Auf der süditalienischen Urlaubsinsel sind die Ziegen los – genau genommen eine wachsende Population, die seit einiger Zeit für Streit sorgt. Rund 170 Tiere leben nach Angaben der Behörden und Tierschutzverbände derzeit im Gebiet von Cetrella bei Anacapri. Pläne, die Population einzudämmen, waren bisher gescheitert.

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Nun ist die Angelegenheit zu einem Fall für die Justiz geworden: Mehrere Bewohner erstatteten Anfang September Anzeige bei den Behörden, nachdem sie beobachtet hatten, wie Dutzende Ziegen eingefangen und in einem Baufahrzeug abtransportiert wurden. Die Tiere hätten dabei nach Angaben der Zeugen kaum Platz gehabt. Einen Beschluss der Gemeinde zum Abtransport habe man für die betreffenden Tage im offiziellen Amtsblatt nicht gefunden. Die Tierschützer fordern Aufklärung darüber, wer die Einfangaktion angeordnet hat und wohin die Tiere gebracht wurden. Der Fall beschäftigt nun sogar die Staatsanwaltschaft von Neapel.

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Ziegenplage auf Capri: Sterilisation sollte Problem lösen

Denn: Besonders am Berg Solaro bei Anacapri wird die zunehmende Zahl der Tiere zum Problem. Die Ziegen fressen Gras, Sträucher und junge Pflanzen und schädigen damit die empfindliche Vegetation der Insel. Auch Trockenmauern und Felsen seien teilweise betroffen. Neapels Oberstaatsanwalt, Aldo Policastro, warnte angesichts der Entwicklung vor den Folgen für das fragile Ökosystem des Bergs Solaro. Niemand wolle die Tiere verteufeln, doch ihre große Zahl könne das ökologische Gleichgewicht der Insel gefährden.

Dabei leben die Tiere seit Jahrhunderten auf Capri. Der Name der Insel könnte sogar auf die Tiere zurückgehen: Das lateinische „capreae“ bedeutet „Ziegen“. In den vergangenen Jahren hat sich die Population jedoch stark vergrößert. Nach Angaben von Experten handelt es sich zumindest teilweise um Tiere, die nicht ursprünglich auf der Insel heimisch sind. Nach Angaben von Tierschützern wurden einige Tiere für den Film „Capri-Revolution“ des bekannten italienischen Regisseurs Mario Martone aus dem Jahr 2018 auf die Insel gebracht. Anschließend seien sie dort geblieben und hätten sich mit den bereits vorhandenen Tieren vermehrt.

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Eine Maßnahme gegen ihre unkontrollierte Ausbreitung: die Sterilisation der männlichen Tiere. Die zuständige Veterinärbehörde hatte entsprechende Maßnahmen angekündigt, um eine weitere unkontrollierte Vermehrung zu verhindern. Nach Einschätzung von Tierschützern wurden jedoch bislang nicht genügend Tiere sterilisiert. Das müsse sich ändern, statt die Ziegen einfach von der Insel zu verbannen.

Anwohner setzen sich für Ziegen ein – mit Petition

Damit ist aus einem zunächst lokalen Umweltproblem ein Konflikt zwischen Naturschutz, Tierschutz, Behörden und Anwohnern geworden. Die Verbannung der Ziegen von der Insel stößt auf erheblichen Widerstand. Eine Petition für ihren Verbleib in Anacapri soll inzwischen rund 15.000 Unterschriften gesammelt haben. Auch der Bürgermeister von Anacapri, Franco Cerrotta, hatte sich gegen eine Verbringung der Tiere aufs Festland ausgesprochen. Die nun eingeleiteten Ermittlungen sollen klären, wer für den Abtransport der Ziegen verantwortlich ist und wo sich die eingefangenen Tiere befinden.

Capri ist seit der Antike ein beliebtes Reiseziel. Bereits der römische Kaiser Tiberius ließ dort mehrere Villen errichten. Heute gehört die Insel zu den bekanntesten und exklusivsten Urlaubszielen Italiens und wird besonders in den Sommermonaten von zahlreichen Touristen besucht. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählen die Blaue Grotte (Grotta Azzurra), die Faraglioni-Felsen und die historischen Gärten der Villa San Michele.