In diesem Jahr ist in Erfurt wieder viel passiert. Das Jubiläum der Krämerbrücke hat die Blumenstädter bewegt, aber auch das stete Feilen am Unesco-Welterbe-Status. Hier zeigt sich, wie reich die illustre Stadtgeschichte Erfurts bis ins Heute wirkt, immer wieder Aufmerksamkeit erzeugt und für neue Bücher über Erfurt auf den Lesetischen sorgt.

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In diesem Jahr sind zahlreiche Abhandlungen auf den Buchmarkt gekommen, die sich durch Ereignisse vom Mittelalter bis in die jüngere Historie der Landeshauptstadt ziehen. Neben Geschichten um den Grafen Gotter und die großen Ideen von Denkern wie Meister Eckhardt, gibt es auch Bücher, in denen sich Erfurter Autoren der Kriegs- und Nachkriegszeit gewidmet haben. Darunter Bildbände und Veröffentlichungen für Kinder.
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Geschichtsbücher, Autobiographien und Romane aus und über Erfurt
Die Brücke in die Sparte der Romane schlägt Kaleb Erdmann, der sein Erleben des Gutenberg-Amoklaufs nicht als Sachbuch, sondern als Roman geschrieben hat. Ganz anders autobiografisch hat auch der Erfurter Vicki Vomit seine Erinnerungen publiziert – und nimmt die Leser mit in lokale Musikszenewelten der DDR.
Abseits des „echten Lebens“, der Wissenschaft und der Stadtgeschichte haben Erfurter in diesem Jahr ebenfalls Bücher gemacht. So zum Beispiel die Kurzzeit-Erfurterin Isabella Straub, deren Roman in ihrer Zeit als Stadtschreiberin entstand. Und auch Ingrid Annel ist dem fiktiven Genre treu geblieben.
Unsere Redaktion hat sich 16 der diesjährigen Erscheinungen zu Erfurt und von Erfurtern angeschaut:
Hinter den Kulissen von Schloss Molsdorf


Alice Frontzek: „Der Gesandte des Königs von Preußen“: Erfurts fehlender Adelsglanz findet sein Gegenstück im barocken Schloss Molsdorf, geschaffen von Gustav Adolf von Gotter. Alice Frontzek zeichnet in ihrem historischen Roman dessen Aufstieg vom Gothaer Bürgersohn zum preußischen Gesandten nach, seine Sehnsucht nach einem eigenen Gut, seine finanziellen Probleme und die Frage, ob er eine heimliche große Liebe fand.
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Hunde-Snack in Südthüringen und andere Musiker-Anekdoten


Vicki Vomit: „Mein Klampf“: Das autobiografische Buch erzählt schelmenhaft von Jürgen Hellmanns Weg vom Trusetaler Musiker zum Szeneoriginal: DDR-Bandanfänge, absurde Vorschriften, wilde Auftritte, Beschaffungsabenteuer und deftige Anekdoten. Mit Witz, Selbstironie und vielen Episoden aus der Musikszene zeichnet das als Vicki Vomit bekannte Original ein buntes Bild seiner frühen Karriere.
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Ein Buch für die Krämerbrücke


Rüdiger Paul Kirsten (Hrsg.): „Krämerbrücke. Geschichte und Geschichten“: Zwölf Autoren schenken zum Jubiläum der Krämerbrücke das Buch „Krämerbrücke – Geschichte und Geschichten“. Auf 120 Seiten beleuchtet es Geschichte, Wandel und Leben auf der Brücke – verständlich, ohne Wissenschaftsjargon. Beiträge von Fachleuten und einem Kabarettisten, ergänzt durch historische Bilder. Das Buch soll Lust auf einen Besuch machen; Erlöse fließen in soziale und kulturelle Projekte.
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Das Unsagbare in Worte fassen


Kaleb Erdmann: „Die Ausweichschule“: Der Schriftsteller, beim Amoklauf 2002 Fünftklässler am Gutenberg-Gymnasium, verarbeitet in „Die Ausweichschule“ seine Erinnerungen und Recherchen. Der Roman zeigt sein Ringen um Sprache, Fragen ohne Antworten, Traumata der Schüler und den Umzug in die Ausweichschule. Ein Buch über das Schreiben eines Buches und den Versuch, Unfassbares zu verstehen. Mit einem Platz auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025 ausgezeichnet.
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Stadtspaziergang durchs historische Erfurt


Lothar Semlin: „Unser Hirschbrühl“: Der im September verstorbene Fotograf und Historiker Lothar Semlin lädt in „Unser Hirschbrühl“ zu einem Spaziergang durch die historische Brühlervorstadt ein. Mit Fotos aus dem Stadtarchiv zeigt er verschwundene Gärten, Villen, Vergnügungsorte und Orte von Kultur und Sport. Seine Zeitreise reicht bis ins 12. Jahrhundert und verbindet Geschichte, Kindheitserinnerungen und kurze Abrisse für unterwegs.
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Zeitreise durch Erfurt mit alten Farbfotos


Frank Palmowski: „Erfurt. Erinnerungen in Bildern von 1945 bis 1989“: Der neue Bildband zeigt das Nachkriegs-Erfurt mit bisher unveröffentlichten, teils kolorierten Fotos. Der Fotograf dokumentiert seit Jahrzehnten Szenen in der Stadt, hielt Wiederaufbau, Neubauten, Kultur, Straßenbilder und den Wandel der Stadt fest. 170 Bilder erzählen Geschichte fast ohne Text, aber mit persönlichem Blick.
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Gespräche auf der Spitze des Wolkenkratzers


Isabella Straub: „Nullzone“: Isabella Straub ist zwar Österreicherin, aber ihr aktuelles Buch hat sie in ihrer Zeit als Erfurter Stadtschreiberin fertiggestellt. Der Roman „Nullzone“ spielt in einem bald abgerissenen 22-stöckigen Hochhaus, in dem Gabor, Elfi und Rachid über Zukunft, Identität und Wandel nachdenken. Mit Humor und philosophischen Ideen – von KI bis Donut-Universum – verknüpft die Autorin Alltagsfragen und Existenzsuche.
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Kleine Fledermäuse im Selbstverteidigungsmodus


Richard Schäfer: „Gorike und das blaue Tuch“: Das Kinderbuch erzählt von Gorike und den Fledermäusen der Krämerbrücke, die mithilfe eines magischen waidgefärbten Tuchs ein Problem lösen müssen. Mit liebevollen Illustrationen von Anja Zapf lädt die rund 70-seitige Geschichte Kinder ein, Erfurt zu erkunden. Stadtführer Schäfer ergänzt Infos zu Orten und hofft, Interesse und Respekt für Erfurts Geschichte zu wecken.
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Außergewöhnliche Momente vor der Kamera


Dennis Schmelz: „Augenblicke. Mit der Kamera zu den wahren Wundern der Welt – und zu mir selbst“: Der Erfurter Fotograf veröffentlicht mit „Augenblicke“ einen Bildband über acht Reisen, persönliche Erfahrungen und Fototipps. Das Buch zeigt seine Entwicklung, seinen Umgang mit Ängsten und eindrucksvolle Begegnungen weltweit – von Antarktis bis Indien. Mit einem Team aus Erfurt entstand ein sehr persönliches Werk voller Geschichten und spektakulärer Fotos.
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Unesco-Welterbe für die kleinsten Leser

„Lola und Leonardo im Museum“: Der Erfurter Schatz in der Alten Synagoge gehört zum Unesco-Welterbe. Neben dem Museumsbesuch gibt es verschiedene Zugänge zum Fund: ein neues Pixi-Buch führt Kinder spielerisch durchs Museum.
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Überleben in der Wildnis


Christine Rauch und Ernestine Donnerberg: „Wilde Pflanzen essen mit Survival Siglinde“: Christine Rauch, bekannt als „Survival Siglinde“, veröffentlicht mit Illustratorin Ernestine Donnerberg ihren ersten Naturführer „Wilde Pflanzen essen“. Das Buch vermittelt auf 144 Seiten essbare Wildpflanzen, leicht erklärt, humorvoll und reich illustriert. Rauch, erfolgreiche Infotainerin mit großer Social-Media-Fangemeinde, zeigt darin Wissen, Rezepte und Pflanzenporträts – begleitet von ihrer markanten Kunstfigur.
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Eine ganz persönliche Ost-Analyse
![Tobias J. Knoblich: „Osten als Passage“. Mitteldeutscher Verlag 2025. [.≠. Frühlingslese 2025]](https://img.sparknews.funkemedien.de/410594288/410594288_1764946762_v16_9_1200.jpeg)

Tobias J. Knoblich: „Osten als Passage“: Der ehemalige Erfurter Kulturdezernent stellt mit „Osten. Transitraum der Geschichte“ eine Sammlung persönlicher und kulturwissenschaftlicher Essays vor. Ausgehend von Fotoimpulsen reflektiert er DDR-Erfahrungen, Identität und westliche Dominanzkultur. Seine eigene Biografie wird zum Beispiel ostdeutscher Prägung. Die Texte formulieren einen leichten Gegenentwurf zu gängigen Ost-West-Narrativen.
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Auf Samtpfoten durch die Jahrhunderte


Ingrid Annel: „Kater Nepomuk und die Geister von Weimar“: Die Autorin veröffentlicht nach dem Erfolg ihres Erfurter Kinderbuchs „Esel Erasmus“ nun „Kater Nepomuk und die Geister von Weimar“. Die aufwendig recherchierte Geschichte lässt einen Straßenkater Gespräche historischer Persönlichkeiten hören. Vier Jahre arbeitete Annel daran, unterstützt von Illustrator Stephan Leyh. Annel bleibt ihrem Anspruch treu: anschauliche, sprachstarke Kinderliteratur.
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Erfurts wichtigstes Wahrzeichen im Spiegel der Kunst


Jürgen Valdeig: „Erfurts Stadtkrone. Dom und Severi“: Das neue zweisprachige Buch über Dom und Severi bietet ausführliche Erläuterungen, ein Geleitwort von Weihbischof Hauke und einen historischen Abriss von Steffen Raßloff. Der Autor erforscht die Gotteshäuser seit seiner Kindheit; der Erlös unterstützt nun deren Restaurierung. In 2026 folgt ein Kunstbildband „Erfurt – eine malerische Zeitreise“ mit Beiträgen Erfurter Persönlichkeiten.
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Die geistreichen Köpfe der Stadt


Ulrich Hauch: „Metropolis Thuringiae. Ein Jahrtausend geistig-kultureller Impulse aus Erfurt“: In „Metropolis Thuringiae“ beleuchtet Frank Hauch geistig-kulturelle Impulse aus Erfurt. Sein Buch zeigt bekannte und bisher weniger bekannte historische Persönlichkeiten und Ideen – von Meister Eckhart bis Salzmann – und versteht sich als Einladung in Erfurts Vergangenheit für interessierte Laien.
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Fast vergessenen Großereignisse


Steffen Raßloff: „Das vergessene Parlament. 175 Jahre Erfurter Unionsparlament 1850“: Das Erfurter Unionsparlament tagte 1850 im Augustinerkloster und verabschiedete eine Verfassung für einen kleindeutschen Staat unter preußischer Führung. Das Projekt scheiterte jedoch. Obwohl es lange kaum beachtet wurde, gilt das Parlament heute als wichtiger Meilenstein der deutschen Demokratie- und Einigungsgeschichte. Historiker Steffen Raßloff hat das kaum beachtete historische Ereignis mit einer neuen Publikation gewürdigt.
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Das Kriegsende in Erfurt 1945

Carsten Schleichhardt: „1945. Das Kriegsende im Raum Erfurt“: In seinem 740 Seiten dicken Buch rekonstruiert er detailliert die Ereignisse vom Frühjahr 1945 in Erfurt und den umliegenden Ortsteilen. Neben seinen Recherchen, die er über 20 Jahre zusammengetragen hat, bietet er den Lesern mehr als 600 Fotos von Akteuren und von Szenen des Geschehens in 1945 an.
Weihnachtsrituale besser verstehen


Jörg Rüpke: „Weihnachten in der Stadt“, 2025: Weihnachten aus sozialwissenschaftlicher Sicht – das hat sich Jörg Rüpke genauer angeschaut. Der Inhaber der Professur für Vergleichende Religionswissenschaften am Max-Weber-Kolleg Erfurt hat fünf Essays zu Ritualen der Festtage geschrieben. Darin erweitert er die Debatte um religiöse und säkulare Deutungen und zeigt, wie stark sich Weihnachten gewandelt hat. Die auch ins Englische übersetzten Texte untersuchen heutige Feierformen, Weihnachtsmärkte, Gesang und die Rolle der Kommerzialisierung, die das Fest nicht zerstört, sondern geprägt hat.




















