Blockaden, Straßensperrungen, Polizeieinsätze – das dürfte rund um die Erfurter Messe zu erwarten sein am kommenden Wochenende, vor allem am Samstag, den 4. Juli. Das dürften Bilder sein, die bundesweit und vielleicht darüber hinaus von Erfurt in die Welt gehen. Viele Erfurter blicken mit Sorge auf diesen Tag. Polizei und Stadtverwaltung planen schon seit Monaten für dieses Wochenende voller Unwägbarkeiten, wollen vorbereitet sein.

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Dabei hoffen die Verantwortlichen im Rathaus, dass Erfurt an diesen Tagen auch andere Bilder liefern kann, Bilder von friedlich feiernden Menschen in der vorzeigbaren Innenstadt, Bilder von begeisterten Roland-Kaiser- und Clueso-Fans vor dem Dom, von Touristen, die wie gewohnt durch die Altstadt flanieren. Zwischen Theaterplatz und Hirschgarten, zwischen Anger und Fischmarkt soll sich ein freundliches Erfurt zeigen, bunt, vielfältig.

Fröhlich feiern gegen Hass und Ausgrenzung

Tatsächlich sind Dutzende Veranstaltungen an diesem Tag in der City geplant, die alle das Etikett „familienfreundlich“ tragen, organisiert von wiederum Dutzenden Vereinen, Verbänden und Initiativen, von Kirchen, Gewerkschaften, Bündnissen. Ein fröhliches Fest gegen Hass und Ausgrenzung soll stattfinden, dazu hatten schon vor Monaten vier Erfurter Bundestagsabgeordnete gemeinsam mit dem Bündnis „Weltoffenes Thüringen“ aufgerufen.

Vorbereitungen auf Protest gegen AfD-Parteitag in Erfurt
Mit einem Info-Stand auf dem Anger wirbt das Bündnis „Widersetzen“ seit Montag für den Protest gegen den AfD-Bundesparteitag.© Funke Medien Thüringen | Markus Stelle

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Ihr Aufruf „Erfurt – Stadt der Freiheit, der Verantwortung und der Demokratie“ wurde bereits von fast 9000 Menschen unterzeichnet. Samstagmittag wollen Bodo Ramelow (Linke), Michael Hose (CDU), Carsten Schneider (SPD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) in einer Podiumsdiskussion in der Predigerkirche ihre Beweggründe darlegen. Zuvor werden sie ab 10 Uhr an einem ökumenischen Gottesdienst mit Regionalbischöfin Friederike Spengler und Weihbischof Reinhard Hauke auf dem Anger teilnehmen.

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Zwischen Anger und Hirschgarten

Dort sammelt „Weltoffenes Thüringen“ weiter Unterschriften. Der Stand des Bündnisses wird einer von vielen Info- und Mitmachständen am Gleisdreieck sein, wo sich von 9 bis 20 Uhr etwa die „Fridays for Future“-Bewegung präsentiert, die Grüne Jugend, der BUND und viele andere Umweltprojekte. Erwartet wird unter anderem Luisa Neubauer, prominentes Gesicht von „Fridays for Future“, die um 16 Uhr dort sprechen soll.

Vorbereitungen auf Protest gegen AfD-Parteitag in Erfurt
Die Vorbereitungen laufen: Auf der Predigerwiese sind in den kommenden Tagen viele Open-Air-Veranstaltungen geplant.© Funke Medien Thüringen | Markus Stelle

Ganztägig gefeiert wird auch im Hirschgarten, wo unter anderem die Arbeiterwohlfahrt, die Initiative „Eltern gegen Rechts“, die Universität und die Caritas Erfurt ein buntes Mitmachprogramm auf die Beine gestellt haben. Das Thema Kinderrechte wird hier großgeschrieben, es geht um Chancengleichheit und Demokratiebildung, um die Verständigung der Generationen, um Zukunftswünsche.

Kultur- und Migrantenverbände am Theater

Am Theaterplatz präsentiert sich das vielfältige Erfurt, stellen sich unter anderem Migrantenverbände und Kulturinitiativen vor. Auf der Bühne soll es von 10 bis 17 Uhr neben Musik viele informative Redebeiträge geben. So erläutert Annegret Schüle, Leiterin des Erinnerungsorts „Topf & Söhne“, den problematischen historischen Kontext des von der AfD für ihren Parteitag gewählten Datums, geht es um die kulturpolitischen Konsequenzen des Rechtsrucks.

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Viele Erfurter Kirchen wollen am Samstag ihre Türen öffnen, bieten Programme oder aber einen Ort zum Innehalten, darunter die evangelischen Regler-, Kaufmann-, Prediger-, Augustiner-, Michaelis- und Andreaskirche sowie die katholischen Lorenz-, Martini- und Severikirche. Ein ökumenisches Friedensgebet wird bereits am Freitagabend um 19 Uhr in der Martini-Kirche in der Brühler Straße stattfinden, dann soll am Gothaer Platz eine Lichterkette entstehen.

Zahlreiche Veranstaltungen schon in den Tagen zuvor

Die größte Veranstaltung des Samstages soll freilich die Kundgebung des Bündnisses „Zusammenstehen“ auf dem Messeparkplatz in unmittelbarer Nähe des Parteitags stattfinden, zu der die Veranstalter rund 20.000 Menschen erwarten. Zwei Zubringer-Demonstrationen starten um 6 Uhr und um 10 Uhr vom Hauptbahnhof. Der Kundgebungsort wird aufgrund der Straßensperren ohnehin nur zu Fuß erreichbar sein.

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Das Bündnis „Zusammenstehen“, das von knapp 200 Verbänden und Initiativen unterstützt wird, ruft bereits für diese Woche zu zahlreichen Vorveranstaltungen überall in der Stadt auf. Vorträge und Lesungen, Filmvorführungen und Bastelnachmittage, Sommerfeste und Kaffeetrinken mit den Omas gegen Rechts sollen auf den Protest aufmerksam machen, aber auch Ängste nehmen. Eine Übersicht über die Veranstaltungen bietet die Internetseite zusammenstehen.org.