Es ist bereits 35 Jahre her, dass mit der DDR die sozialistische Planwirtschaft unterging wie ein Schiff auf hoher See bei falscher Navigation. Der neue, große deutsche Einheitsdampfer folgte dann den Regeln der sozialen Marktwirtschaft, bei breiter Zustimmung der Passagiere sowie des Kapitäns und seiner Mannschaft.

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Nun gibt es regelmäßig auch kranke Leute, die mal zum Arzt oder in eine Klinik müssen. Das Schiff fährt dann an Land zu einem Hafen. Otto Normalbürger, ein älterer Rentner, schwerbehindert mit Ausweis (90 Prozent), nimmt sein Auto, fährt zum Arzt oder in die Klinik und hofft auf einen Parkplatz, weil er schlecht zu Fuß ist. Er hat einen gefunden und geht als einfacher Thüringer davon aus, dass dieser zur Klinik gehört.
Groß ist sein Erstaunen, als er eine Woche später aus dem Rheinland Post bekommt, mit dem Hinweis, dass er auf einem privaten Parkplatz in Thüringen einen Parkverstoß begangen hat, der 49,76 Euro kostet. Da die Klinik den Otto fünf Tage stationär behandeln musste, gab es noch zwei weitere dieser „Liebesbriefe“.
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Otto hatte sich eben geirrt. Wie konnte er davon ausgehen, dass die Parkplätze der Klinik nicht zu dieser gehören? So schrieb er ins Rheinland und erklärte seine Situation. Seitdem grübelt er über unsere Gesellschaft und ihre soziale Politik nach. Er war doch nicht auf einem Bau- oder Supermarkt gewesen. Ein alter Freund bestätigte ihm, das sei jetzt die kommerzielle Marktwirtschaft, da ja alle leben müssten, auch die Besitzer der Parkplätze. Und da war Otto wieder bei der Politik, die doch für das Wohl des Volkes diese sozialen Dinge regeln müsste. Mit einer gewissen Spannung erwartet Otto nun eine Klärung und vielleicht sogar eine Entschuldigung zu seinem Klinikbesuch.







