Sieben Direktkandidaten haben die Parteien im Wahlkreis Ilm-Kreis I, der den südlichen Ilm-Kreis umfasst, aufgestellt. Christian Schaft (Linke), Jens Dietrich (AfD), Andreas Bühl (CDU), Maximilian Reichel-Schindler (SPD), Madeleine Henfling (Grüne), Martin Mölders (FDP) und Mathias Nicolai (Freie Wähler), beziehen Stellung zu folgender Frage: Was muss sich im Bereich der Bildung ändern, um die Heranwachsenden auf die Herausforderungen von morgen vorzubereiten?
Der Kandidat der Linken
Christian Schaft, Linke. Jahrgang 1991, lebt in Erfurt. Seit 2014 Mitglied des Thüringer Landtags. Er war von 2016 bis 2021 Mitglied im Bundesvorstand der Linken und ist seit 2021 Landesvorsitzenden seiner Partei:

Um beste Bedingungen für alle Kinder von Anfang an zu schaffen, darf Bildung nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Es braucht Bildung und Betreuung beitragsfrei. In der nächsten Legislatur will ich mit der Linken für die komplette Beitragsfreiheit des Kindergartens, digitale Lernmittelfreiheit in der Schule und die Ausweitung der Förderung beim Studium und der Meisterausbildung streiten. Die Stärkung des praktischen Unterrichts haben wir durch die Einführung des „Tages in der Praxis“ geschaffen. Zudem braucht es längeres gemeinsames Lernen bis mindestens zur 8. Klasse und die Stärkung der Gemeinschaftsschulen, auch durch eine Reform der Lehramtsausbildung. Das eingeführte duale Lehramtsstudium muss ausgebaut werden. Durch neue Wege in der Lehramtsausbildung und schnellere Einstellungsverfahren können wir den Lehrkräftemangel bekämpfen. Die Grundlage bilden 7.500 Neueinstellungen in den letzten 10 Jahren unter Rot-Rot-Grün, dreimal so viel wie durch die CDU in den 10 Jahren zuvor.
Der Kandidat der AfD
Jens Dietrich, AfD. Jahrgang 1965, lebt in Ilmenau. Er ist Mitglied des Thüringer Landtags, sitzt im Ilmenauer Stadtrat und im Kreistag. Zudem ist er Mitglied im Kreisvorstand und im Landesvorstand der AfD:

Schüler, Eltern und Lehrer werden durch immer neue pädagogische Experimente verunsichert, Schulfrieden ist so nicht möglich. Auf sinkende Leistungsbereitschaft wird mit sinkenden Anforderungen reagiert. Die Regelschule muss wieder zum Herzstück unseres Bildungssystems werden, damit wir in Thüringen unseren Fachkräftebedarf mit gut qualifizierten und sozial kompetenten Bewerbern besser decken können. Einer weiteren „Verkopfung“ des Regelschulunterrichts soll entgegengewirkt werden. Stattdessen soll der Anteil praktischer Unterrichtsinhalte (zum Beispiel Holz-, Metall-, Elektro- und Hauswirtschaftsunterricht) erhöht werden. Darüber hinaus soll eine umfassende Berufsorientierung mit verschiedenen Praktika, vorrangig in Betrieben vor Ort, stattfinden. Der Unterricht in der Regelschule ist so zu gestalten, dass die Schüler eine breit angelegte Grundbildung erhalten, in der auch die zu Unrecht in Verruf geratenen Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Sorgfalt und Ordnungssinn entwickelt werden.
Der Kandidat der CDU
Andreas Bühl, CDU. Jahrgang 1987, lebt in Oehrenstock. Er ist seit 2014 Mitglied im Thüringer Landtag, sitzt im Stadtrat in Ilmenau und hat ein Kreistagsmandat inne:

Nach 10 Jahren Rot-Rot-Grün ist Thüringen in der Bildung massiv zurückgefallen. Die Lese-Rechtschreib-Kompetenz hat sich verschlechtert. Jeder zehnte Schüler verlässt die Schule ohne Abschluss. Jede zehnte Stunde fällt aus. Es wurde zwar viel eingestellt, doch hat sich die Schülerzahl erhöht und es sind weniger Lehrer da als noch vor 10 Jahren. Digitalisierung hat nicht richtig funktioniert. Mit der CDU bekommt jeder Lehrer eine Einstellungsgarantie. Die Einstellungsverfahren werden verkürzt. Wir werden die Zahl der Mathe- und Deutsch-Stunden in der Grundschule erhöhen und den Schulhort kostenfrei stellen, damit sich die Leistungen der Grundschüler verbessern. Das duale Lehramtsstudium bauen wir aus und professionalisieren den Einsatz von Quereinsteigern. Wir werden die Eigenverantwortung von Schulen steigern. Dazu führen wir Schulkonten mit eigenem Budget ein, was jede Schule nach den individuellen Anforderungen nutzen kann. Digitalisierung wird in der Landesregierung zur Chefsache erklärt.
Der Kandidat der SPD
Maximilian Reichel-Schindler, SPD. Jahrgang 1996, lebt in Elgersburg. Er sitzt im Elgersburger Gemeinderat und im Kreistag, war Vorsitzender der Landesschülervertretung Thüringen:

Die Thüringer Gemeinschaftsschule ist seit über einem Jahrzehnt ein Erfolgsmodell, das die SPD auch in Zukunft stärken möchte. Wir fördern die Zusammenführung von Grund-, Regel- und Förderschulen sowie Gymnasien. Lehrkräfte sollten sich auf den Unterricht konzentrieren können; dazu wollen wir Verwaltungsassistenten einsetzen und unnötige Bürokratie abbauen. Die Lehrkräfteausbildung soll reformiert werden, mit einer Unterscheidung nur noch zwischen Sekundarstufe I und II, um eine flexible Einsatzfähigkeit an verschiedenen Schulformen zu gewährleisten. Zudem fordern wir eine Übernahmegarantie für erfolgreiche Referendare. Da es in den kommenden Jahren an Absolventen mangeln wird, sind wir auf Seiteneinsteiger angewiesen und wollen ihnen langfristige Perspektiven bieten.
Die Kandidatin der Grünen
Madeleine Henfling, Bündnis 90 / Die Grünen. Jahrgang 1983, lebt in Ilmenau. Die Landtagsabgeordnete ist seit 2020 Vizepräsidentin des Thüringer Landtags. Sie ist Stadträtin in Ilmenau und gehörte bis 2024 dem Kreistag an.

Für mich gilt: Gleiche Chancen für alle Kinder! Deshalb will ich jedem Kind in Thüringen gute Bildung in Kindergarten und Schule ermöglichen. Ganz egal, wie es um den Geldbeutel und Hintergrund der Familie steht. Dafür setze ich auf längeres gemeinsames Lernen und mehr Ganztagsschulen. Wir fördern die individuellen Fähigkeiten von Kindern und sorgen für Freude am Lernen – mit modernem und vielfältigem Unterricht. Um Erzieher*innen und Lehrer*innen zu stärken, machen wir multiprofessionelle Teams zum Standard. Ich will die Lehramtsausbildung reformieren und praxisorientierter machen, Schule fächerübergreifend, digital, lebensweltorientiert und kooperativ neu aufstellen, Chancengerechtigkeit im Schulsystem verbessern unter anderem durch längeres gemeinsames Lernen, den Personalschlüssel in Kindergärten weiter verbessern und Demokratiebildung stärken.
Der Kandidat der FDP
Martin Mölders, FDP. Jahrgang 1958, lebt in Arnstadt. Er ist seit 2009 Mitglied des Kreistags, sitzt im Beirat des Jobcenters und im Landesjugendhilfeausschuss. Zudem ist der Kreisvorsitzende der FDP und engagiert sich im Landes- und Bundesfachausschuss Arbeit und Soziales der FDP:

Grundsätzlich muss das Bildungssystem wieder auf die systematische Vermittlung von Wissen, verbunden mit dem Erwerb sozialer Kompetenzen, ausgerichtet werden. Es muss grundsätzlich anerkannt werden, dass Kinder und Jugendliche unterschiedliche Begabungen haben, die in den jeweils passenden Settings zu fördern sind. Gleichmacherei beraubt alle Kinder ihrer Zukunftschancen! Im Wahlprogramm der FDP in Thüringen bildet der Bereich einen Schwerpunkt, da die Qualität der Bildung entscheiden für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes sein wird. Unterricht muss stattfinden, insbesondere in den sogenannten MINT-Fächern, die für den Erhalt unserer industriellen Grundlage notwendige Standortvoraussetzungen sind. Daher ist der Lehrermangel aktiv zu bekämpfen. Schulsozialarbeiter zur Bekämpfung der zunehmenden Probleme mit der heterogenen Zusammensetzung durch verschiedene Gruppen ebenso wie spezielle Sprachförderung gehören regelhaft an jede Schule, die Förderbürokratie kann damit abgeschafft werden.
Der Kandidat der Freien Wähler
Mathias Nicolai, Freie Wähler. Jahrgang 1977, lebt in Gehren. Er ist Landesvorsitzender und Landesgeschäftsführer der Freien Wähler Thüringen und engagiert sich im Ortsteilrat von Gehren.

Wir müssen endlich einheitliche und länderübergreifende Bildungsstandards schaffen! Frühkindliche Bildung beginnt in den Kindergärten. Da finden wir das aktuell bevorzugte Konzept der „offenen Arbeit“ nicht zielführend. Kinder brauchen Regeln!
In Grundschulen müssen wir uns auf Schreiben, Lesen und Rechnen orientieren: Deutsch und Mathematik sind Grundfächer und sollten auch als solche behandelt werden. Außerdem gilt es, Sport und Musik zu fördern. Es ist wichtig, den Kindern die Freude daran zu vermitteln, Begabungen zu erkennen und Talente zu fördern. Die aktuelle Schullandschaft muss erhalten bleiben. Schulen sollten auch wohnortnah erreichbar sein. Und wir brauchen wieder eine vorausschauende und bedarfsgerechte Lehrer- und Erzieherausbildung. Diese haben unsere Regierenden nämlich inzwischen völlig aus den Augen verloren.



