizieren sowie schriftlich bestätigen, dass er keine coronatypischen Symptome hat. Der Arbeitsablauf ist für uns noch ungewohnt.

Wird Ihr Friseursalon nun weniger ausgelastet, weil Sie Mindestabstände einhalten müssen?

Wir haben sechs Bedienplätze im Salon, aber baulich nichts verändern können. Wir können bei vollem Personal nur drei Plätze nutzen, also musste ich Schichtbetrieb einführen, um der starken Kundennachfrage gerecht zu werden. Wir haben nun Öffnungszeiten von 8.30 Uhr bis 21 Uhr, arbeiten zeitversetzt, um alle Kunden bedienen zu können.

Das ist für meine Mitarbeiterinnen, die kleine Kinder haben, nicht einfach. Die Organisation und Terminvergabe ist schwieriger als zuvor. Auch können wir aus Hygieneschutzgründen nicht mehr zwei Kunden gleichzeitig bedienen, was früher üblich war. Aber wir sind froh, dass wir wieder arbeiten können.

Stichwort Maske: Ein Haarschnitt muss zum Gesicht passen. Ist es nicht schwer, den richtigen zu finden, wenn das halbe Gesicht verdeckt ist?

Ja, das ist so. Das Beratungsgespräch erfolgt nicht in direktem Kontakt, sondern nur durch den Blick in den Spiegel. Für das Beratungsgespräch bei der Frisurenanalyse ist es dem Kunden laut Berufsgenossenschaft gestattet, die Maske abzunehmen. Aber nur dafür. Diese Lockerung macht uns die Beratung einfacher, ansonsten wäre es nicht möglich, typgerecht arbeiten zu können.

Trotz aller Regeln können Sie in Ihrem Beruf nicht auf den Körperkontakt verzichten. Haben Sie Angst vor Ansteckung?

Ich persönlich nicht, da wir durch x-fache Hygienemaßnahmen geschützt sind. Auch sonst habe ich keine Angst.

Wie sind Sie wirtschaftlich mit dem Shutdown zurechtgekommen?

Meine Mitarbeiterinnen waren zu hundert Prozent in Kurzarbeit. Ich habe die 5000 Euro Soforthilfe beantragt und gehöre zu den Glücklichen, die bereits am 1. April die Überweisung auf dem Konto hatten.

Gibt es bei Ihnen Preiserhöhungen, weil Sie in Hygieneschutzmaßnahmen investieren müssen und Ihren Salon nicht mehr so auslasten können wie früher?

Ja. Nicht nur wegen des Hygienekonzeptes, sondern auch wegen der Reduzierung der Auslastung meines Salons und des Schichtbetriebes. Ich muss mein Unternehmen wirtschaftlich führen.

Die Männer zahlen im Durchschnitt 6,50 Euro mehr als vor dem Shutdown. Die Frauen zahlen zehn Euro mehr beim vollen Programm bestehend aus Waschen, Schneiden, Föhnen und Färben.

Haben die Kunden Verständnis dafür?

Ja, auf alle Fälle. Wenn man ihnen die Hintergründe erklärt, verstehen sie das sehr gut. Hier ist Kommunikation sehr wichtig.

Werden Sie die Erhöhungen wieder zurücknehmen, wenn das Coronavirus kein mehr Thema ist und Sie zum normalen Salonbetrieb zurückkehren?

Das kann ich im Moment nicht sagen. Darüber kann ich nur spekulieren, denn man weiß nie, was dann kommt.

In die Zeit der Wiedereröffnung fiel Ihr zehnjähriges Salonjubiläum. Hatten Sie im vergangenen Jahrzehnt jemals solche Existenzängste wie im März und April?

So starke Existenzängste wie in den Wochen des Shutdowns hatte ich noch nie. Ich habe mir große Sorgen gemacht, ob ich meine Mitarbeiterinnen alle behalten kann und wie ich finanziell über die Runden komme. Meine Ängste sind noch nicht ausgestanden.