Eine alte Schachtel voller Glasscheiben ist es, die Hartlieb Romeick im Nachlass seines Vaters Dietrich gefunden hat. Nur die älteren Semester, wozu der Finder mittlerweile selbst zählt, wissen, was die gläsernen Stücke einmal gewesen sind. Kurzerhand richtet er die Splitter aus, scannt das Puzzle ein und bearbeitet das Bild am Computer. Zum Vorschein kommt ein Foto, das einen Blick auf ein Gemüsefeld zeigt. Am Horizont ist der Steiger zu sehen. Wer die Aufnahme besonders vergrößert, kann sogar den Bismarckturm erkennen.

Junger Erfurter knipst die Aussicht aus seinem Fenster

Fotoplatte Steiger
Die Fotoplatte im Originalzustand. © Hartlieb Romeick | Hartlieb Romeick

Für jedermann zu sehen ist das historische Foto in der neuen Ausgabe von „Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt“. Neben der kaputten Platte sind auch die bearbeiteten Vergrößerungen zu sehen, anhand derer eine Stadtszene um 1928 zum Leben erweckt wird. Im Jahr 1925 war die Familie Romeick aus Kassel in die Melchendorfer Straße in Erfurt gezogen. Am unteren Bildrand der Platte ist ein kleines Stück des Hinterhofs des Mehrfamilienhauses zu sehen. 1932 folgte der Umzug in die Humboldtstraße.

Erfurt historisch

Die Thüringer Landeshauptstadt hat eine bunte Geschichte. Das Mittelalter, die Zeit der Festung und die Moderne haben Spuren in Erfurt hinterlassen, die wir für unsere Leser entdecken. Hier lesen Sie mehr.

Die Arnstädter Straße ist noch nicht so frequentiert, wie heute

Fotoplatte Steiger
Die Vergrößerung zeigt das Schützenfest am Steiger. © Hartlieb Romeick | Hartlieb Romeick

Hartlieb Romeick verweist in seinem Beitrag für die Publikation des Erfurter Stadtarchivs auf einen Jahrmarkt mit Karussell und Riesenrad. Ein Schützenfest, zu dem viele Gäste strömen, die am rechten Bildrand zu sehen sind. Das ist der Moment, den sein Vater als Jugendlicher – wohl aus seinem Fenster in der Melchendorfer Straße – aufgenommen hat. Nichtsahnend, dass die jungen Kastanienbäume entlang der Arnstädter Straße 90 Jahre später stattliche Stämme bekommen haben. Und dass die verschwommen abgebildete Lingel-Fabrik nicht für die Ewigkeit gebaut wurde.

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Auch ein kleines Rätsel bringt der Autor und Finder mit der Fotoplatte dem aufmerksamen Beobachter und Stadtgeschichtsinteressierten mit: Hat die Absperrung mit dem Pfostenzaun vielleicht mit dem Bau des Steigerwaldstadions zu tun?

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Dieser Frage können die Erfurter mithilfe des vollständigen Beitrags von Hartlieb Romeick auf den Grund gehen. „Fundstücke“ in „Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt“. Nr. 87, Seite 18f.

KORREKTUR: In einer früheren Version hieß es, das Foto sei um 1930 entstanden. Tatsächlich gibt der Autor Hartlieb Romeick die Jahreszahl 1928 an. Vom Stadion, dessen Bau ein Jahr zuvor begann, ist noch wenig zu sehen. Die Familie wohnte in der Melchendorfer Straße, nicht in Melchendorf. Von dort wurde auch das Bild aufgenommen, nicht aus der Humboldtstraße, wohin die Familie später zog.