Wenn im Ortsverband Erfurt des Technischen Hilfswerks (THW) die Motoren anlaufen oder die Trinkwasseraufbereitungsanlage hochgefahren wird, trifft geballte Tatkraft auf jahrzehntelange Lebenserfahrung. In einer Organisation, die oft mit jungen Menschen in Einsatzstiefeln assoziiert wird, beweisen zwei Erfurter Senioren, dass der Katastrophenschutz keine Frage des Geburtsdatums, sondern der Einstellung ist. Utz (77) und Peter (70) zeigen, wie für sie der „Unruhestand“ aussieht.

Vom Chemielabor in den Katastropheneinsatz

Utz ist schon so etwas wie ein Urgestein. Seit 13 Jahren engagiert sich der heute 77-Jährige im THW-Ortsverband Erfurt. Sein Weg dorthin führte über die Erfurter Ehrenamtsbörse. „Im Vorruhestand habe ich abgewogen, wie es weitergeht“, erinnert er sich. Heute ist der ausgebildete Chemiker eine unverzichtbare Säule der Fachgruppe Trinkwasserversorgung. Sein Fachwissen aus seiner Zeit im Klinik-Außendienst und in einem Labor hilft ihm bei seiner anspruchsvollen Aufgabe als THW-Laborant. Er ist zuständig für die mikrobiologische Untersuchung und Chlorierung des aufbereiteten Trinkwassers – eine Aufgabe mit hoher Verantwortung, denn im Ernstfall hängt die Gesundheit vieler Menschen von seiner Präzision ab. Sein Wissen trug maßgeblich dazu bei, dass die Fachgruppe in Erfurt überhaupt aufgebaut werden konnte.

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Der 77-jährige Utz analysiert beim THW Erfurt das aufbereitete Trinkwasser.© THW OV Erfurt | THW OV Erfurt

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Einsatz während der Flutkatastrophe im Ahrtal, wo er am Nürburgring, wo mehrere Tausend THW-Helfer untergebracht waren, die Beprobung des Trinkwasseres vornahm. Auch die Versorgung der Bundeswehr während einer Übung in Gütersloh zählt zu seinen eindrücklichen Erinnerungen. Doch auch die lokale Hilfe zählt: „Die Ausleuchtung des Stadions beim Grönemeyer-Konzert, als die Arena noch im Bau war, hatte eine tolle Außenwirkung“, erzählt Utz. Unter den jüngeren Kameraden ist er voll akzeptiert. „Man hilft sich gegenseitig. Die Jüngeren übernehmen das schwere Heben, dafür ist meine Qualifikation unangefochten.“

Der „Neuling“ mit Führungserfahrung

Während Utz ein alter Hase ist, gehört Peter zu den „Späteinsteigern“. Der 70-Jährige ist erst seit einem Jahr dabei. Zufall und der Wunsch, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, führten ihn zum THW. „Früher war ich Wahlvorstand, das Ehrenamt lag mir also schon immer“, sagt er.

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Peter bringt eine Expertise mit, die man im Katastrophenschutz händeringend sucht: Struktur. Als ehemaliger Personalamtsleiter der Stadt Erfurt und Sachgebietsleiter des Corona-Stabs sowie durch seine Zeit bei der Bundeswehr ist ihm Stabsarbeit bestens vertraut. Heute unterstützt er den Fachzug „Führung/Kommunikation“ und kümmert sich unter anderem um den Führungs- und Lageanhänger, dem mobilen Büro der Führungsstelle.

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Trotz seiner früheren Führungspositionen hat er kein Problem damit, auch mal „taktische Zeichen zu schnippeln“ oder sich im Einsatz unterzuordnen. „Wer führen kann, kann sich auch einordnen“, betont er gelassen. Sein Motto: „Lernen, lernen, lernen – auch im Alter.“ Besonders die positive Resonanz der Bevölkerung, etwa bei der Blaulichtmeile in Gebesee, motiviert ihn, weiterzumachen. Künftig will er sich als Verbindungsmann zum Ortsverband Mainz engagieren.

Ein Gewinn für alle Generationen

Die Geschichten von Utz und Peter verdeutlichen, dass das THW in Erfurt mehr ist als nur Technik. Es ist ein Ort des Wissenstransfers. Die Senioren bringen Ruhe, Routine und fachspezifisches Know-how ein, während sie von der Dynamik und der körperlichen Kraft der Jüngeren profitieren. In einer Gesellschaft, die immer älter wird, sind Menschen wie Utz und Peter die Vorbilder, die zeigen, wie wertvoll das Alter für uns alle sein kann.