Meine Woche: Karsten Kehr über das Gefühl der ersten Tage im neuen Jahr

Die erste Woche nach Silvester fühlt sich noch ein bisschen an, als sei man irgendwie in Watte gepackt.

Die Festtage haben uns aus dem Alltagsrhythmus gerissen. Und manch einer hatte über Weihnachten und Silvester mehr Stress mit der Herumfahrerei als wenn er normal auf Arbeit gegangen wäre. Dieser Tage ist man müde, und noch nicht richtig bei der Sache. Erst langsam, ganz langsam greifen die ersten guten Vorsätze – und finden ein jähes Ende beim unvermittelten Blick auf die Waage. Zum Glück gibts ja die alljährliche Fernsehwerbung, die termingenau Anfang Januar aber sowas von auf Diät macht. Abnehmen hier, Pfunde verlieren da. Dieselbe Prozedur wie jedes Jahr. Beste Reaktion: Darauf ein Stückchen Schokolade. Besser noch: Gleich eine ganze Tafel. Apropos dieselbe Prozedur wie jedes Jahr: Die gnadenlos lustigen Aufführungen des klassischen Silvestersketches Dinner for One im Greizer Winterdorf. Die ganz spezielle „Greiz Edition“ des Stücks begeisterte die Besucher ohne Ende. Eine gute Tradition mit einer Menge Wortwitz und klugen und raffinierten Einfällen. Mehr davon erhofft man sich.

Auf Neues hoffen können auch die Besucher der Greizer Vogtlandhalle. Das für das erste Halbjahr gestrickte Programm ist ebenso kommerziell wie experimentell, wie wir diese Woche erfahren konnten. Es bietet fast alles, was Kultur vermag: Kabarett, Lesung, Konzert, Artistik. Wenn in der Mehrheit auch manches einem älteren Publikum vorbehalten bleibt und die sogenannte leichte Muse überwiegt – die Programm-Mixtur an diesem schönen Haus, um das uns Städte in vergleichbarer Größe sehr wohl beneiden, scheint gelungen. Das neue Jahr kann also richtig losgehen. Vielleicht versteht es mancher als Neuanfang, weil er sich nur am Datum orientiert. Wie unser altes Handy, das in der Ecke landet, weil es durch ein neues ersetzt wurde. Einfach alles auf Werkseinstellungen zurücksetzen und weg sind unsere alten Daten. Schön, was man mit so einem Handy alles machen kann. Doch wir Menschen sind keine Geräte: Unsere Daten bleiben ewig und unabhängig vom Datum.

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