Wie die Maske richtig verwendet wird

Erfurt.  Der Infektiologe Rainer Lundershausen aus Erfurt sagt, was beim Mund-Nasen-Schutz beachtet werden sollte.

Eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP2 (Symbolfoto).

Eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP2 (Symbolfoto).

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Die Kontaktsperre bleibt, für kleine Geschäfte gibt es erste Lockerungen. Dringend angeraten wird allerdings das Tragen von Masken – im Gespräch erklärt der Erfurter Infektiologe Rainer Lundershausen, was dabei zu beachten ist.

Herr Dr. Lundershausen, sind Sie für eine Maskenpflicht?

Selbst wenn jetzt und in den folgenden Wochen der Ausstieg aus den Beschränkungen beginnt, sind wir das Virus noch nicht los. Meine persönliche Position: Wenn die Menschen wieder rausgehen, und sei es aus wirtschaftlichen Gründen, um zu arbeiten oder um ihre Geschäfte weiterzuführen, sollte im öffentlichen Leben die Maske Pflicht sein. Das sage ich wohl wissend, dass es auch durchaus maßgebliche Leute gibt, die meinen, dies bringe nichts. Eine volle Straßenbahn oder einen vollen Bus würde ich ohne Maske jedenfalls noch eine ganze Weile nicht betreten. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Wie muss eine Maske beschaffen sein, um zu schützen?

Wir sollten immer vom Mund-Nasen-Schutz sprechen. Es ist wichtig, dass die Nase mit abgedeckt ist. Wir wissen aus einer Reihe von chinesischen Untersuchungen, dass die Viruskonzentration aus den Nasenabstrichen deutlich höher gewesen ist als aus den Rachenabstrichen. Deshalb muss die Nase zwangsläufig mit unter die Maske. Dass man immer wieder selbst Politiker sieht, die im Fernsehen die Maske unterhalb der Nase tragen, ist kontraproduktiv und damit letztlich völliger Blödsinn.

Es gibt Stimmen, die sagen, Masken seien nur bei Menschen sinnvoll, die bereits infiziert sind…

Zur Art des Schutzes gibt es zwei Positionen: Natürlich können alle die, die eine Mund-Nasen-Maske aufhaben, für den Fall, dass sie infiziert sein sollten, die Infektion nur schwer weitertragen. Das halte auch ich für wichtiger als etwa den Maskenschutz für jedermann. Sinn ergibt eine Maske aber auch für die, die nicht infiziert sind und sich vor einer Ansteckung schützen wollen. Natürlich bietet eine Maske auch dann einen gewissen Schutz vor der Aufnahme von Viren oder einer Tröpfchen-Infektion von außen, auch eine selbstgenähte, zumal wenn sie aus mehreren Lagen besteht. Allerdings ist dieser Schutz durch eine Stoffmaske nicht derselbe wie bei den professionellen Masken, sprich bei den FFP2- und FFP3-Masken.

Apropos selbstgenähte Masken – wie gut ist der Schutz?

Auch diese Masken erfüllen durchaus ihren Zweck. Wie gesagt, teilweise sind sie doppellagig, so dass man sogar einen Filter einziehen kann.

Empfohlen werden zum Beispiel Kaffeefilter – sinnvoll?

Warum nicht? Das kann man machen. Es gibt allerdings keinen richtigen Nachweis, dass es tatsächlich mehr bringt, aber verkehrt ist es sicher auch nicht. Wenn Sie mich fragen: Eine mehrlagige Stoffmaske schützt ebenso gut wie eine Maske, bei der man zwischen die Schichten noch eine Filtertüte einlegt.

Was ist bei der Reinigung und Wiederverwendung zu beachten?

Bei den FFP2- und FFP3 Masken sagen die Hersteller, dass das Material eine Reinigung oder Desinfektion eigentlich nicht verträgt. Von Vorschlägen, sie in der Mikrowelle oder im Backofen zu sterilisieren, halte ich nicht viel. Hinsichtlich konfektionierter, industriell hergestellter Mund-Nase-Masken stehe ich auf dem Standpunkt, dass sie nicht aufgearbeitet werden sollten. Die sind in der Regel aus Materialien, die weder eine Desinfektion noch eine thermische Behandlung vertragen.

Wie kann und sollte man selbstgenähte Stoffmasken reinigen?

Im Gegensatz zu Masken aus diversen Zellwolle-Materialien kann man Stoffmasken sicher in einer Mikrowelle behandeln. Dafür legt man sie über ein geeignetes Gefäß mit lauwarmem Wasser in die Mikrowelle. Dann schaltet man das Gerät bei 750 Watt für zwei Minuten an. Auch im Backofen kann man die Masken bei etwa 80 Grad so behandeln, dass sie für den längeren Gebrauch wieder virusfrei sind. Das Gleiche gilt für die Wäsche. Wir gehen ja davon aus, dass uns gründliches Händewaschen virusfrei macht. Demnach dürfte beim intensiven Waschprozess in der Maschine von der gleichen reinigenden Wirkung auszugehen sein. Allerdings braucht man dann mehrere Masken zum Wechseln, damit die gewaschenen Zeit zum Trocknen haben.

Was ist beim Tragen des Mund-Nasen-Schutzes zu beachten, wie wahrscheinlich ist es, dass die Maske nach dem Tragen mit Viren kontaminiert ist und wie sollte man sie dann anfassen?

Die sachgerechte Verwendung ist natürlich entscheidend und sinnvoll für den wirksamen Schutz. Man sollte die Maske immer möglichst nur am Gummi bzw. an den Bändern anfassen, die sich die Leute dazu geschneidert haben. Man muss davon ausgehen, dass sich an beiden Seiten der Maske Viren angesammelt haben können. So ist es zum Beispiel bei jemandem, der zwar noch nicht erkrankt, aber bereits infiziert ist, wichtig, dass er nicht innen auf die Maskenoberfläche fasst und so die Infektion weitergibt. Ebenso sollte derjenige, der sich schützen will, den Maskenkörper nicht von außen berühren, da sich dort möglicherweise ansteckende Tröpfchen angesammelt haben könnten. Deshalb gilt die unbedingte Regel: Maske immer nur am Band oder Gummi auf- oder abzusetzen.

Wie lange kann man eine Maske tragen?

Wenn immer nur eine Person eine Maske für sich verwendet und es sich dabei um einen Mund-Nasen-Schutz handelt, sollte sie oder er diesen nicht länger als einen Tag tragen. Das gilt vor allem für die industriell gefertigten Zellwolle-Masken, die würde ich nach einem Tag vernichten. Allerdings werden die meisten Menschen die Masken ohnehin von allein ablegen, weil sie über kurz oder lang durchfeuchtet und damit auch unhygienisch sind. Die selbstgefertigten sollte man jeden Tag, üblicherweise abends nach dem Tragen, dem beschriebenen Reinigungsprozess unterziehen, also entweder Waschen oder ab in die Backröhre oder Mikrowelle.

Was halten Sie von Handschuhen?

Nichts. Die Menschen sollen sich die Hände waschen und gegebenenfalls desinfizieren. Intensives Reinigen mit Wasser und Seife erfüllt seinen Zweck.

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