Zum Lesen oder Fernsehen oder auch Handy-Spielen hat jeder seine Meinung und das muss auch akzeptiert werden. Im Allgemeinen aber scheint es doch so, als läse kaum noch jemand Bücher. Dabei ist es so schön, seine Fantasie zu nutzen oder zu entwickeln, wenn man beim Lesen seinen eigenen „Film“ sieht, sich Figuren oder Landschaften vorzustellen und mit ihnen eine Zeit zu verbringen. Ich sehe mir niemals Verfilmungen an, wenn ich die Bücher gelesen habe. Filme müssen verkürzen, weglassen und man muss Schauspieler ertragen, die oftmals nicht meinem Kopfkino entsprechen.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Bei all dem Lesepessimismus ist es erstaunlich und schön, dass noch neue Büchereien entstehen, wie in Jena. Dort wurde am 25. März 2024 die neue Ernst-Abbe-Bücherei im neuen Gebäude auf 3800 Quadratmetern eröffnet. Die alte Bücherei, 1896 eröffnet, war etliche Male umgezogen, hatte ihren Hauptsitz lange im Volkshaus, das saniert und neu ausgerichtet werden sollte, so dass 2018 ein Neubau beschlossen wurde.

Es gab eine Ausschreibung, dazwischen noch Corona, und da das neue Gebäude im Stadtzentrum, direkt neben dem Theater entstehen sollte, auch einige Anforderungen an den Bau. So sollte das Haus nicht höher sein als das Theaterhaus, es musste sich an die umgebenden Häuser der Neugasse anpassen, Brandmauern eingeschlossen. Außerdem sollte ein kurzer Fußweg zum Paradiesbahnhof garantiert werden. Das ist alles gut gelungen, sogar das erst kürzlich wiedereröffnete Kloster Jena profitiert von dem Bau, weil die Leute dort entlanggehen müssen, vorher kannte es kaum einer.
Weitere Beiträge aus der TA-Seniorenredaktion
An einem Sonnabend fand eine Führung durch das Haus statt und wir wollten uns das einfach mal ansehen und -hören. Erstaunlich war, dass man hineinkam ohne kontrolliert zu werden, alles ist barrierefrei, aber auch eine Kaskadentreppe führt hinauf bis in die dritte Etage. Im ganzen Haus steht kostenloses WLAN zur Verfügung, es gibt auf jeder Etage zwei Selbstverbucher für die Ausleihe, so ist kein Bibliothekar notwendig, nur der Büchereiausweis, mit dem auch die Garderobe und Schließfächer benutzt werden können. Auf jeder Etage findet sich ein Wasserspender, um Trinkflaschen kostenlos aufzufüllen. Am Haupteingang befindet sich außen eine 24-Stunden-Rückgabe.
Bücher-Rückgabe über ein Fließband
Wir konnten von innen die Rückgabe verfolgen, die Bücher bewegten sich über eine Art Fließband, das sich verzweigte und die einzelnen Bücher in verschiedene Richtungen, je nach Thema, in Körbe ablegte. Es war ein bisschen wie Zauberei, aber der Scanner macht es möglich. Am Wochenende wird auch mal der Überlauf gebraucht, dann muss am Montag per Hand nachsortiert werden. Beschädigte Bücher werden laut Ausleihe geprüft, der Schaden kann in Rechnung gestellt werden.
Innen gibt es viele Bereiche, als erstes wird man von einem Raum mit Kaffeeautomaten (ein Euro pro Tasse) und gemütlichen Leseecken empfangen, eine Kinderwerkstatt zum Basteln und Experimentieren gibt es, dort finden Kinder Bausätze, -steine und Werkzeuge und können ohne Aufsicht alles ausprobieren, es wäre auch noch nichts weggekommen, hieß es.

Es gibt einen Kinderlesebereich, mit aufregenden Sitzgelegenheiten wie Hängesesseln sowie eine Art Raumschiff zum Spielen und Lesen. Die Bücher dort müssen auch nicht mit Rückenbeschriftung einsortiert werden, sondern mit dem Buchdeckel, weil die Kinder vielleicht noch nicht lesen können. In den anderen Lesebereichen ist es natürlich nicht so.
Im Bereich für Jugendliche, wo auch Musik gehört werden kann, sind Erwachsene nicht erwünscht. Überall sind Möglichkeiten zum Arbeiten auf kleinen Tischen gegeben, es gibt Sessel, die die Akustik abschirmen. Im ganzen Gebäude sind die Regale so ausgerichtet, dass Gänge zu den Fenstern bestehen, so ist es hell und freundlich, nicht wie in der alten Bücherei. Wir waren begeistert, auch von der Anzahl an Lesern im Haus.







