Sieben Direktkandidaten haben die Parteien im Wahlkreis Ilm-Kreis II, der den nördlichen Ilm-Kreis umfasst, aufgestellt. Kevin Kubasch (Linke), Olaf Kießling (AfD), Jörg Becker (CDU), Florian Wagner (SPD), Kathrin Cagnin (Grüne), Christian Stonek (FDP) und Silvio Pahlke (Freie Wähler) beziehen Stellung zu folgender Frage: Was muss sich im Bereich der Bildung ändern, um die Heranwachsenden auf die Herausforderungen von morgen vorzubereiten?
Der Kandidat der Linken
Kevin Kubasch, Linke. Jahrgang 1994, lebt in Arnstadt. Er engagiert sich als sachkundiger Bürger im Finanzausschuss des Arnstädter Stadtrats.

Vielerorts ist die Situation angespannt – es fehlen schlicht Lehrkräfte, um freie Stellen zu besetzen. Ein Umstand, der durch die
Landesregierung um Bodo Ramelow bereits angegangen wurde. Über 7000 Lehrkräfte wurden seither eingestellt – nach den Einsparungen der vorherigen CDU-Landesregierung eine erste Verbesserung der Situation. Um den Bedarf für die kommenden Jahre decken zu können, müssen weitere Lehrkräfte eingestellt und der Beruf weiter attraktiver gestaltet werden. Die Landesregierung hat Schulen bei der eigenverantwortlichen Schulentwicklung unterstützt und fördert moderne pädagogische Konzepte. Mit der Förderung von Ganztagsschulen und dem längeren gemeinsamen Lernen in Gemeinschaftsschulen schaffen wir mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung. Ich plädiere für längeres gemeinsames Lernen und langfristig für eine entgeltfreie Bildung, natürlich beginnend bereits im Kindergarten. Unsere Schulen müssen auch weiterhin stetig modernisiert werden.
Der Kandidat der AfD
Olaf Kießling, AfD. Jahrgang 1967, lebt im Geratal. Er ist Mitglied des Landtags und des Kreistags, hat zudem ein Mandat im Gemeinderat der Landgemeinde Geratal:

Als Erstes brauchen wir bessere Bedingungen an unseren Schulen. Diese sind zum einen die baulichen als auch die organisatorischen Bedingungen. Weiterhin muss das gegliederte Schulsystem optimiert werden und die duale Ausbildung gestärkt werden. Dann müssen wir auch genügend Lehrer einstellen, welche wir in Thüringen mehr ausbilden sollten, um so den Unterrichtsausfall zu beenden. Dazu müssen die Finanzen des Landes neu ausgerichtet werden. Auch braucht es mehr Anerkennung aus der Gesellschaft und den Medien, z.B. für die handwerklichen Berufe. Denn Meister und Techniker sind unter anderen für die Wertschöpfung in unserer Gesellschaft verantwortlich und keine Gender Studies oder Medienwissenschaftler.
Der Kandidat der CDU
Jörg Becker, CDU. Jahrgang 1967, lebt in Liebenstein. Er ist Ortschaftsbürgermeister von Liebenstein, sitzt im Gemeinderat der Landgemeinde Geratal, ist Vorsitzender der CDU Geratal und Mitglied im CDU-Kreisvorstand:

Bildung ist eines der Hauptthemen der CDU. Von der frühkindlichen Bildung bis zu den Hochschulen gilt es umfassend zu reformieren. Nur um einige Stichworte hier kurz zu nennen: Wir werden im frühkindlichen Bereich den Betreuungsschlüssel verbessern. Wir werden uns für einen ermäßigten Steuersatz beim Kindergartenessen einsetzen. Wir setzen uns für den Erhalt kleiner Grundschulen ein. Für einen bestmöglichen Schulstart werden wir für alle Schulanfänger ein Schulstartpaket einführen.
Gute und leistungsfähige Regelschulen sind das Fundament für die Sicherung des dringend benötigten Fachkräftenachwuchses.
Datenschutz darf nicht zur Bremse der Digitalisierung der Bildung werden. Wir wollen Kopfnoten wie Betragen, Fleiß, Ordnung und Mitarbeit mehr Beachtung geben. Wir werden Studienstandorte attraktiver machen. Die CDU hat ihren Plan zur Reformierung der Bildung in ihrem Regierungsprogramm „Thüringenplan“ (https://cduth.de/regierungsprogramm) umfangreich dargestellt.
Der Kandidat der SPD
Florian Wagner, SPD. Jahrgang 2001, lebt in Arnstadt. Er ist Mitglied des Kreistages des Ilm-Kreises, Kreisvorsitzender der Jusos und ist Mitglied im Kreisvorstand SPD Ilm-Kreis:

Mit dem Modell der Thüringer Gemeinschaftsschule haben wir ein Modell, Schulen vor Ort voranzubringen. Durch die Förderung der Zusammenlegung von Grund- und Regelschulen, Förderschulen und Gymnasien stärken wir die Schulen auch zukünftig. Lehrer*innen sollen primär zum Unterrichten da sein, neue Stellen für Verwaltungsassistent*innen müssen geschaffen werden und unnötige Bürokratie abgeschafft werden. In der Ausbildung neuer Lehrer*innen müssen wir Reformen in die Wege bringen. Eine breite Einsatzfähigkeit der zukünftigen Lehrer*innen in Gymnasien als auch Gesamt-, Regel- und Gemeinschaftsschulen schaffen wir, indem man zukünftig nur noch nach Sekundarstufe I und Sekundarstufe II unterscheidet. Eine Übernahmegarantie der Referendare nach erfolgreichem Abschluss muss zwingend im Fokus stehen, wenn man neues Personal gewinnen will. Trotz allem wird man nicht genügend Stellen in den nächsten Jahren besetzen können, deswegen müssen wir Seiteneinsteigern weiterhin eine gute Perspektive anbieten.
Die Kandidatin der Grünen
Katrin Cagnin, Grüne. Jahrgang 1969, lebt in Arnstadt. Sie ist Mitglied der Arnstädter Ortsgruppe der Grünen:

Die Grünen setzen sich für eine umfassende Bildungsreform ein, die darauf abzielt, die Heranwachsenden besser auf die Herausforderungen von morgen vorzubereiten. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft ist es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler frühzeitig digitale Fähigkeiten erlernen. In diesem Bereich ist es besonders wichtig, in Bezug auf die Flut von Nachrichten zu lernen, effektiv nach fundierten Aussagen zu suchen und diese für sich zu nutzen. Deshalb ist es meiner Meinung nach unerlässlich, fundiertes Grundwissen zu vermitteln, um leichter qualifizierte Kanäle zu erkennen. Ein weiterer Punkt ist ein größerer Praxisbezug im Unterricht. Es ist unbedingt erforderlich, dass der Unterricht praxisorientierter gestaltet wird, um die Begeisterung für eine moderne, handwerkliche Ausbildung zu wecken. Praxisnaher Unterricht kann in allen Bereichen des Lernens zu einem lebensnahen Vermitteln von Handlungsmöglichkeiten und dem Ausbau von lösungsorientierten Kompetenzen beitragen.
Der Kandidat der FDP
Christian Stonek, FDP. Jahrgang 1976, lebt in Arnstadt. Er ist Landesvorstandsmitglied der Thüringer FDP, stellvertretender Vorsitzender der FDP im Ilm-Kreis, sitzt im Arnstädter Stadtrat und im Aufsichtsrat der Bäder- und Beteiligungsverwaltung Arnstadt GmbH:

Die FDP Thüringen hat hierfür einige Schwerpunkte herausgearbeitet. Stellvertretend seien folgende genannt: Das Bildungssystem sollte anpassungsfähig gestaltet werden, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schüler gerecht zu werden. Dazu zählen alternative Lernmodelle und flexible Schulformen, die Individualisierung und persönliche Interessen stärker berücksichtigen. Ebenso ist die Integration digitaler Technologien in den Bildungsalltag entscheidend. Schüler sollten bereits frühzeitig den Umgang mit digitalen Medien erlernen und Medientraining erhalten, um sicher in einer zunehmend digitalen Welt agieren zu können. Auch die Stärkung der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) ist wesentlich für die Zukunftsfähigkeit der Bildung. Die FDP setzt sich für innovative Lehrmethoden in diesen Bereichen ein. Weiterhin von Bedeutung sind die frühzeitige und umfassende Berufsorientierung und Praktika.
Der Kandidat der Freien Wähler
Silvio Pahlke, Freie Wähler. Jahrgang 1975, lebt in Geraberg. Er sitzt im Gemeinderat der Landgemeinde Geratal, ist Ortschaftsratsmitglied und stellvertretender Ortschaftsbürgermeister:

Um eine bestmögliche schulische Ausbildung unsere Kinder zu gewährleisten, müssen mehrere Faktoren gleichzeitig betrachtet werde, z.B. ausreichend gut qualifiziertes Lehrpersonal, gut ausgestattete Schulen, eine sinnvolle und an die Bedürfnisse angepasste Schulnetzplanung, Anpassung der Lehrpläne und Lehrmethoden an gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Einsatz von Digitaltechnik zur Wissensvermittlung usw. Die Zuständigkeiten liegen hierbei in unterschiedlichen Verantwortungen beim Land und bei den Kommunen. Auf Landesebene muss dafür gesorgt werden, dass genügend Lehrpersonal zur Verfügung steht. Durch Erhöhung der Studienplätze an Thüringer Hochschulen und das Schaffen von Anreizen kann dieses Ziel erreicht werden. Auch die Lehrpläne liegen in der Kompetenz des Landes. Schule sollte allerdings nicht nur eine Instanz der Wissensvermittlung sein, sondern die jungen Menschen auch auf die komplexer werdenden Anforderungen des Lebens vorbereiten. Unterrichtsausfall darf nicht die Regel sein.



