Die Erfurter Stadtschreiberin Lena Schätte ist mit dem diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis geehrt worden. Die ehemalige Psychiatriekrankenschwester erhielt die Auszeichnung am Sonntag (28. Juni) für ihren Text „Was wir tragen“. Sie setzte sich bei den 50. Tagen der deutschsprachigen Literatur gegen 13 Mitbewerber durch.

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Im Dezember wurde Lena Schätte als Erfurter Stadtschreiberin für das Jahr 2026 ausgewählt. Unter insgesamt 59 Bewerbungen setzte sich die Schriftstellerin und Literaturvermittlerin mit ihrem vielfältigen literarischen Konzept und ihrem beeindruckenden Werdegang durch. Hier stellen wir sie vor.
Lena Schätte im Porträt
„Schreiben in den Zwischenräumen“, so nennt es Lena Schätte, wenn sie ihre Gedanken und Formulierungen für ihre Romane zu Papier bringt. Ob auf Notizzetteln, im Handy oder in der Straßenbahn, ihre Geschichten entstehen überall. Den klassischen festen Schreibtisch braucht die Schriftstellerin nicht. In Erfurt bekommt sie ihn aber im April trotzdem.
Psychiatriekrankenschwester schlägt den Weg der Literatur ein
Gegen etwa 58 andere Bewerber hat sich Lena Schätte im Rennen um den Stadtschreiber-Posten in Erfurt durchgesetzt. „Es war eine sehr bauchige Entscheidung, hierherzukommen“, sagt die 32-Jährige mit einem Lächeln. „Bisher kannte ich Erfurt nur, wenn ich auf dem Weg nach Leipzig am Bahnhof gestrandet bin“. Zuletzt in der sächsischen Stadt unterwegs, ist die ausgebildete Psychiatriekrankenschwester das Leben in wechselnden Städten gewohnt. Wie viele Autoren der Literaturszene hangelte sie sich bisher von Stipendium zu Stipendium.
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Orte wirken sich auf ihre Geschichten aus
„Mich ziehen Orte an, die sich noch nicht auserzählt anfühlen. Und dieses Gefühl habe ich hier“, sagt die gebürtige Sauerländerin. Erfurts Mischung aus Puppenstube, Altstadtgassen und Platte, ist für sie etwas Interessantes. Die Orte, an denen sie sich aufhält, beeinflussen ihr Schreiben. Auch ihre Zeit im Leipziger Literaturinstitut habe sie zu einer anderen Schriftstellerin gemacht, als sie zuvor war.
Schätte, die aktuell für den Fischer-Verlag schreibt, hat bereits 2014 ihre erstes Buch „Ruhrpottliebe“ veröffentlicht. Bekannter wurde sie im Frühjahr dieses Jahres mit ihrem Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“, in dem auch Szenen vorkommen, die sie in ähnlicher Form aus ihrer Arbeit in der Kinderpsychiatrie kennt.
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„Schreiben ist meine Art, das Leben auszuhalten“
„Ich habe das Schreiben sehr früh sehr lächerlich ernst gemeint“, sagt sie, wenn sie an ihre Anfänge zurückdenkt. Humorvolle Geschichten und Prosa waren ihre ersten Veröffentlichungen. Dem „ernsthafteren“ Schreiben hat sie sich erst in den 2020er Jahren gewidmet. „Irgendetwas köchelt immer im Hintergrund. Schreiben ist meine Art, das Leben auszuhalten“, beschreibt die zukünftige Stadtschreiberin ihren Gedankenalltag.
Schätte will mit den Erfurtern ins Gespräch kommen
In ihrer Zeit in Erfurt möchte Schätte viel in Cafés sitzen und mit Menschen in Kontakt kommen. „Ich lausche manchmal den Gesprächen am Nebentisch und notiere mir Dinge, die mich eigentlich nichts angehen“, sagt sie lachend. Der direkte Kontakt zu den Erfurtern scheint ihr wichtig zu sein. Ein Erbe, das zuletzt ihre Vorgängerin Isabella Straub sehr stark gelebt hat. Schätte will die Blumenstädter aber natürlich nicht nur beobachten, sondern auch etwas zurückgeben: „Ich bin ja auch Literaturvermittlerin. Ich kann mir Workshops vorstellen, in denen ich Leuten helfen kann, ihre Schreib-Projekte ein Stückchen weiter zu verwirklichen“.
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Kulturdirektor Christian Horn, der die 32-Jährige gemeinsam mit der Stadtschreiber-Jury auf einem ersten offiziellen Stadtspaziergang begleitet hat, ist gespannt auf ihr Wirken. „Nutzen Sie Erfurt, um in sich zu kehren“, wirbt er und spricht die Einladung aus, mit keiner Idee für die Stadt hinter dem Berg zu halten.
„Es sind die kleinen Geheimnisse, die ich aus der Stadt herauskitzeln möchte“, hat sich die neue Stadtschreiberin vorgenommen. April bis August 2026 wird sie aktiv auf die Suche gehen.








