Schon jetzt ist es in der Erfurter Innenstadt spürbar voller, dabei hat die Adventszeit noch gar nicht richtig begonnen. Die Jagd nach Weihnachtsgeschenken hat begonnen, nach Black-Friday-Schnäppchen. Die ersten dauerhaft frostigen Tage offenbaren Lücken im Kleiderschrank, die geschlossen werden müssen.

Wenn die Winterjacke zum Luxus wird

In der Thomasstraße ist das nicht anders. In dem kleinen 120-Quadratmeter-Geschäft steigt der Andrang. Spielzeug, warme Wintersachen sind gefragt. Der einzige Unterschied zum Shopping am Anger oder auf der Langen Brücke: Wer hierher kommt, hat eigentlich kein Geld übrig für „Luxus“ wie eine neue Winterjacke oder Spielzeug.

Die Armut in der Stadt nimmt zu, das beobachtet Maria Böwe, die hauptamtliche Mitarbeiterin des Awo-Bummi-Kaufhauses. Was hier angeboten wird, stammt aus Spenden und ist für eher symbolische Preise zu haben. Ein Euro für ein neues T-Shirt, vier Euro für eine Winterjacke. Auch, wer noch so wenig hat, will nicht von kostenlosen Almosen leben. Wer hier einkauft, muss einen Sozialausweis vorweisen oder sonst seine Bedürftigkeit belegen.

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Rentner, Alleinerziehende – die Armut wächst

Seit rund 18 Jahren betreibt die Arbeiterwohlfahrt das Sozialkaufhaus in der Thomasstraße. Dass die Arbeitslosigkeit in Erfurt seitdem deutlich gesunken ist, kann allenfalls darüber hinwegtäuschen, dass die Armut zugenommen hat. „Das sind nicht nur die Rentnerinnen, die kaum über die Runden kommen. Versuchen Sie mal, allein mit zwei, drei Kindern auch mit Arbeit genug zu verdienen, um ohne Bürgergeld auszukommen“, sagt Maria Böwe. Corona-Krise und Inflation haben in den vergangenen Monaten ihr Übriges getan.

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Sie und ihre Mitarbeiter kennen zahllose Geschichten. Denn das Bummi-Kaufhaus ist mehr als nur eine Einkaufsmöglichkeit. Es ist zugleich Treffpunkt und Anlaufstelle, Kummerkasten. Hier können Betroffene Rat erhalten. Die Awo ist groß und vereint viele soziale Angebote. „Da ist die Omi, die sich jahrelang davor scheut, endlich Wohngeld zu beantragen. Da sehe ich die Rente und die Miete und frage: Was essen Sie eigentlich?“, erinnert sich Böwe.

Spenden sind jederzeit willkommen

Ihr Team erfährt aber auch Unterstützung. „Die Spendenbereitschaft ist zum Glück nach wie vor hoch“, sagt Böwe. Gerade erst haben sie einen ganzen Transporter voller Kleidung und Spielzeug ausgeladen. Puzzle, Bücher, Schulranzen, Rollschuhe. Mehr als 30 Kisten haben Mitarbeiter der Landesentwicklungsgesellschaft gepackt. Die Adventsaktion hat dort bereits Tradition. „Die Leute fragen schon lange vorher, wann es wieder losgeht“, erzählt Simone Otto. Sie und ihr Abteilungsleiter vom LEG-Personalbereich sind an diesem Donnerstag, den 27. November, hier, um die Spenden zu übergeben.

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Alles, was hier abgegeben wird, wird von den Mitarbeitern des Bummi-Kaufhauses gesichtet und wenn nötig aufgearbeitet. Auch, wer wenig hat, soll sich an den Sachen erfreuen. Spenden, nicht nur jetzt in der Vorweihnachtszeit, sind jederzeit willkommen. Wochentags von 10 bis 15 Uhr ist das Bummi-Kaufhaus geöffnet.