Im Gespräch mit Bürgern aus den westlichen Bundesländern fällt mir immer wieder auf: Wir verstehen uns sprachlich, aber wir verwenden teilweise andere Wörter. Es gab eine DDR-typische Lexik, die ich zum Teil bis heute benutze – die Kaufhalle etwa, nicht den Supermarkt. Vorher gingen wir in die HO oder in den Konsum (Betonung auf der ersten Silbe).

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Viele unserer Bezeichnungen waren ein bisschen volkstümlicher. Bei uns war alles „in Sack und Tüten“, nicht „in trockenen Tüchern“. Auch Nahrungsmittel hießen oft anders: Die Orange war eine Apfelsine, Limonade hieß Brause, und der Mythos Broiler erschloss sich Besuchern aus dem Westen nie. Wir hatten einmal geschäftliche Gäste, denen Gulasch angeboten wurde – sie fragten, ob das „Broiler“ sei. War es natürlich nicht. Dabei ist das Wort englischen Ursprungs: „to broil“ heißt grillen oder braten. Seltsam ist nur, dass es über Bulgarien zu uns kam. Inzwischen ist auch der Broiler fast verschwunden.

Foto: Henry H. Herrmann Thema: Konsum Kaufhalle in Berlin Koepenick 1969
Archivfoto einer Konsum Kaufhalle in Berlin-Köpenick im Jahr 1969.© picture alliance / Eventpress | Henry H. Herrmann

Immer wieder ist von Grilletta oder Ketwurst die Rede, den DDR-Varianten von Hamburger und Hotdog. Diese Wörter kenne ich eigentlich nicht. Gern werden sie den Berlinern zugeschrieben, die ja angeblich alles hatten. Ich habe in Ost-Berlin studiert – über den Weg gelaufen sind mir die Begriffe nie. Apropos „Berliner“: Das sind für mich Pfannkuchen, übrigens auch für unsere Verwandtschaft in der Hauptstadt. Und die Pfannkuchen fristen bei uns als Eierkuchen ihr kurzes Dasein.

Ostdeutsche Essensbegriffe leben weiter

Sehr erstaunt war ich, als ich mitbekam, dass unser „Mutti“ und „Vati“ im Westen einen ironischen Unterton haben: „Das ist so eine richtige Mutti!“ Dort waren Mama und Papa angesagt, heute Mum und Dad.

Manche Bezeichnungen sind mit ihrem Gegenstand verschwunden. Wer benutzt heute noch Datsche, Patenbrigade oder Niethose? Der Begriff Plaste dagegen hält sich hartnäckig, nicht Plastik – ganz im Sinne der Werbung: „Plaste und Elaste aus Schkopau“. Die praktische Kittelschürze aus Dederon samt zugehörigem Einkaufsbeutel ist weitgehend verschwunden. Zum Glück, ich habe sie gehasst. Andere Vokabeln halten sich neben den gängigen Formen: Kosmonaut zum Beispiel – das ist Sigmund Jähn für mich bis heute.

DDR-Wörter bleiben lebendig und prägen unseren Sprachgebrauch

Auf Unverständnis stoßen auch Wendungen wie „Ich muss mal austreten“. Und was bitte sind Dropse, was ist Auslegware? Auch Mischgemüse oder Eselswurst kennt nur der ehemalige DDR-Bürger. Die immer wieder zitierte geflügelte Jahresendfigur spielte in unserem Wortschatz übrigens keine Rolle. Dafür sagen wir noch heute Fit zu Abwaschmittel aller Art – und Regenhusche, Muckefuck oder Fahrerlaubnis.