Längst versteht sich der größte deutsche Automobilclub, der ADAC mit seinen gut 20 Millionen Mitgliedern, nicht mehr nur als reine Lobby-Organisation für den individuellen Autoverkehr. Umweltfragen spielen eine wachsende Rolle. Folglich spielt auch der Ausstieg aus der Autonutzung und der Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr eine Rolle.

Täglich
Der Newsletter für Erfurt
Alle wichtigen Informationen aus der Landeshauptstadt Erfurt, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Und hier konstatiert der ADAC der Landeshauptstadt Erfurt eine Vorbildwirkung. „Erfurt zeigt, dass bezahlbarer ÖPNV auch für Gelegenheitsnutzer möglich ist“, schwärmt Lukas Berkel, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen. Und: „Wir hoffen, dass andere Verkehrsverbünde diesem Beispiel folgen und ihre Tarife stärker an den Bedürfnissen der Nutzer ausrichten.“
Unter 3 Euro gibt es Tickets fast nirgends mehr
Was ist passiert? Der ADAC hat beim Vergleich der Nahverkehrsangebote in 25 deutschen Großstädten festgestellt, dass man in Erfurt am günstigsten unterwegs ist. 2,90 Euro für die Erwachsenen-Einzelfahrt, dieser Preis ist unschlagbar. Unter 3 Euro gibt es den Fahrschein sonst nirgends. Schon der Zweitplatzierte Magdeburg verlangt 3 Euro. Beim Spitzenreiter München sind sogar 4,20 Euro fällig. Dafür kann man dort natürlich auch ungleich längere Strecken zurücklegen.
Auch interessant
Der Vergleich ist natürlich nicht ganz so einfach. Freilich gibt es in Deutschland auch günstigere Straßenbahntickets. In Schwerin, Kiel und Potsdam etwa, mithin drei Landeshauptstädte, die im ADAC-Vergleich aber nicht auftauchen, kostet die Einzelfahrt weniger. Mit 60 Minuten Gültigkeit ohne Rückfahrmöglichkeit gelten für das Evag-Ticket auch vergleichsweise große Einschränkungen. Einige Städte bieten für die teure Einzelfahrt auch die Möglichkeit, kostenlos Kinder mitzunehmen.
Auch interessant
Genauer Blick enthüllt auch Schwachstellen
Eine Übersicht des Verbraucherportals „testberichte.de“ aus dem November vergangenen Jahres hatte sich beim Tarifvergleich mehr Mühe gemacht und dabei auch die Schwachstellen der Erfurter Bus- und Bahnpreise ausgemacht. Hunde- und Fahrradkarten etwa sind hier deutlich teurer als im Bundesdurchschnitt. Die Anzahl der Fahrten, die man absolvieren muss, bis sich der Kauf einer Wochen- oder Monatskarte lohnt, ist relativ groß. Moniert wurde vor allem das Fehlen von verbilligten Kurzstrecken-Tarifen, die vermutlich den vom ADAC so umworbenen Gelegenheitsnutzern entgegenkommen würden.
Lesen Sie auch
Die entscheidende Frage also, ob es sich für bestimmte Szenarien wirklich lohnt, das Auto stehenzulassen, für die kurze Fahrt für ein Rezept in die Stadt und wieder zurück zum Beispiel, kann der ADAC-Vergleich nicht beantworten. Immerhin: Ein neuer Fahrgastrekord von 60,7 Millionen Beförderungen im vergangenen Jahr zeigt, dass die Erfurter Verkehrsbetriebe auf einem guten Weg sind.









