Das Gedränge auf dem Anger? Das Warten auf eine gute Wohnung? Die Parkgebühren? Wir wollten in einem kleinen Stadt-Check wissen, was in Erfurt wirklich nervt. Über Facebook, Instagram und Whatsapp haben wir unsere Umfrage gestartet und recht eindeutige Ergebnisse bekommen. Der Hintergrund: Laut einer Auswertung des Nahrungsergänzungsmittelherstellers „Lebenskraftpur“ ist Erfurt im bundesweiten Vergleich auf Platz der gestresstesten Städte.

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Aber woher kommt die Anspannung? Geldsorgen, Arbeitslosigkeit und schlechte Straßen gibt es schließlich überall. Dennoch haben laut genannter Datenauswertung besonders viele Erfurter Suchbegriffe bei Google eingegeben, die mit dem Thema Stress und Stressbewältigung zu tun haben. Und das, obwohl Erfurt gemeinhin als lebenswerte Stadt gilt, die laut einer anderen Statistik – dem Glücksatlas 2025 – auf Platz sechs der glücklichsten Städte steht und seit Jahren traditionell Platz eins in Sachen „Schönster Weihnachtsmarkt“ belegt.

Baustellen sind Erfurts Stressfaktor Nummer eins

Gleisbau Erfurt
Die Gleisbauarbeiten in der Arnstädter Straße zählen in diesem Jahr zu den Großbaustellen in Erfurt. Viele Autofahrer sind froh, wenn hier wieder freie Fahrt ist. (Archivfoto)© Funke Medien Thüringen | Marco Schmidt

Die Erfurter waren in ihren Antworten recht klar und benennen in der Masse der Social-Media-Kommentare die Baustellen als den allergrößten Stressfaktor. Im gleichen Atemzug wird zumeist auch der schlechte Zustand der Straßen genannt, sowie die Parkplatzsituation bemängelt. „Schlechte buckelige Straßen für Pkw, unzählige Baustellen, wenig Radwege und teure Mieten“, ist einer von vielen Kommentaren, die zu diesem Thema hinterlassen werden und im Grunde schon die Zusammenfassung zu aufgerissenen oder verschlaglöcherten Straßen bilden.

Der Hinweis „Unfertige Baustellen überall und gleichzeitig“ gesellt sich in eine Reihe mit dem Ausspruch: „Überall Baustellen. Vor allem Grünflächen, die dafür zerstört werden müssen. Schlechte Fahrradwege. Die Anbindung der Öffis auf die umliegenden Dörfer gerade am Wochenende“. Der verkürzte Schluss hieße, dass sich vor allem die Auto- und Radfahrer in Erfurt gestresst fühlen.

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Ein Lkw-Fahrer und Facebook-Kommentator unserer Umfrage schaut vor allem aus beruflicher Sicht auf das Straßengeschehen der Landeshauptstadt: „Das, was mich am meisten nervt, sind die Baustellen, da man nicht weiß, wie man von Punkt A nach Punkt B kommt, und wenn man endlich was gefunden hat, ist wieder eine neue Baustelle dazugekommen. Ich unterstütze die Erneuerung der hiesigen Gas-, Wasser-, Internet- und Straßensanierung, doch nervig ist es trotzdem.“

Wohnungssuche und Mietpreise zerren am Nervenkostüm

Baustellenbegehung Wohnquartier Coloria
Im Wohnquartier am Peter-Vischer-Weg entstehen derzeit mehr als 150 Wohnungen. Was der genaue Quadratmeterpreis sein wird, ist noch unklar. © Funke Medien Thüringen | Marco Schmidt

Doch auch die bundesweit zum Problem werdenden Mietpreise schlagen den Bürgern in Erfurt aufs Gemüt: „Die teuren Mieten und die Wohnungssuche an sich“, sind hier ein oft genanntes Stressthema. „Die Mieten und die Hausverwaltungsfirmen. Hab nie so viel Stress mit unseriösen und unfreundlichen Hausverwaltungen gehabt wie in Erfurt“, sagt ein Erfurter und ist damit tatsächlich nicht allein. Konkrete Beispiele werden zwar nicht benannt, doch sind Wohnungsnot und vor allem der Mangel an bezahlbaren Wohnungen innerhalb eines angemessenen Mietpreisniveaus als nervenzehrende Herausforderungen in den Köpfen der Erfurter präsent.

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Auch der Anger und Sauberkeit beschäftigen die Erfurter

Das Ärgernisempfinden der Erfurter dreht sich demnach hauptsächlich um die elementaren und alltäglichen Fragen der Stadt. Niemand unter den Befragten erwähnte private, gar familiäre Gründe für Stress im eigenen Leben. Allgemein mit in der Liste der Wohlfühlgefährdung sind auch der Anger und „die scheinbar fehlende Hilfe für Menschen mit Alkohol- oder psychischen Problemen“, die Parkplatzsituation im Stadtkern, Unsauberkeit auf den Plätzen und zu wenig Stadtgrün. Einige wenige Stimmen sagen, die Erfurter an sich seien unfreundlicher geworden.

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Über Instagram wurden eher Radweg-Probleme angesprochen. Der WhatsApp-Kanal spiegelt die bereits erwähnten Stresssituationen nochmal in einem Ranking wider: die Baustellen liegen mit 265 Stimmen auf dem vordersten Platz. Daran schließen fehlende Parkplätze (132) an, hohe Mieten (104) und mangelnde Sauberkeit (101).

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Wenige Erfurter bleiben optimistisch

Doch es gibt auch andere Stimmen: „Erfurt ist genial und in meinen Augen die schönste Stadt in Deutschland. Es ist jedes Mal schön anzusehen, wie sich meine Besucher freuen, wenn wir durch Erfurt gehen“, sagt ein stolzer Blumenstädter. Vielleicht gibt es ja wirklich mehr Grund zum Optimismus, als es scheint. Schließlich gibt es viele Statistiken, die immer nur einen kleinen Teil der Wahrheit widerspiegeln. Und Baustellen werden ja irgendwann auch wieder fertig. Zumindest, bis die nächsten begonnen werden.