Fernsehen

Zwischen Realität und Fantasiewelt – das Gamer-Drama „Play“

Berlin.  Im Jugenddrama „Play“ fühlt sich Jennifer in ihrem virtuellen Echtzeitspiel glücklich, frei, selbstbestimmt – und verliert die Balance.

Jennifer (Emma Bading) will das VR-Headset von Pierre (Jonas Hämmerle) ausprobieren.

Jennifer (Emma Bading) will das VR-Headset von Pierre (Jonas Hämmerle) ausprobieren.

Foto: Alexander Fischerkoesen / dpa

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„Was hat es Dir gegeben, das Spielen, wonach hast Du gesucht?“. Verzweifelt ringt Jennifer (Emma Bading) um Antworten auf die Fragen der klinischen Psychiaterin (Ulrike C. Tscharre). Die 17-Jährige schluckt, ihre Gedanken schweifen in eine andere Welt, die mit Worten nicht zu erklären ist.

„Ich wollte total verschwinden, einfach abtauchen, in was Schönes“, stammelt sie. Die unbestimmte Sehnsucht nach diesem Schönen hat die Schülerin auf einer Abwärtsspirale in die finsterste Hölle geführt – und Familie, Freunde mitgerissen. Jennifer ist süchtig. Sie ist „Gamer“.

Virtuelle Echtzeitspiele auf dem Vormarsch

Das von Philip Koch (auch Regie) und Hamid Baroua geschriebene Jugenddrama „Play“ beleuchtet ein bekanntes Thema unter einem noch nicht so vertrauten technischen Aspekt. 40 Millionen Menschen in Deutschland, also jeder Zweite, nutzen Computerspiele. 2018 setzte die Boom-Branche 4,4 Milliarden Euro um, Tendenz steigend.

Cosplayer und Hobbyspieler beleben die Gamescom

Längst, meldete jüngst der Verband „game“, hat das Smartphone die Konsole und den PC als beliebteste Plattform verdrängt. Eine neue Technologie ist auf dem Vormarsch: das „Virtual Reality Game“.

Mit dem Avatar in Fantasiewelten

Hochgerüstet mit Sensorik-Brille und -Handschuhen und unter Ganzkörper-Einsatz können Spieler ihren Avatar, ihren virtuellen Stellvertreter, in Fantasiewelten eintauchen lassen, können dort ein anderes Umfeld schaffen, Freundschaften schließen, Gemeinschaften pflegen, können sich allein oder im Online-Verbund auf das nächste Level vorankämpfen oder -flirten.

Doch so unstrittig Spiele die motorischen Fähigkeiten und die kognitive Entwicklung fördern können, so unbestreitbar sind auch die Schattenseiten. Nicht nur Glücksspiele können süchtig machen.

Jennifer fühlt sich unwohl und einsam

Jennifer, die vor kurzem mit ihren Eltern (Ariane Reitwein, Oliver Masucci) von Wuppertal nach München gezogen ist, fühlt sich unwohl und einsam; bei ihren neuen Mitschülern findet sie nicht so recht Anschluss. Zufällig wird sie auf das Virtual Reality Game „Avalonia“ aufmerksam. Sie erschafft sich als Waldelfin Sindruin neu und kämpft fortan mit einem Legolas-ähnlichen Recken gegen Orcs und Drachenreiter.

In Avalonia ist sie glücklich, frei, selbstbestimmt. Mehr und mehr wird das Echtzeitspiel zu ihrem Lebensinhalt. Jennifer vernachlässigt Schule und Familie, setzt sich für jede kostbare Spielsekunde über alle Ermahnungen, Beschränkungen, Verbote hinweg, scheut vor nichts zurück, bis sie völlig die Balance verliert und zwischen Realität und Fantasiewelt nicht mehr unterscheiden kann.

Manches zu klischeehaft

Wie realistisch die Geschichte umgesetzt ist, kann vielleicht nur ein echter Gamer beurteilen. Der mag manche Situation, manche Personenführung als zu klischeehaft kritisieren, wobei in jedem Klischee ja immer auch ein Kern Wirklichkeit steckt.

Den Zuschauer mit wenig bis keiner Gaming-Expertise werden solche Fragen aber kaum interessieren. Der folgt von der ersten Minute an dem geradezu beängstigend intensiven Spiel Emma Badings. Auch nach solchen Höchstleistungen kann man süchtig werden.

  • „Play“, Das Erste, Mittwoch, 11. September, 20.15 Uhr

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