Für seine jahrelange ehrenamtliche Tätigkeit um die Erinnerung an das KZ-Lager Mittelbau-Dora war der inzwischen 100-jährige Albrecht Weinberg bereits im Dezember 2024 zum Ehrenbürger der Stadt Nordhausen ernannt worden. Jetzt konnte ihm die Ehrenbürgerwürde im Rathaus der Stadt Leer, Weinbergs Wohnort, durch Oberbürgermeister Kai Buchmann (parteilos) übergeben werden.

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Begleitet wurde Buchmann auf seiner Reise von den Stadtratsmitgliedern Barbara Rinke (SPD), Wilma Busch (Grüne) und Alexander Scharff (Linke). In seiner Rede im Rathaus von Leer würdigte der OB den Überlebenden des KZ-Mittelbau Dora für seinen Einsatz gegen das Erstarken des Rechtsextremismus in Deutschland sowie für die Gedenk- und Erinnerungsarbeit in Nordhausen.

Wer hätte das gedacht! Vor 80 Jahren ein KZ-Häftling, mehr tot als lebendig. Heute ein Ehrenbürger der Stadt Nordhausen!

Albrecht Weinberg, Überlebender des KZ Mittelbau-Dora

„Albrecht Weinberg hat über das Erlebte in Auschwitz, Nordhausen und Bergen-Belsen nicht geschwiegen. Er hat dem Land, das ihn als unwertes Leben auslöschen wollte, nicht den Rücken gekehrt, sondern steht für die Aufarbeitung des NS-Unrechts genauso wie für die Verteidigung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus“, so Buchmann. „Die Ehrenbürgerwürde für Albrecht Weinberg ist für die Stadt Nordhausen und die Bürgerschaft der unmissverständliche Auftrag, mit der Erinnerung an die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands auch in Zukunft verantwortlich umzugehen.“

Ehrenbürger
Ehrenbürger Albrecht Weinberg hält stolz seine Urkunde. Neben ihm sitzen Oberbürgermeister Kai Buchmann (links) und Bürgermeister Claus-Peter Horst. Hinter ihm stehen (von links) die Nordhäuser Stadtratsmitglieder Wilma Busch, Barbara Rinke und Alexander Scharff.© Stadt Leer

Die Ehrung fand im historischen Trauzimmer des Rathauses der Stadt Leer statt. Es gab Ostfriesen-Tee mit Kluntjes und Sahne, dazu Kuchen. Buchmann dankte der Stadt Leer, vertreten durch den Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos), für die Gastfreundschaft.

Ehrenbürger trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein

Weinberg ist seit September 2023 ebenfalls Ehrenbürger der Stadt Leer. Wohl auch deshalb durfte er im März seinen 100. Geburtstag im Festsaal des Rathauses feiern. Das habe es noch nie gegeben, verriet Bürgermeister Horst.

Im Zuge der Verleihung der Ehrenbürgerwürde trug sich Albrecht Weinberg in das Goldene Buch der Stadt Nordhausen mit den Worten ein: „Wer hätte das gedacht! Vor 80 Jahren ein KZ-Häftling, mehr tot als lebendig. Heute ein Ehrenbürger der Stadt Nordhausen! Vielen Dank für die Ehre, ich kann es kaum glauben. Möge es nie wieder geschehen!!“

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Albrecht Weinberg hat sich entschieden, den Betrag für das Geschenk anlässlich der Ehrung im Wert von 250 Euro für die Herrichtung des Platzes der ehemaligen Synagoge in Leer zu spenden. Er sammelt seit Längerem Geld dafür, dass am Ort der von den Nationalsozialisten während der Pogromnacht niedergebrannten und zerstörten Synagoge ein Ort des Gedenkens geschaffen werden kann.

Albrecht Weinberg wurde am 7. März 1925 im ostfriesischen Rhauderfehn geboren. Als Kind jüdischer Eltern erlebte er die Verfolgung und Entrechtung im nationalsozialistischen Deutschland. Im April 1943 wurde die Familie ins KZ Auschwitz deportiert. Dort wurden seine Eltern ermordet.

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Mit Räumtransporten gelangte Weinberg Anfang 1945 ins KZ Mittelbau-Dora. Hier musste er Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen leisten. Nach einem weiteren Räumungstransport wurde er im KZ Bergen-Belsen befreit. Albrecht Weinberg wanderte mit seiner Schwester in die USA aus und lebt seit dem Jahr 2011 in Leer in Ostfriesland. red