Ossietzky-Hof, Nordpark und Stadtloop stoßen auch im 9000 Kilometer entfernten Taiwan auf Interesse. Eine 33-köpfige Delegation aus dem fernen Land informierte sich jetzt über die aktuellen Klima-Projekte in Nordhausen. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) und die Stadtverwaltung präsentierten den Gästen die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) realisierten Vorhaben.

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Professor Fong Tseng von der Feng-Shia-Universität ist ein Experte für nachhaltige Stadtplanung. Er hatte Nordhausen bereits 2023 mit einer Delegation besucht und kam nun mit zahlreichen politischen Vertretern aus dem Landkreis Taitung zurück. Neben der Landrätin Ching-Ling Yao gehörten mehrere Bürgermeister und Verwaltungsfachleute zur Delegation.

Diese Projekte zeigen, wie Klimaschutz und Lebensqualität miteinander verbunden werden können.

Inge Klaan, Geschäftsführerin der SWG

Vor allem die bauliche Qualität des Ossietzky-Quartiers und die Grüngestaltung der drei neuen Stadtplätze in Nordhausen-Nord stießen auf große Anerkennung. Beeindruckt zeigten sich die Taiwaner von den Initiativen zur klimagerechten Sanierung des Stadtquartiers und der Integration nachhaltiger Energiekonzepte. „Ein Erfahrungsaustausch mit Taiwan findet nicht so oft statt, umso erstaunlicher ist es, dass wir mit diesem Projekt bereits zum zweiten Mal besucht werden“, freut sich SWG-Geschäftsführerin Inge Klaan. „Klimagerechte Quartiersentwicklung ist international gefragt.“

Gäste interessieren sich sehr für die deutschen Planungsprozesse

Nordpark, Stadtloop und Ossietzky-Hof stehen beispielhaft für den klimagerechten Stadtumbau. Während der Nordpark einen Spiel- und Bewegungsraum für alle Generationen schafft, verbessern Stadtloop und Ossietzky-Hof Mobilität und Wohnqualität. „Diese Projekte zeigen, wie Klimaschutz und Lebensqualität miteinander verbunden werden können“, sagt Klaan.

Ein besonderes Interesse der Besucher galt den Planungsprozessen und politischen Diskursen, die in Nordhausen-Nord den Weg für einen klimagerechten Stadtumbau ebneten. In Taiwan, so die Landrätin Ching-Ling Yao, sei es üblich, Bauprojekte in kurzer Zeit umzusetzen, was jedoch häufig mit später auftretenden Problemen und Mehrkosten verbunden sei. Im Gegensatz dazu biete der Planungsansatz in Deutschland wertvolle Anregungen für langfristige und sozialverträgliche Stadtumbauprozesse. Petra Diemer, Sachgebietsleiterin der Stadtentwicklung, betonte, dass der Stadtumbauprozess in Nordhausen-Nord für deutsche Verhältnisse sehr schnell umgesetzt wurde.

Neue Angebote für Kinder und Jugendliche in Nordhausen-Nord

Im Nordpark wurde eine große Brach- und Parkplatzfläche zu einem generationenübergreifenden Freiraum mit Spielanlage umgebaut, die im Übergangsbereich vom Siedlungsraum zum Naturraum liegt. Das Angebot richtet sich besonders an Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren. Zusätzlich gibt es einen Spielbereich für Kleinkinder sowie Aufenthaltsmöglichkeiten für die Anwohner. Der Park ist umrahmt von einem naturnahen Grünsaum mit hoher Artenvielfalt. Zahlreiche klimaangepasste Bäume sind gepflanzt, Flächen entsiegelt worden, sodass das anfallende Regenwasser vollständig vor Ort versickern kann. Rund 30 Prozent der verbauten Materialien wurden vor Ort recycelt, zum Beispiel Rand- und Böschungsbefestigungen aus ehemaligen Betonplatten und Balancierelemente aus alten Beton-Straßenlaternen. Erstmals wurde für eine Freiraumplanung ein Klimatool zur Ermittlung der durch das Vorhaben verursachten CO₂-Emissionen entwickelt.

Nordhausen-Nord
Ein Blick zum Stadt-Loop in Nordhausen-Nord.© Lutz Fischer

Der Stadtloop ist eine barrierefreie Fußwegeverbindung im Stadtteilzentrum, die Handels- und Dienstleistungsangebote besser verknüpft. Integriert sind ein neuer Radweg und eine Bushaltestelle. Neue Aufenthaltsqualitäten entstehen durch drei kleine Stadtplätze, die sich thematisch den Klimaherausforderungen Hitze, Starkregen und Sturm widmen. Bei der Umgestaltung wurde möglichst Material mit Recyclinganteil verbaut oder vorhandenes Material wiederverwendet. Bauherr ist die Stadt.

Ossietzky-Hof
Ein Blick auf den Ossietzky-Hof während der Bauphase im Juni 2024.© Thomas Müller

Im Ossietzky-Hof zeigt die SWG, wie ein teilsanierter DDR-Plattenbaustandort klimagerecht umgebaut werden kann und die Mieter davon profitieren: Neben dem höheren Wohnwert, beispielsweise durch wohnungsbreite und teilweise verglaste Balkone, Aufzüge, wenige Barrieren und einem grünen Wohnhof mit Spiel- und Ruhezonen, sind es vor allem die niedrigen Nebenkosten dank eines gebäudeübergreifenden Energiekonzeptes.

Die beiden Platten des Typs WBS 70, Ludwig und Sophia, wurden mit unterschiedlicher Intensität saniert. Ergänzt werden sie durch den Holzhybridbau Franzi, der ab 2026 gebaut werden soll. Bis zu 44 Prozent der im Quartier benötigten Energie für Heizung und Warmwasser sollen vor Ort erzeugt werden. Wärmepumpen nutzen die Energie aus der Abluft der Bäder für die Warmwasseraufbereitung. Photovoltaikanlagen decken den Strombedarf der Haustechnik. Die gewonnene Energie versorgt vorrangig das Quartier, bevor Überschüsse ins öffentliche Netz fließen. 

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