Das Schlachthof-Gelände dürfte jedem Erfurter ein Begriff sein. Schon wegen des Rufes, die größte Industrie-Ruine im Stadtgebiet zu sein. Seit der Betrieb nach der Wende eingestellt wurde, sind die meisten Gebäude sich selbst überlassen. Nur wenige wurden in den vergangenen Jahren noch als Lager genutzt.

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Momentan wird im großen Stil abgerissen – bald werden nur noch die Verwaltungsgebäude an die Zeiten erinnern, als der Schlachthof eine der modernsten Anlagen der Stadt war. Nur noch wenige Erfurter können sich inzwischen noch an den Vorgänger des Schlacht-Betriebes erinnern, an den alten Schlachthof in der heutigen Liebknechtstraße.

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Der erste Schlachthof befand sich in der Liebknechtstraße

Höchstes Gebäude des Schlachthofs war der Wasserturm, der im Dach mit einer Uhr ausgestattet war.
Höchstes Gebäude des Schlachthofs war der Wasserturm, der im Dach mit einer Uhr ausgestattet war.© Stadtarchiv Erfurt | Stadtarchiv Erfurt

1880 wurde der erste Schlachthof der Stadt dort eröffnet – das Verwaltungsgebäude und ein Teil der Mauer-Umfassung gehören heute noch zum Stadtbild. Mit der Entwicklung der Stadt erreichte der Standort allerdings schnell seine Grenzen. Denn von den Gewerbetreibenden wurde vom Standort immer mehr erwartet – neben der Schlachtung außerdem noch die Aufbereitung und Verarbeitung des Fleisches. Auch wurde das Schlachthaus als Marktplatz genutzt, ohne dass es dafür Platz auf dem Gelände gab.

Mehr als doppelt so viele Schweine mussten in Erfurt zur Schlachtbank

Die Verbindungshalle mit der die Schlachthäuser verbunden waren, war der Blickfang des Schlachthofes.
Die Verbindungshalle mit der die Schlachthäuser verbunden waren, war der Blickfang des Schlachthofes.© Stadtarchiv Erfurt | Stadtarchiv Erfurt

Bis ins Jahr 1900 wurde immer wieder angebaut und erweitert – 1906 waren die Grenzen erreicht. Erweiterungen waren nicht möglich, weshalb vom Magistrat beschlossen wurde, weit vor der Stadt auf der grünen Wiese ein neues Schlachthaus zu bauen. In der Nähe des Nordhäuser Bahnhofes wurde direkt an der Bahnlinie ein idealer Standort festgelegt – mit der Option, den Transport von Vieh und Fleisch auch über die Schiene abzuwickeln.

Am 13. September 1913 war es dann so weit, dass der neue Schlachthof eröffnet werden konnte, der Betrieb an den Stadtrand verlagert werden konnte. Denn die Produktion hatte sich am alten Standort nahezu verdoppelt. Waren es 1881 noch etwa 12.000 Schweine, die geschlachtet wurden, waren es im letzten Betriebsjahr 1912 mehr als 39.500.

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Historische Anlagen wurden kaum gepflegt

Das neue Schlachthaus wurde auf einer Fläche gebaut, die es erlaubte, dass der Platz für den Schlachtbetrieb bei Bedarf verdoppelt werden kann. Der Erfurter Magistrat bewilligte für den Bau die damals immense Summe von 331.200 Mark.

Für die Ratsherren war es eine Investition in die Zukunft. Die sich bis 1990 auszahlen sollte, bis zur Privatisierung der Fleischverarbeitung nach der Wende. Die Anlagen im Schlachthof waren zu diesem Zeitpunkt längst überaltert – die meisten Investoren lehnten dankend ab.

Viehtransport und Kühlung waren komplex

Der Fuhrpark des VEB Fleischkombinates  war im Jahr 1967 bereits mit mobiler Kühltechnik ausgestattet.
Der Fuhrpark des VEB Fleischkombinates war im Jahr 1967 bereits mit mobiler Kühltechnik ausgestattet.© Stadtarchiv Erfurt | Stadtarchiv Erfurt

Vom Anschlussgleis wurde das Schlachtvieh über Triebwege direkt ins Schlachthaus gebracht, danach rollten die Teilstücke über eine Hochgleisanlage in die Vorkühlräume (wo die Blutwärme abkühlte), später ins Kühlhaus, dem wichtigsten Gebäude auf dem Gelände.

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Die Ammoniak-Anlage entsprach dem damals neuesten Stand. Um Kälteverluste zu vermeiden, war das Kühlhaus in 178 einzelne Zellen unterteilt, die Außenwände waren mehr als einen Meter dick, die Fußböden wurden mit Kork isoliert. Die Oberlichter waren vierfach verglast, die Fenster in einer doppelten Reihe von Glasbausteinen ausgeführt. Der Keller des Kühlhauses wurde zum Pökeln genutzt – und für die Lagerung von Pferdefleisch.

Die Gleisanschlüsse dienten nicht nur für den Viehtransport. Über sie wurde auch Kohle für die Heizung transportiert – und die Abfuhr der Reste und der Dung. Der weithin sichtbare, 35 Meter hohe Wasserturm, grenzte direkt an das Kühlhaus, in dem u.a. auch Eis für die Lieferfahrzeuge hergestellt wurde – täglich 10.000 Kilogramm. Gespeist wurde der Behälter durch zwei eigens gebohrte Brunnen.

Die Öfen kamen vom Erfurter Unternehmen Topf & Söhne

Fortschrittlich war damals auch die Form der Energieversorgung. Es stand Elektroenergie und Gas zur Verfügung. Geheizt wurden alle Gebäude inklusive der Werkhallen durch eine zentrale Heizanlage per Fernwärme. Hersteller der Katapultfeuerung, einer selbstständigen Beschickungsanlage der Öfen, war das Erfurter Unternehmen Topf & Söhne.

Ein Querschnitt der Schweine-Schlachthalle zeigt, wie die Schweine auf Transportschienen von der Schlachtbank zur Verarbeitung transportiert wurden.
Ein Querschnitt der Schweine-Schlachthalle zeigt, wie die Schweine auf Transportschienen von der Schlachtbank zur Verarbeitung transportiert wurden.© Stadtarchiv Erfurt | Stadtarchiv Erfurt

Alles war so angeordnet, dass die Wege möglichst kurz blieben. Ein Schienensystem verband an der Decke die einzelnen Abteilungen. Mit Winden und weiteren mechanischen Hilfen wurde den Fleischern die Arbeit erleichtert. Damals schon wurde viel Wert auf Hygiene gelegt. Überall im Schlachthaus gab es Sanitärräume, die einzelnen Bereiche waren deutlich getrennt. Ständig wurde kontrolliert, die Meister nahmen ihre Verantwortung sehr ernst.

Die Technik im Erfurter Betrieb wurde immer moderner

Es wurde viel für die damalige Zeit vollkommen neue Technik verbaut, die u.a. für regelmäßige Lufterneuerung sorgte, für das Verhindern von Schwitzwasser und für das Absaugen schädlicher Gase. Erreicht wurde dies durch „ Zentrifugal Blackmann-Ventilatoren, die von einem neunpferdigen Elektromotor mittels Riemen angetrieben werden“, steht in der Beschreibung der Anlage zu lesen, die zur Eröffnung des Schlachthauses veröffentlicht wurde.

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Erfurte Schlachthof war auch Wohnort

In wenigen Tagen wird kaum noch etwas an den Schlachthof erinnern. Nur das Direktorenhaus, das Verwaltungsgebäude, das Gastwirtschafts- und Börsengebäude an der westlichen Seite werden weitergenutzt. Hier hatten einst die Meister und die Makler ihr Domizil – und es gab zwei Wohnungen im Obergeschoss – für den Wirt der Gaststätte und für den Maschinenmeister des Schlachthofes. Dazu gab es noch eine Freibank und eine Kantine für die Beschäftigten.

In der Freibank wurde nicht nur Fleisch verkauft, dort wurde es auch untersucht und vorgekocht. Außerdem war noch Platz für zwei Wohnungen – reserviert für die Hallenmeister.