Es ist eine uralte Erfahrung, dass Umsiedlungen und Vertreibungen von Menschen, häufig von ganzen Siedlungsgebieten, ihre Ursachen in Kriegen haben. Vermutlich vermögen die menschlichen Wesen über eine längere Zeit nicht friedlich miteinander zu leben.

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Als 1989/90, nach vier Jahrzehnten des „Kalten Krieges“ in Europa, durch die friedlichen Umwälzungen in der DDR die deutsche Wiedervereinigung zustande kam, glaubten wir, ein neues Leben vor uns zu haben. Gedanken an eine Militarisierung gab es nicht, da die sowjetischen Truppen aus der DDR abzogen und die deutsche Ostgrenze an Oder und Neiße ein klares Völkerrecht war und ist. Auch die anderen Staaten Osteuropas verabschiedeten sich aus dem sozialistischen System mit Ideologie und Planwirtschaft. Allerdings meinten die westlichen „Sieger“ dieser Epoche, dass es nun richtig sei, den östlichen Ländern ihre „Hilfe“ anzubieten, durch Militärpräsenz vor Ort. Und so entstanden Stützpunkte der Nato und der USA in Estland, Lettland und Litauen, in Polen, Tschechien und Rumänien.

Dreißig Jahre später erlebt unsere Generation, die noch Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg hat, dass in Osteuropa, vor unserer „Haustür“, ein neuer Krieg tobt, der eine schreckliche Ergänzung im Nahen Osten erfährt und alle Potenziale für einen dritten Weltkrieg hat. Hat die Diplomatie versagt? Seit zehn Jahren wachsen die Ströme von Menschen, die aus ihren bedrohten Ländern fliehen und in dem bisher noch friedlichen Teil Europas eine sichere Zuflucht und eventuelle neue Heimat suchen.
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Mit Umsiedlung und Vertreibung gibt es deutsche Erfahrungen aus und nach dem Zweiten Weltkrieg; die Menschen kamen aus Schlesien, Pommern, Ostpreußen oder dem Sudetenland. Anders ist das bei den Deutschen aus Rumänien, die in der Dobrudscha am Schwarzen Meer und im Grenzgebiet zur Ukraine, in Bessarabien, bis 1940 zu Hause waren. Im Hitler-Stalin-Pakt war geregelt, dass diese deutschen Minderheiten bereits im Krieg „heim ins Reich“ geholt wurden. Sie hatten bereits vor mehreren Generationen ihre alte Heimat verlassen, einige schon zur Zeit der russischen Zarin Katharina II. Diese hatte Bauern, Handwerker, Lehrer und Ärzte zur Modernisierung Russlands aus Deutschland angeworben. Meist aus wirtschaftlichen Gründen sind einige von ihnen später weiter nach Süden gegangen, auch nach Bessarabien und in die Dobrudscha.
Die Umsiedlung der Dobrudscha-Deutschen war von mehreren Faktoren abhängig. Zunächst wurden im Herbst 1940 von deutschen Beamten in 50 Orten die deutschen Bewohner für die angeordnete Umsiedlung erfasst. Dann folgte eine Schiffsreise nach Österreich, dort folgte ein Lageraufenthalt von etwa zwei Jahren und die endgültige Neuansiedlung in Böhmen oder Mähren, das damals unter NS-Herrschaft stand. Andere deutsche Umsiedler wurden nach Schlesien bzw. Polen gebracht und lebten dort unter meist schwierigeren Bedingungen.
Vertriebene kamen auch ins heutige Thüringen
Die mir bekannten Dobrudscha-Familien, die seit 1945 in Mittelthüringen ansässig sind, fanden ihre neue Heimat in den Kreisen Gotha und Ilmenau. Die konkrete Ortswahl hing auch davon ab, woher der Treckführer der Wehrmacht stammte. Sachzwänge ergaben sich aus den Berufen der Flüchtlinge, die etwa Handwerker, Landwirte oder Kaufleute waren. So kam es zu Ansiedlungen in dem Gewerbeort Neudietendorf oder in Wandersleben, das durch die Landwirtschaft geprägt war.
Angehörige der Dobrudscha-Familien treffen sich nun am 10. und 11. April 2026 im Erfurter Ursulinenkloster. Diese Treffen haben eine lange Tradition, waren aber in der DDR nicht möglich und finden erst seit 1990 auch in Thüringen statt. Dabei sind auch Gespräche mit Historikern geplant, die sich mit diesem Thema der Geschichte beschäftigen.







