Noch öffnen sich die gläsernen Schiebetüren nicht, es ist kurz vor 9 Uhr am Morgen des Nikolaustages. „Ich wollte eigentlich nur einen Übeweisungsträger abgeben“, sagt ein älterer Herr etwas ratlos. Er ist nicht der einzige, der darauf wartet, dass es endlich losgeht. Erstaunlich, denn seit Mai war die Sparkassenfiliale geschlossen. Dutzende Anwohner scheinen auf diesen Tag gewartet zu haben.

Weniger Schalterabfertigung, mehr Raum für Beratung

Rund 13.000 Kunden zählt die Sparkasse Mittelthüringen allein im Bereich dieser Filiale, die jetzt Beratungscenter heißt und nach dem Umbau kaum noch wiederzuerkennen ist. Hinter dem Automatenbereich eröffnet sich der lichte, zweistöckige Empfangsbereich mit plüschigen Sitzecken als Wartebereich, mit Büros und Beratungsräumen. Weniger Schalterabfertigung, weniger „Bahnhofsatmosphäre“, wie es bei der Ankündigung der Umbauten durchaus selbstkritisch hieß: Die Ansprüche der Bankkunden haben sich geändert. Vieles Alltägliches wird tatsächlich digital abgewickelt. Für vieles anderes wiederum ist der Bedarf nach einem persönlichen Gespräch groß.

Wiedereröffnung Sparkasse Magdeburger Allee Erfurt
Auch von außen hat sich das Gebäude in der Magdeburger Allee 159 verändert, das neben der Sparkasse auch ein Küchenstudio und einen Frisörsalon beherbergt.© Funke Medien Thüringen | Markus Stelle

Auftakt zu umfassender Filial-Modernisierung

Das sind die Äußerlichkeiten. Auch in Sachen Klimafreundlichkeit soll der Umbau Maßstäbe setzen. Einen Quantensprung erlebe man aus energetischer Sicht, wie Hans-Georg Dorst, Vorstandschef der Sparkasse Mittelthüringen, bei der Eröffnung verspricht. Insgesamt rund 3,6 Millionen Euro ließ sich das Unternehmen, das auf eine gut 200-jährige Geschichte in Erfurt zurückblickt, die Modernisierung kosten. Sie soll Auftakt sein zu einer umfassenden Frischekur für das gesamte Filialnetz in Erfurt und Umgebung.

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Zeit der Schließungen ist vorbei

Das will die Sparkasse Mittelthüringen nach viel Kritik in den letzten Jahren als Signal verstanden wissen: Die Zeit der Filialschließungen, in denen an vielen Orten der Kundenkontakt durch SB-Terminals ersetzt wurde, sei vorbei. Mit acht Filialen, in denen Mitarbeiter anzutreffen sind, und 22 SB-Standorten in und um Erfurt unterhält die Sparkasse ohnehin noch ein vergleichsweise dichtes Netz an Service-Punkten.

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Ein Viertel, das sich immer wieder neu erfindet

Dass die Modernierungswelle gerade hier, in der Magdeburger Allee, ihren Anfang nimmt, darf als weiteres Signal gewertet werden. Das Viertel im Norden zählt zu den lebendigen, nicht unbedingt zu den glamourösesten Erfurter Stadtgebieten, geprägt von Industrietradition, Arbeiterwohnungen und zuletzt verstärkt auch Migration. „Es ist ein Viertel, das sich immer wieder neu erfindet“, sagt Vorstandschef Dorst nicht ohne einen Funken Bewunderung. Das besondere Engagement der Anwohner für ihr Viertel lobt auch Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU), der sich vom Sparkassen-Umbau eine deutliche Aufwertung der Magdeburger Allee und ihrer Umgebung erhofft.

Monate der Umwege haben für Kunden ein Ende

Von der besonderen Treue der Kunden weiß wiederum Mike Nötzoldt zu berichten, der das Beratungscenter leitet. Monatelang empfing ein Teil seines 14-köpfigen Teams das Publikum in einer improvisierten Filiale in der Johannesstraße, die für viele nicht gerade auf dem täglichen Arbeits- oder Einkaufsweg liegt. Dieser Umweg hat nun ein Ende. Jeden Wochentag um 9 Uhr öffnen sich der neue Empfangsraum für Kunden, montags, dienstags und donnerstags auch am Nachmittag. Der SB-Bereich soll zwischen 5 und 23 Uhr zur Verfügung stehen.