Auf X, vormals Twitter, wird heftig debattiert: einem Post des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS) zufolge, habe die Bauhaus-Universität Weimar eine geplante Lesung mit Philipp Ruch abgesagt. Mit seinem neuen Buch „Es ist fünf vor 1933“ belegt der Leiter des ZPS, eines Zusammenschlusses von Aktivisten und Protestkünstlern, derzeit Platz fünf der Spiegel-Bestseller-Liste. Das brisante und viel diskutierte Buch beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie die AfD zu stoppen ist.

Weimarer Bauhaus-Präsident stelle sich aus Sicht des ZPS quer

Offenbar gegen den Willen des Veranstalters habe Universitäts-Präsident Peter Benz die Lesung „untersagt“, teilt das ZPS auf Anfrage mit. Er habe sich „am Ende der Kette“ quergestellt. Dem Post nach sei die Veranstaltung „zu heiß“ und „zu polarisierend“, schreibt das ZPS auf X. Der Autor selbst findet scharfe Worte: „Die Leitung der Bauhaus-Universität ist von einer Ängstlichkeit geprägt, die einer Demokratie unwürdig ist“, so Philipp Ruch gegenüber dieser Zeitung. „Die Verfassung beruht auf dem Versprechen ,Nie wieder!’. Am Horizont der politischen Lage Thüringens zeichnet sich aber mit Höcke als waschechtem NS-Ideologen mitsamt Rassenwahn ein ,Schon wieder’ ab“, sagt er. „Die Universität hätte den Auftrag, im Geiste des Grundgesetzes gegen die Verfassungsfeindlichkeit der AfD zu protestieren, nicht zu kapitulieren.“

Raum-Anfrage mit kurzer Deadline

Das Präsidium der Universität weist die Vorwürfe zurück: „Die Bauhaus-Universität Weimar hatte keinen persönlichen oder direkten Kontakt zum Zentrum für Politische Schönheit, auch sonst hat sich die Universität nicht zum Inhalt der geplanten Veranstaltung positioniert, sodass die im Post zitierten Worte nicht der Wahrheit entsprechen“, heißt es auf Nachfrage. Richtig sei, dass im Postfach der Universität am vergangenen Dienstag, 13. August, eine kurzfristige Raumanfrage der Stiftung „MeetFrida“ im Rahmen der Ausstellung „Kunst schafft Demokratie“ eingegangen sei. Das Projekt wurde nach Angabe der Stiftung in Kooperation mit dem Weimarer Kunstfest ins Leben gerufen, um im Vorfeld der Landtagswahlen ein Zeichen gegen Rechts zu setzen.

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Die Leiterin der Stiftung habe in der Mail darum gebeten, für eine Lesung am 22. August das Audimax nutzen zu dürfen. Noch am selben Nachmittag habe der Leiter des Kunstfestes eine Deadline für eine Entscheidung der Raum-Frage zum darauffolgenden Mittwochmittag gestellt.

Absage hätte keine inhaltlichen Gründe

Das Präsidium habe die Anfrage außerplanmäßig an eben jenem Mittwoch, gegen 11 Uhr, beraten, zeitgleich wurde in einer weiteren Mail der Stiftung auf eine Entscheidung gedrängt. Das Problem aus der Universitätsperspektive: Aufgrund ihrer Satzung stehen Räume nur für Lehre und Forschung zur Verfügung und können nur unter bestimmten Voraussetzungen, heißt im Ausnahmefall, externen Veranstaltern zur Verfügung gestellt werden.

„Im Ergebnis erteilte das Präsidium eine Absage, ausdrücklich aber ohne inhaltliche Einschätzung, sondern aus formalen Gründen“, ordnet das Präsidium ein. Schlicht, weil in der Kürze der Zeit eine Prüfung etwa auf Gemeinnützigkeit, Sicherheitsbelange oder Wirtschaftlichkeit hin nicht angemessen hätte erfolgen können. Eine solche Prüfung sei aber für externe Veranstaltungen Pflicht. Noch aus der Sitzung heraus wurde telefonisch die Entscheidung mitgeteilt. „Die genannten Gründe waren ausschließlich formal und nicht inhaltlich“, unterstreicht das Präsidium, womit der Post aus Sicht der Universität nicht dem tatsächlichen Vorgang entspreche.

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