Im Zusammenhang mit dem Einbruch in eine ehemalige Fleischerei in Bad Lauterberg im Landkreis Göttingen und vor den Toren des Eichsfeldes sind die Ermittler der Polizei in dem Gebäude auf eine groß angelegte Cannabis-Plantage gestoßen. Noch in der Tatnacht hatten Beamte fünf Männer festgenommen, als sie vom Tatort flüchten wollten, berichtet die Göttinger Polizeisprecherin Jasmin Kaatz.

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Zwei weitere Mittäter konnten entkommen. Von ihnen fehlt jede Spur. Das zuständige Amtsgericht Herzberg erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft inzwischen U-Haftbefehle gegen die Festgenommenen wegen „Fluchtgefahr“. Die Männer im Alter zwischen 21 und 47 Jahren wurden in verschiedene Haftanstalten eingeliefert. Die Ermittlungen zu den Hintergründen des mutmaßlichen Einbruches sowie auch zu den Tatbeteiligungen der einzelnen Personen dauern an.

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Verdächtiger Transporter löste Polizeieinsatz aus

Ein vor dem Geschäft stehender Transporter hatte am Montag, 7. April, etwa gegen 2.15 Uhr den Polizeieinsatz ausgelöst. Einem Anwohner war das verdächtige Fahrzeug aufgefallen, das mit offener Tür und laufendem Motor vor der ehemaligen Fleischerei stand.

Der Zeuge informierte die Polizei. Die eingetroffenen Beamten stellten fest, dass eine Tür des Objektes aufgebrochen war und sich noch Personen im Innern aufhielten. Die Streife forderte sofort Unterstützung an. In der Folge wurde der Komplex mithilfe mehrerer Streifenwagen der Polizei aus Göttingen, Herzberg, Osterode, Duderstadt sowie auch aus Braunlage und Goslar umstellt, so Jasmin Kaatz.

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Bei dem derzeit leerstehenden Gebäude handelt es sich um einen dreigeschossigen Fachwerkbau mit einer Grundfläche von rund 300 Quadratmetern in der unmittelbaren Bad Lauterberger Innenstadt. Das Erdgeschoss wurde ehemals als Schlachterei und Fleischerei mit Verkaufsraum genutzt. Im ersten und zweiten Geschoss befanden sich Wohn- und Büroräume.

Das Innere des Gebäudes war fast komplett umgebaut

Für den professionellen Anbau und den langfristigen Betrieb der Indoor-Plantage bauten die „Betreiber“ nahezu das gesamte Innengebäude um, zogen Leichtbauwände ein und installierten eine eigene Wasser-, Strom- und Frischluftversorgung, so die Polizeisprecherin.

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Dabei sei der Stromzählerkasten des Gebäudes umgangen worden, sämtliche Fenster und Türen im gesamten Haus seien mittels Bauschaum und Aluminiumfolien vollständig gegen Licht- und Geruchsemissionen abgedichtet worden. Der Aufbau der Plantage lässt für die Ermittler den Schluss zu, dass hier auf längere Zeit der Hanfanbau geplant war. Es wird angenommen, so Jasmin Kaatz, dass die illegalen Tätigkeiten mindestens seit einem Jahr dort stattgefunden haben müssen.

In den unterschiedlich großen Räumen beschlagnahmte die Polizei in der vergangenen Woche insgesamt 480 Hanfpflanzen. Diese waren zum Teil bereits geerntet und in große Plastiksäcke verpackt, zum Teil befanden sie sich noch im Wachstum. Aufgrund der Gesamtzahl der vorgefundenen Pflanzbehältnisse von 720 Stück gilt als sicher, dass zuvor bereits eine weitere Ernte erfolgt sein muss. Über den Verbleib der Drogen, deren geplanter Vertrieb und Verkauf ist bislang nichts bekannt. Hierzu dauern die Ermittlungen an.

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Einsatzkräfte finden auch zwei scharfe Schusswaffen

Alle beschlagnahmten Pflanzen wurden am 7. April aus dem Haus abtransportiert und befinden sich seitdem in polizeilichem Gewahrsam. Der Abbau der durchaus als professionell zu bezeichnenden Anbaulogistik dauerte hingegen mehrere Tage. Hierbei unterstützte die Bundespolizei die Polizei Bad Lauterberg im Rahmen der Amtshilfe durch die Bereitstellung von zwei Lkw für den Abtransport und die vorübergehende Lagerung der umfangreichen Gerätschaften, darunter etliche große Abluftrohre, etwa 150 Beleuchtungskörper, Wassertanks, über 30 Aktivkohlefilter und weiteres Zubehör.

Beamte der Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen halfen ebenfalls bei der umfangreichen Asservierung und Erfassung der vielen unterschiedlichen Asservate sowie auch bei einer weitergehenden Durchsuchung des Gebäudes, so die Polizeisprecherin. Im Zuge dieser Maßnahme fanden Einsatzkräfte zwei scharfe Schusswaffen und beschlagnahmten auch sie.

Die gesamte ehemalige Fleischerei an der Lauterberger Hauptstraße/Ecke Ritterstraße ist seit Montag beschlagnahmt. Auch dauern die Ermittlungen rund um den in der Tatnacht von den Männern genutzten Transporter an.

Weitere polizeiliche Ermittlungen in diesem Fall richten sich gegen einen Mann aus dem Altkreis Osterode. Inwieweit der 56-Jährige vom Betrieb der illegalen Plantage gewusst hat oder an deren Betrieb in irgendeiner Form beteiligt gewesen ist, steht noch nicht fest, so Jasmin Kaatz.

Rund 20 Kilogramm Cannabis beschlagnahmt

Insgesamt beschlagnahmte die Polizei in dem umfunktionierten Haus rund 20 Kilogramm Cannabis mit einem geschätzten Schwarzmarktwert von derzeit rund 200.000 Euro. Die weiteren Ermittlungen dauern an.

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„Die Aufnahme des Tatortes sowie die im selben Atemzug einzuleitenden, zielgerichteten Ermittlungen zu den Tathintergründen stellte für die Polizei Bad Lauterberg, insbesondere aufgrund der Komplexität in der vergangenen Woche eine echte personelle Herausforderung dar. Insofern sind wir sehr dankbar für die unkomplizierte Unterstützung der Bundespolizei und der Zentralen Polizeidirektion. Dass es in unmittelbarer Nähe der belebten Fußgängerzone überhaupt möglich ist, solange unbemerkt ein derartiges ‚Drogenunternehmen‘ zu betreiben, hätten wir so nicht erwartet und uns auch nicht vorstellen können!“, so der Leiter des Polizeikommissariats Bad Lauterberg, Guido Schwarze.

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Erschreckt habe die Polizei vor allem auch der Fund der beiden scharfen Schusswaffen, was auf eine erhebliche kriminelle Energie der Täter schließen lasse. Schwarze zeigte sich erleichtert, dass bei dem Einsatz keine Schüsse fielen und alle Beamten unverletzt blieben.

red