Günther Klebes hat eine große Leidenschaft. Er liebt die Eisenbahn. Der 76-Jährige aus dem fränkischen Erlangen sammelt fast alles, was irgendwie mit der Bahn zu tun hat. „Außer die echten Lokomotiven.“

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Akribisch sucht er dabei auch das Internet ab. In einem Forum für Briefmarkensammler stößt er auf einen außergewöhnlichen Fund. Es ist eine 125 Jahre alte Postkarte aus dem Kreis Nordhausen. Diese Karte zeigt einen Blick auf die Bahnhöfe der Harzquerbahn in Eisfelder Talmühle und Netzkater.

„Das ist ein Unikat“, freut sich Günther Klebes. Denn diese Ansichtskarte sei ein Jahr nach Eröffnung der Harzquerbahn zwischen Nordhausen und Benneckenstein im Jahre 1899 versandt worden. „Sie ging nach Harenberg bei Hannover“, berichtet Klebes.
Der 76-Jährige ist begeistert. Er schreibt den Besitzer der Karte an und äußert sein Interesse. Die Überraschung ist perfekt, als ihm der Eigentümer diese historische Karte einfach schenkt. „So was passiert einem auch nicht alle Tage“, staunt Klebes noch immer.
Ein Schulbusfahrer mit großer Liebe zur Eisenbahn
Bei ihm zu Hause stehen Modelle und liegen historische Uniformmützen neben zahllosen selbst geschossenen Fotos. Er besitzt etliche Alben voller Telefonkarten und Briefmarken.
In seinem Berufsleben war Klebes Schulbusfahrer. Ehrenamtlich arbeitete er bei der Bahnhofsmission. Sein größtes Hobby ist aber schon immer das Bahnfahren. Selbst die Hochzeitsreise vor mehr als 40 Jahren verbrachte er auf Schienen mit dem Glacier-Express in der Schweiz.
In Thüringen ist er oft zu Gast. Die Harzer Schmalspurbahnen interessieren ihn ebenso wie das Dampflokwerk in Meiningen.
Interessante Details sind beim Betrachten zu entdecken
Jetzt, wo er die Ansichtskarte in seinen Händen hält, analysiert er sie auch. „Die Karte stammt ja aus einer Zeit, in der kräftig retuschiert und auch nachträglich einmontiert wurde“, erklärt er. „Der auf dem Bild zu sehende Zug steht offensichtlich nicht am Bahnsteig. Es soll wohl ein fahrender Zug dargestellt sein. Das war aber fototechnisch 1899 nicht wirklich lösbar. Da mussten Züge für eine Fotoaufnahme in der Regel stehen. Das spricht dafür, dass der Zug nachträglich einmontiert wurde.“
Bei der Fahnenstange könnte sich Klebes jedoch vorstellen, dass diese tatsächlich dort stand. „Seinerzeit gab es bei den Menschen eine große Verbundenheit mit dem Kaiserreich, sodass das Hissen einer Reichsflagge durchaus denkbar gewesen sein kann.“ Zu besonderen Anlässen geschah dies auf jeden Fall. „Dass dann genau auch an einem solchen Tag ein Foto angefertigt wurde, halte ich ebenfalls für denkbar.“
Während das Sammlerherz schneller schlägt, fällt auch ein Wermutstropfen in den Freudenbecher. „Leider können wir keinen Zeitzeugen mehr befragen“, bedauert Klebes. Deshalb muss die Frage zur Entstehung dieser Ansichtskarte unbeantwortet bleiben.
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